{"id":187,"date":"2019-10-18T08:49:31","date_gmt":"2019-10-18T08:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=187"},"modified":"2025-10-21T17:37:46","modified_gmt":"2025-10-21T15:37:46","slug":"06-10-2019-phantastische-fluchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=187","title":{"rendered":"06.10.2019 &#8211; Phantastische Fluchten"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pg\/phantastischefluchten\">Phantastische Fluchten &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"https:\/\/phantastische-fluchten.blogspot.com\">Phantastische Fluchten &#8211; Homepage<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Jahr 1611<\/strong><br>Barbara und ihr Mann Friederich leben gl\u00fccklich und zufrieden dem kleinen Dorf Pf\u00fceln. Ihr Gl\u00fcck wird vollkommen, als ihre Tochter Greta geboren wird. Das Paar ist im Dorf allseits beliebt und ihre Tochter ist ein kleiner Sonnenschein&nbsp;&nbsp;Durch die B\u00e4ckerei haben die Eheleute ein kleines Auskommen und Barbara l\u00e4uft ihrem Mann als B\u00e4cker bald den Rang ab, da sich ihre Torten gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen.<br>Die junge Frau ist in der Kr\u00e4uterkunde ebenso bewandert wie im Backhandwerk und so steht sie vielen Bewohnern des Ortes oft hilfreich zur Seite und kuriert ihre Wehwechen. Der Friede des Ortes und das harmonische Zusammenleben der Bewohner werden j\u00e4h gest\u00f6rt, als Barbara pl\u00f6tzlich der Hexerei bezichtigt wird. Niemand glaubt diesen Anschuldigungen, ist Barbara doch f\u00fcr ihre Gl\u00e4ubigkeit bekannt.<br>Doch sind die Zweifel erst einmal ges\u00e4t\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Jahr 2011<\/strong><br>Marcus, Jan und Dirk sind seit ihrer Schulzeit die dicksten Freunde. Obwohl sie sehr unterschiedliche Charaktere sind und verschiedene Weltanschauungen haben, st\u00f6rt das ihre Freundschaft nicht. Alle drei jungen M\u00e4nner lernen etwa zur gleichen Zeit ihre Traumfrau kennen, heiraten und werden Vater einer Tochter. Und auch drei Ehefrauen, sowie die drei T\u00f6chter freunden sich miteinander an. Das alles erscheint mehr als zuf\u00e4llig und bald stellen die drei Freunde fest, dass ein Ereignis aus der Vergangenheit sie alle miteinander verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br>Es handelt sich hier um eines der schrecklichsten B\u00fccher, welches ich in den letzten Jahre gelesen habe. Nicht schrecklich im Sinne von schlecht sondern schrecklich weil ich beim Lesen eine Achterbahnfahrt der Gef\u00fchle durchlebt habe. Das Buch hat mich emotional sehr ber\u00fchrt und ich habe die Ereignisse f\u00f6rmlich miterlebt und mit erlitten. Wenn ein Autor es schafft, den Leser so in seine Geschichte hineinzuziehen, dann hat er alles richtig gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erz\u00e4hlung beginnt v\u00f6llig harmlos. Wir erleben\nmit, wie Barbara ihrem Friederich das erste Mal begegnet, zwei Menschen, die\nf\u00fcreinander geschaffen sind. Dieses Gl\u00fcck strahlt auch auf die Nachbarschaft\n\u00fcber, ihre warmherzigen und hilfsbereiten Wesen machen sie im ganzen Ort beliebt.\nW\u00e4hrend des Backens singt Barbara die Lieder, die sie in der Kirche geh\u00f6rt hat\nund ihre glockenklare Stimme erfreut das ganze Dorf. Greta kommt ganz nach\nihrer Mutter. Sie ist ein liebenswertes und sehr wissbegieriges Kind. Schon im\nAlter von sechs Jahren kann sie verschiedene Kr\u00e4uter auseinanderhalten und\nkennt deren Wirkung. Oft begleitet sie ihre Mutter, wenn diese den Dorfbewohner\nheilende Tr\u00e4nke bringt. Das Leben ist Pf\u00fceln ist nicht einfach aber der Vogt\ndes Ortes sorgt f\u00fcr seine Menschen und schaut, dass niemand ungerecht behandelt\nwird. Sowohl der Pfarrer als auch der Vogt hegen gro\u00dfe Zuneigung zu der jungen\nFrau und ihrer h\u00fcbschen Tochter, es scheint unvorstellbar, dass diese d\u00f6rfliche\nIdylle jemals getr\u00fcbt wird. Doch Neid und Missgunst finden sich \u00fcberall und so\nwird Barbara der Hexerei bezichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ian Cushing strebt langsam aber zielstrebig dem\nH\u00f6hepunkt entgegen. Wie Barbara selbst, glaubt auch der Leser nicht an eine\nechte Gefahr. Wir, mit dem Verstand und diesem Wissen des 21. Jahrhunderts\nk\u00f6nnen uns einfach nicht vorstellen, dass man den haltlosen Anschuldigen\nGlauben schenkt. Aber auch heute kommt es durchaus zu Rufmord und wenn man die\nteilweise sehr geh\u00e4ssigen Posts im Internet liest, hat sich seit dem 17.\nJahrhundert nicht viel ver\u00e4ndert. Der Mensch bleibt sich selbst sein \u00e4rgster\nFeind. Zu Barbaras Leidwesen weilt gerade der Bannrichter Justus Arbiter beim\nVogt zu Gast, ein selbstgerechter und anma\u00dfender Mensch, der keinerlei Gnade\nkennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man diese Passagen liest, bekommt man einen\nregelrechten Hass auf diesen Mann. Er ist das wandelnde Klischee eines\nHexenverfolgers und l\u00e4sst keine Argumente gelten, die zu Barbaras Gunsten\nsprechen. Hier schwanken die Emotionen des Lesers zwischen Hass, Wut und\nTrauer, man f\u00fchlt sich, ebenso wie Barbara und der Vogt, absolut hilflos\ngegen\u00fcber solcher Ignoranz und Willk\u00fcr. Dieses Mannes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte pendelt zwischen den zwei Epochen hin\nund her. Immer wenn man meint, es nicht l\u00e4nger zu ertragen, erfolgt ein Bruch\nund man befindet sich im Jahr 2011. Auch hier beginnt alles ganz harmlos. Die\ndrei Paare sitzen beim ihrem Lieblingsgriechen und feiern ihr Wiedersehen. Dirk\nwar mit seiner Frau Manuela&nbsp;&nbsp;aus beruflichen Gr\u00fcnden nach Weimar\ngezogen. Als Manuela bei der Geburt ihrer Tochter Lilly starb, kehrte Dirk\nzur\u00fcck nach Pfuhlenbeck und die drei Musketiere sind endlich wieder vereint. Es\nf\u00fcgt sich gut, dass ihre T\u00f6chter in die gleiche Schule gehen und auch die\nEhefrauen relativ gut miteinander auskommen. Zwar hinterl\u00e4sst der Tod von\nManuela eine L\u00fccke aber Dirk konzentriert sich ganz auf seine Tochter und\nscheint relativ gl\u00fccklich. Alles wirkt sehr lebendig, menschlich und\n\u00fcberzeugend. Eine Alltagsszene, wie man sie besser kaum beschreiben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Marcus ist der erste der drei Freunde, der\nungew\u00f6hnlichen und bedrohlichen Besuch erh\u00e4lt. Nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt er seinen\nFreunden von dieser Begegnung, auch wenn sie bei Tageslicht eher wie ein\nAlptraum erscheint. Dirk merkt sofort, dass Jan ihnen etwas verheimlicht, die\nGeschichte von Marcus scheint bei Jan etwas auszul\u00f6sen, doch er schweigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab da wird der Leser ebenfalls mit unendlichem Leid,\nTrauer, Wut, Hilflosigkeit, Ungerechtigkeit&nbsp;&nbsp;und Schmerz\nkonfrontiert. Der Autor verschont weder seine Charaktere noch seine Leser und\ner geht konsequent seinen Weg. Kein Mitleid, kein Einknicken in letzter\nSekunde, kein Erbarmen. Ich war teilweise fassungslos wie grausam Ian Cushing\nmit seinen Figuren umgeht. Manchmal wusste ich nicht, ob ich ihn nicht mehr\nhasse als die Figuren in seinem Buch. Denn letztendlich hat er sich diese\nGeschichte ausgedacht und st\u00fcrzt mich somit in eine emotionale Krise.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine gro\u00dfartige Geschichte. Einfach aber beeindruckend. Sprachlich bewegt sich der Autor auf sehr hohem Niveau. Was mir besonders gut gefallen hat ist die sprachliche Abgrenzung der Jahrhunderte. Die Sprache des 17. Jahrhunderts unterscheidet sich doch sehr von unserer Sprache und der Autor hat es geschafft, diese Unterschiede das ganze Buch \u00fcber aufrecht zu erhalten, ohne jeden Fehler. Somit sind beiden Teile nicht nur zeitlich sondern auch sprachlich abgegrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Cover wurde schon viel diskutiert. Der\nTitel ist wirklich schwierig zu lesen aber daf\u00fcr steht er ja auf der Seite.\nJede andere Schriftart h\u00e4tte die Harmonie des Gesamtbilds gest\u00f6rt. Wenn man die\nersten Seiten gelesen hat, sieht man das Bild noch einmal mit ganz anderen\nAugen, es wirkt eindringlicher und bedrohlicher. Die Farben schwarz und Gold\npassen ausgezeichnet zueinander und geben einen sch\u00f6nen Kontrast.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br>F\u00fcr mich ist \u201eDie Tr\u00e4nen der Zauberschen\u201c ein Highlight des Jahres 2019. Und ich habe dieses Jahr wirklich schon einige wunderbare Geschichten aus der Feder von Selfpublishern gelesen. Also traut euch, auch abseits des Mainstream zuzugreifen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten-683x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-324\" srcset=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten-683x1024.png 683w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten-200x300.png 200w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten-768x1152.png 768w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten-140x210.png 140w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/FB-Rezi-11-Phantastische-Fluchten.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Phantastische Fluchten &#8211; FacebookPhantastische Fluchten &#8211; Homepage Das Jahr 1611Barbara und ihr Mann Friederich leben gl\u00fccklich und zufrieden dem kleinen Dorf Pf\u00fceln. Ihr Gl\u00fcck wird vollkommen, als ihre Tochter Greta geboren wird. Das Paar ist im Dorf allseits beliebt und ihre Tochter ist ein kleiner Sonnenschein&nbsp;&nbsp;Durch die B\u00e4ckerei haben die Eheleute ein kleines Auskommen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-187","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezension-die-traene-der-zauberschen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=187"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/187\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":338,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/187\/revisions\/338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iancushing.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}