{"id":178,"date":"2019-10-18T08:36:36","date_gmt":"2019-10-18T08:36:36","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=178"},"modified":"2025-10-21T17:39:18","modified_gmt":"2025-10-21T15:39:18","slug":"19-09-2019-wordworld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=178","title":{"rendered":"19.09.2019 &#8211; Wordworld"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.com\">Wordworld<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bewertung<\/strong>:<br>Nachdem ich vor zwei Jahren schon&nbsp;das Vergn\u00fcgen hatte, durch die beiden Romane&nbsp;&#8222;<a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.com\/2017\/08\/5-minuten-ein-tagebuch.html\">F\u00fcnf Minuten &#8211; Ein Tagebuch<\/a>&#8220; und &#8222;<a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.com\/2018\/03\/in-ewigkeit.html\">In Ewigkeit<\/a>&#8220; des Autors mit Fragen nach dem Sinn des Lebens konfrontiert&nbsp;zu werden, insgesamt aber leider nicht \u00fcberzeugt werden konnte, starte ich mit Ian Cushings neustem Werk nun einen zweiten Versuch. Und durch &#8222;<em>Die Tr\u00e4ne der Zauberschen<\/em>&#8220; ist es tats\u00e4chlich vollbracht: ich wurde vom &#8222;<em>Lieblings-Nicht-Fan<\/em>&#8220; zu einem echten Fan!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Was\nbedeutet schon die Tr\u00e4ne einer Zauberschen?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ersten Punkt auf meiner Liste muss\nich dieses bezaubernde Cover loben. Wie seine Vorg\u00e4nger ist auch dieser Band in\neinem einheitlichen Schwarz gehalten, kunstvoll durchbrochen durch den wei\u00dfen\nTitel und das goldene Motiv. Wieder hat der K\u00fcnstler Karmazid, von dem die\nIllustration stammt, ein wirkliches Kunstwerk geschaffen. Die Zweiteilung in\nVergangenheit und Jetzt, Sch\u00f6nheit und Abscheulichkeit, Leben und Tod,\nUnversehrt und Verbrannt umschlungen von Flammen, wallenden Haaren und\neinzelnen Sternen verdeutlicht die Ambivalenz und die Gegens\u00e4tze, die im Roman\nimmer wieder gegen\u00fcbergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Titel in Form einer Tr\u00e4ne passt\nwunderbar ins Bild und macht neugierig. Einzig die starken Schn\u00f6rkel, die die\nLeserlichkeit des Titels stark schm\u00e4lert k\u00f6nnte man an der rundum gelungenen\nGestaltung anprangern. Was ich ebenfalls noch hervorheben m\u00f6chte ist, dass mein\nPrintexemplar in passendem (!) Geschenkpapier, signiert und mit allerlei\nGoodies wie beispielsweise das Lesezeichen (siehe rechts) bei mir ankam. An\ndieser Stelle ein riesiges Lob an den Selfpublisher-Autor f\u00fcr das\nprofessionelle Auftreten, die zauberhafte Gestaltung und das qualitativ\nhochwertige Lektorat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">Erster Satz:&nbsp;<em>&#8222;Sie\ntreibt schwerelos in einem Ozean allumfassender vollkommener Dunkelheit, die es\nihr unm\u00f6glich macht zu erkennen, ob sie ihre Augen ge\u00f6ffnet oder geschlossen\nhat und doch sieht sie immer wieder Bilder und Szenen aus dem Leben anderer\nMenschen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten steigen wir in einen\nkleinen Prolog ein bevor wir im ersten von 17 Kapiteln den ersten\nHandlungsstrang des Romans n\u00e4hergebracht bekommen. Wir lernen die herzensgute,\nwundersch\u00f6ne und&nbsp;fromme Barbara kennen, die mit ihrem Mann Friederich und\nihrer sechsj\u00e4hrigen Tochter Grete in Pf\u00fceln im Jahr 1611. Die B\u00e4ckerfamilie\nlebt gl\u00fccklich und gen\u00fcgsam in dem kleinen Dorf bis der Teufel in der Haut von\nBannrichter Justus Arbiter Einzug h\u00e4lt und Zwietracht s\u00e4t. Die kluge Barbara\nmit ihrem Kr\u00e4uterwissen wird schnell zur Zielscheibe f\u00fcr Anschuldigungen, sie\nsei eine Hexe und als sich dann auch noch eine Freundin gegen sie stellt, wird der\nunschuldigen Frau einen grausamen Scheinprozess gemacht. So m\u00fcssen wir zusehen,\nwie sie durch Verleumdung und Verrat vom rechten Weg abkommt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Vielleicht\nsind die Kinder n\u00e4her an der Wahrheit als die Erwachsenen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was das mit den drei Freunden Dirk,\nMarcus und Jan zu tun hat, die in der Gegenwart im beschaulichen Pfuhlenbeck\nleben, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Je besser wir die drei\nFamilienv\u00e4ter jedoch kennenlernen, desto mehr Parallelen tauchen auf und als\ndann auch noch eine geisterhafte Erscheinung Rache f\u00fcr 400 Jahre alte Willk\u00fcr\nund Grausamkeit fordert, wird klar, worauf die Geschichte hinauslaufen wird.\nDas scheinbar vorhersehbare Grundger\u00fcst wird dann jedoch durch etliche\nspannende Details und \u00dcberraschungen aufgepeppt, sodass keine Langweile\naufkommt. Der Beginn zieht sich zwar durch die ausf\u00fchrliche Einf\u00fchrung in&nbsp;\nBarbaras Leben im 17 Jahrhundert und die detaillierte Beschreibung der\njeweiligen Lebensumst\u00e4nde von Jan, Dirk und Marcus (auch genannt &#8222;<em>der\nVerstand, das Herz und die Hand<\/em>&#8222;) ein wenig hin,&nbsp;die Einteilung in kurze Unterkapitel\nund die st\u00e4ndig wechselnden Erz\u00e4hlperspektiven halten Spannung und\ndas&nbsp;Tempo jedoch hoch.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Wann?&#8220;, hauchte er. &#8222;Wer wei\u00df?&#8220;, lautete ihre lakonische Antwort und als w\u00fcrde der Wind die Asche eines heruntergebrannten Lagerfeuers in alle Himmelsrichtungen verteilen, verlor sich ihre Gestalt in einem Wirbel aus Asche und Funken.<\/em> <em>Unglauben. Gewissheit. Fantasie. Wahrheit. Nun wusste Jan endlich, was Angst bedeutet.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Sprache Ian Cushings kann\nwieder \u00fcberzeugen. Er schreibt ruhig und niveauvoll und schildert nicht etwa\nblumig oder ausschweifend sondern sehr sachlich, klar, direkt und realistisch\ndie Geschehnisse. \u00dcber die leichte Distanz, die sich durch den eher k\u00fchlen Stil\nergibt, war ich angesichts der teilweise sehr brutalen und schonungslosen\nSzenen sehr froh. Ansonsten umrahmen intelligente Anspielungen und innovativen\nSprachbilder diese Geschichte, die so viel in ihren knapp&nbsp;500 Seiten\nbeinhaltet: Drama, Philosophie, Mystery, Grusel und Thriller-Elemente &#8211; die\nGeschichte ist facettenreich und so wird sie auch pr\u00e4sentiert. Durch die\ngeschickte Verkn\u00fcpfung der beiden Handlungsstr\u00e4nge erhalten wir einen Roman,\nder sowohl historischer Roman als auch Gruselgeschichte ist. Es geht um\nVorurteile, Hetze und Verfolgung von Hexen, es geht jedoch auch um drei\nFamilienv\u00e4ter, die ihre Frauen und Kinder gegen eine unheimliche\nGeistererscheinung verteidigen m\u00fcssen, um eine Freundschaft, die \u00fcber\nGenerationen verbindet. Dabei wird der \u00e4ltere Handlungsstrang keineswegs nur\ndazu verwendet, den j\u00fcngeren zu erkl\u00e4ren sondern steht ihm gleichwertig\ngegen\u00fcber und dient vor allem dazu, uns die tragische Figur Barbaras\nn\u00e4herzubringen. Mit jedem Zeitwechsel wechselt Barbara vom Held zum Antiheld\nund wieder zur\u00fcck,&nbsp;werden Sympathie und Mitleid angesichts ihres Leids\nund&nbsp;Angst und Unverstehen angesichts ihrer Taten gegen\u00fcber gestellt, bis\nman als Leser irgendwann versteht, dass diese Kategorien hier eigentlich gar\nnicht so wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist die wahre St\u00e4rke des Romans:\ndie ambivalenten, authentischen Figuren, mit denen man einfach mitfiebern muss\n&#8211; damals wie heute. Es geht nicht so sehr um gruselige Effekte und gro\u00dfe\nDramatik, hier stehen die Charakterstudie und die Hintergr\u00fcnde des Handelns der\nFiguren im Vordergrund. Dieser Roman ist gruselig ohne blutr\u00fcnstig zu sein,\nnachdenklich ohne ins lahm philosophierende abzurutschen und spannend ohne\nunn\u00fctzes Drama zu ben\u00f6tigen. Und so schreibt sich Ian Cushing mit dieser tragischen\nGeschichte von Ungerechtigkeit und Vergeltung an der breiten Leserschaft\nvorbei, direkt in mein Herz.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Engel,\nGeister, Seelen, die in unsere Welt eindrangen. Oder vielleicht immer in\nunserer Welt um uns waren. All das wollte er f\u00fcr m\u00f6glich halten. Warum nicht?\nSehr lange war die Menschheit fest davon \u00fcberzeugt gewesen, dass die Erde eine\nScheibe w\u00e4re. Und genauso gut konnte man sich in der Annahme irren, dass es\nkeine Spiritualit\u00e4t gab.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders interessant ist auch der\ngeheimnisvolle Dialog, zwischen zwei sich liebevollstreitenden Instanzen, die\ndas Geschehen kommentieren. Damit regt der Autor zum Nachdenken an, ohne die\n&#8222;gro\u00dfen&#8220; Fragen nach Gott oder Teufel, Gut oder B\u00f6se oder andere\nKategorien klar zu beantworten. Lenkende M\u00e4chte, das Schicksal, Gerechtigkeit,\nRache, Magie, Historie, Vergebung, Liebe, Hass, Frieden und Angst &#8211; der\nungew\u00f6hnliche, packende Mix, der entsteht, l\u00e4sst sich nur schwer einem genauen\nGenre zuordnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende \u00fcberrascht und bricht erstmal\naus dem erwarteten Muster aus. Der hinten angestellte Epilog dreht das Szenario\ndann aber nochmal, sodass ich mir w\u00fcnschte, die Geschichte h\u00e4tte einfach zehn\nSeiten fr\u00fcher geendet &#8211; mit Hoffnung und nicht mit einem mulmigen Gef\u00fchl. Alles\nin allem tr\u00fcbte also nur der recht langsame Beginn das Bild.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>:<br>Ian Cushing schreibt sich mit dieser tragischen Geschichte von Ungerechtigkeit und Vergeltung an der breiten Leserschaft vorbei, direkt in mein Herz. Drama, Philosophie, Mystery, Grusel und Thriller-Elemente &#8211; hier entsteht ein ungew\u00f6hnlicher, packender Mix aus Horror- und Historischem Roman.<\/p>\n\n\n\n<p>PS:\u00a0<em>Vielen Dank an Ian Cushing f\u00fcr das Rezensionsexemplar! Sch\u00f6n, dass ich als dein Nicht-Fan nach meiner vernichtenden Rezension zum ersten Versuch nochmal dein Vertrauen wecken konnte! \ud83d\ude09\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld-683x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-319\" srcset=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld-683x1024.png 683w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld-200x300.png 200w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld-768x1152.png 768w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld-140x210.png 140w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-06-Wordworld.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wordworld Bewertung:Nachdem ich vor zwei Jahren schon&nbsp;das Vergn\u00fcgen hatte, durch die beiden Romane&nbsp;&#8222;F\u00fcnf Minuten &#8211; Ein Tagebuch&#8220; und &#8222;In Ewigkeit&#8220; des Autors mit Fragen nach dem Sinn des Lebens konfrontiert&nbsp;zu werden, insgesamt aber leider nicht \u00fcberzeugt werden konnte, starte ich mit Ian Cushings neustem Werk nun einen zweiten Versuch. 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