{"id":229,"date":"2019-10-18T13:26:16","date_gmt":"2019-10-18T13:26:16","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=229"},"modified":"2025-10-21T17:37:44","modified_gmt":"2025-10-21T15:37:44","slug":"27-03-2018-wordworld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=229","title":{"rendered":"27.03.2018 &#8211; Wordworld"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.com\">Wordworld<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Inhalt<\/strong>:<br><em>&#8222;Falls Sie mir Glauben schenken, vermag ich nicht weniger zu erreichen, als dass Ihre Seelen in Ewigkeit gerettet werden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Neuanfang in\nseinem Leben verliert er pl\u00f6tzlich alles, was f\u00fcr ihn noch\nBedeutung hat. Inmitten dieses emotionalen Chaos hat er ein\nphantastisches Erlebnis, aber besitzt er tats\u00e4chlich als einziger\nMensch das Wissen um das letzte gro\u00dfe Geheimnis oder ist es nur ein\nTraum?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bewertung<\/strong>:<br><em>DISCLAIMER: Vielen Dank an Ian Cushing f\u00fcr das -signierte!!!- Rezensionsexemplar! Sch\u00f6n, dass ich als dein Nicht-Fan nach meiner vernichtenden Rezension zum ersten Versuch nochmal dein Vertrauen wecken konnte! \ud83d\ude09&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich im August des\nvergangenen Jahres schon das Vergn\u00fcgen hatte, durch <a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.de\/2017\/08\/5-minuten-ein-tagebuch.html\">&#8222;5\nMinuten &#8211; Ein Tagebuch&#8220;<\/a> mit den Fragen nach dem Sinn des\nLebens konfrontiert wurde, jedoch mit der existenzialistischen\nWeltsicht nur wenig anfangen konnte, habe ich durch diese Neuauflage\nder Geschichte in anderem Rahmen noch einmal die M\u00f6glichkeit\nbekommen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Hier wird im Grunde\ngenommen das urspr\u00fcngliche Tagebuch um eine weitere Dimension der\nGeschichte erweitert, wodurch alles in anderem Licht erscheint. Das\nurspr\u00fcngliche Buch ist nun nach dem erscheinen der neuen Version\nnicht mehr einzeln erh\u00e4ltlich, entspricht aber dem zweiten\nUnterkapitel des Romans. \n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Is this the end of the beginning? <\/em> <br><em>Or the beginning of the end? <\/em> <br><em>Losing control or are you winning? <\/em> <br><em>Is your life real or just pretend?&#8220;<\/em><br>&#8211; Black Sabbath &#8211; End of the beginning &#8211;  <\/p>\n\n\n\n<p>Mit was l\u00e4sst es sich bei\neiner solch komplizierten&nbsp;Geschichte sch\u00f6ner einsteigen als mit\ndem glasklaren, wundersch\u00f6nen und intelligenten Cover? Wie auch beim\nVorg\u00e4nger dominiert ein einheitliches Schwarz das Cover, dezent\ndurchbrochen durch die filigrane Schrift von&nbsp;Autorenname und\nTitel. Wie auch der Klapptext ist letzterer knapp, stimmig und\ninteresseweckend. Durch die ansonsten schlichte Gestaltung kommt die\nIllustration im Zentrum des Bildes in ihrer &#8211; wie der Autor es nennt\n&#8211; &#8222;morbiden Sch\u00f6nheit und Tiefgr\u00fcndigkeit&#8220; wunderbar zur\nGeltung, wobei ich ihm vollkommen zustimme.&nbsp;Verschlungene\nDornenzweige, die mit ihren Ver\u00e4stelungen, Bl\u00fctentriebe und\nSpinnf\u00e4den sch\u00f6n und schrecklich&nbsp;zugleich sind, formen ein\ngleichm\u00e4\u00dfiges Unendlichkeitszeichen, welches die Thematik des\nTitels aufnimmt. Auch die Seiten, die den Roman in&nbsp;zwei\nAbschnitte teilen, tragen dieses Zeichen. Der bekannte K\u00fcnstler\nKarmazid, von dem die Illustration stammt, hat hier ein wirkliches\nKunstwerk geschaffen, das die Gedanken \u00fcber Tod, Sch\u00f6nheit\nund&nbsp;Ewigkeit der Geschichte wunderbar auf den Punk trifft.\nEinzig mit der Altersempfehlung, 0 Monate und \u00e4lter bin ich absolut\nnicht einverstanden. Auch wenn ich ahne, dass sie eine Art Scherz\nsein soll, f\u00e4nde ich ab 16 Jahren doch angebrachter \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">Erster Satz:<em>\n&#8222;Ich habe eine Geschichte zu erz\u00e4hlen; eine Geschichte, die mir\nvielleicht niemand glauben wird, was ich durchaus verst\u00fcnde, denn\nauch ich vermag an manchen Tagen nicht zu glauben, was mir geschehen\nist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Satz steigen\nwir in einem kurzen Prolog in den ersten Teil des Romans ein, welcher\nunmittelbar nach den Ereignissen in Teil 2 spielt. Aufgezogen wird\ndieses Prequel als autobiografisch erscheinendes Manuskript eines\nMannes, der nach einer schweren Sinnkrise in der Freiheit der\nSpontanit\u00e4t und Ungebundenheit eine neue Lebensweise entdeckt hat.\nMit seiner sogenannten 5-Minuten-Regel hat er sich darauf\nverschrieben, nicht weiter als 5 Minuten in die Zukunft zu denken um\ninstinktiv sein Leben voranzubringen und frei von Angst und Zweifel\nzu sein. Wenn&nbsp;man wie ich nicht von den traumatischen und\nteilweise wahnsinnig anmutenden Ereignisse des zweiten Teiles scheint\nman es hier mit einem lebensfreudigen, aufgeschlossenen Menschen zu\ntun zu haben, der sein Leben in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen kann. Als ein\nSchicksalsschlag seinem neuen Leben eine Pause versetzt und er eine\nfantastische Begegnung dritter Art erlebt, wirft dass all seine\n\u00dcberzeugungen \u00fcber den Haufen. W\u00e4hrend er noch mit dem Verlust\nseines besten Freundes zurecht werden muss, sieht sich pl\u00f6tzlich mit\nder L\u00f6sung eines Urgeheimnisses konfrontiert: die Frage nach dem\nJenseits&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Es ist dein Paradies und gleichzeitig auch deine H\u00f6lle. <\/em><br><em>Du bist zu Lebzeiten der Architekt deiner Kathedrale im Himmelreich.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Sprachstil ist ruhig und niveauvoll gehalten und spiegelt die n\u00fcchterne, bedr\u00fcckende Lebenshaltung des Tagebuchschreibers wieder. Viel Zynismus, intelligente Anspielungen und innovativen Sprachbilder umrahmen diese Geschichte, die so viel in ihren knapp 200 Seiten beinhaltet: ein wenig Drama, Philosophie, Mystery, Thriller-Elemente &#8211; die Geschichte ist facettenreich und so wird sie auch pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Mein\nletzter Anker hatte sich aus dem lockeren Sand des Lebens losgerissen\nund ich f\u00fchlte mich wie ein Boot, das ohne Steuer und Ruder auf das\noffene Meer getrieben wurde und ohne Ziel und Plan drohte, in Seenot\nzu geraten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist an diesem\nRoman neben dem Inhaltlichen vor allem der Aufbau und die\nunterschiedlichen Erz\u00e4hlweisen. Die 9 Kapitel des ersten Teiles\nwerden mit passenden Songzitaten einiger bekannter und weniger\nbekannter Rock-\/Metal-Bands untermauert und haben einen grundlegend\npositiven Ton. Hingegen ist der zweite Teil in Tagebuchform\ngeschrieben und gew\u00e4hnt uns Leser einen Einblick in die\nVorgeschichte des namenslosen Protagonisten. Beginnt man mit dem\nzweiten Teil bekommt die nachdenkliche Stimmung schnell einen\ndunkleren, amoralischeren Klang. Gerade der Wechsel und die Tatsache,\ndass der erste Teil wie als Art erg\u00e4nzende Erkl\u00e4rung vorangestellt\nist, macht es leichter, die nachfolgende Erz\u00e4hlung zu ertragen und\nzu verstehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Was,\nwenn man merkt, dass alles keinen Sinn macht? Wenn man versteht, dass\nalles, was man w\u00e4hrend seines Lebens macht und schafft, am gro\u00dfen\nTod scheitern wird? Wenn man nicht gerade Goethe, Hesse oder\nMetallica hei\u00dft und der Geschichte somit etwas hinterl\u00e4sst, sind\nMilliarden Leben sinnlos. So wie meines. Im kleinsten Kreis kann man\ndas Leben seiner Familie, Freunde und Kollegen beeinflussen und\nbestenfalls bereichern, aber wenn ich nicht da w\u00e4re, w\u00e4re es ein\nanderer.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was ist das Leben? Welchen tieferen Sinn hat es? Diese Fragen stellen wir uns als Menschheit h\u00e4ufig und es gibt verschiedene Antworten und Wege, sich der Frage zu stellen.&nbsp;Der anonyme Verfasser des Tagebuchs beantwortet diese Sinn-Frage zun\u00e4chst ganz im Sinne des Existenzialismus: keinen. Im Laufe des Tagebuchs wird die Stimmung immer dr\u00fcckender, d\u00fcsterer w\u00e4hrend wir Zeuge werden, wie der Mann haltlos alle Moral und \u00dcberzeugungen ablegt und sein Leben immer weiter auf die Eskalation zusteuert. Im Gegensatz zum gem\u00e4\u00dfigten, nachdenklichen, fast schon zarten ersten Part, haben wir es hier mit einem erschreckenden, spannenden Lebenskrimi zu tun, der jedoch vor allem Sinnlosigkeit und Selbstzweifel \u00fcbermittelt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Existenzialismus l\u00e4sst\nsich als Gef\u00fchl von &#8222;kosmischer Verlorenheit&#8220;\nbeschreiben&nbsp;\u2013 die schier unheilbare Empfindung von Einsamkeit\nund Fremdheit, \u00fcberhaupt von der Absurdit\u00e4t des Lebens. Auch der\nProtagonist hier verehrt Camus, Sartre und Hesse, denkt, dass das\nLeben an sich sinnlos ist und sp\u00fcrt diesen Daseins-Schmerz, der ihn\nauch dazu bringt, Morde zu begehen. Auch wenn ich selbst mit dem\nExistenzialismus nichts anfangen kann und deshalb auch den zweiten\nTeil als alleinstehende Geschichte nicht wirklich gut finden konnte,\nmuss ich zugeben, dass wir ihm gro\u00dfe Werke in Musik und Malerei,\nsowie in Literatur und Philosophie verdanken.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">&#8222;<em>Wieder lichtete sich der Nebel eines universalen, religi\u00f6sen und philosophischen Problems: <\/em><br><em>Gut und B\u00f6se in Form von zwei Gegenspielern existieren nicht. <\/em><br><em>Du kannst alles sein, was du willst; es liegt alles in dir.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Autor selbst w\u00fcrde seinen Roman gerne als Schauerliteratur im Andenken an Gr\u00f6\u00dfen wie Edgar Allan Poe, Howard Phillips Lovecraft oder Stephen King sehen, was ich teilweise bekr\u00e4ftigen kann. Dieser Roman ist gruselig ohne blutr\u00fcnstig zu sein, nachdenklich ohne ins lahm philosophierende abzurutschen und&nbsp;spannend ohne unn\u00fctzes Drama zu ben\u00f6tigen.&nbsp;Der namenlose Protagonist wechselt vom Held zum Antiheld, wieder zur\u00fcck, bis man als Leser irgendwann versteht, dass diese Kategorien hier eigentlich gar nicht so wichtig sind. Vielmehr z\u00e4hlt hier das Bild des Erz\u00e4hlers auf sich selbst. Spannend ist dazu auch, dass er&nbsp;zu&nbsp;keinem Zeitpunkt einen Namen bekommt.&nbsp;Der Autor hat hier eine Geschichte geschaffen, die&nbsp;nicht einfach herunter zu lesen ist und bei dem man bestimmt nicht alles akzeptierend abnicken kann, sie ist jedoch Anlass zum Nachdenken und bringt dazu, sich mit seiner eigenen Lebenssicht auseinander zu setzen. Um die Geschichte und ihre Hintergr\u00fcnde wirklich g\u00e4nzlich verstehen zu k\u00f6nnen, muss man sich ein wenig mit Philosophie auskennen, bereit sein, damit zu besch\u00e4ftigen und sich auch selbst hinterfragen k\u00f6nnen.&nbsp;Auch wenn ich auch hier oft mit der Stirn gerunzelt&nbsp;habe, hat mir dieser Rahmen f\u00fcr die Geschichte weitaus besser gefallen und&nbsp;ich kann sie nun getrost mit einem vorsichtigen Daumen hoch weiterempfehlen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">&nbsp;<em>&#8222;Als\nwir still in der Abendd\u00e4mmerung sa\u00dfen und einen guten Whisky\ntranken, fl\u00fcsterten die Berge und leise zu, dass wir nicht so\nt\u00f6richt sein sollten, uns \u00fcber die kleinen Ungereimtheiten des\nLebens zu \u00e4rgern. Diese \u00c4rgernisse, de uns Menschen so wichtig\nerschienen, dass wir pausenlos von ihnen reden m\u00fcssen, sind nur ein\nWimpernschlag im Leben eines Gebirges. Diese Weisheit gab mir das\nGef\u00fchl der Freiheit und hat mich tief gepr\u00e4gt und gleichzeitig\nbest\u00e4tigt, denn mir war schon immer bewusst, dass Bescheidenheit im\nLeben die wertvollste und zugleich eine rare Tugend ist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich mit einem Zitat enden, das mein Leseerlebnis eigentlich ziemlich genau auf den Punkt bringt:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;War das nicht vollkommen verr\u00fcckt? <\/em><br><em>Nicht verr\u00fcckter, als die anderen Erz\u00e4hlungen und Vorstellungen <\/em><br><em>\u00fcber das Leben nach dem Tod, denke ich.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong>:<br>Auch wenn ich auch hier oft mit der Stirn gerunzelt\u00a0habe, hat mir diese facettenreiche und nachdenkliche Geschichte, die auf ihren knapp 200 Seiten so vieles beinhaltet\u00a0&#8211; ein wenig Drama, Philosophie, Mystery, Thriller-Elemente\u00a0&#8211;\u00a0recht gut\u00a0gefallen und\u00a0ich kann sie nun getrost mit einem vorsichtigen Daumen hoch weiterempfehlen.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-344\" srcset=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-300x169.jpg 300w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-768x432.jpg 768w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-210x118.jpg 210w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/002-Zitat-wordworld.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 980px) 100vw, 980px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wordworld Inhalt:&#8222;Falls Sie mir Glauben schenken, vermag ich nicht weniger zu erreichen, als dass Ihre Seelen in Ewigkeit gerettet werden.&#8220; Nach einem Neuanfang in seinem Leben verliert er pl\u00f6tzlich alles, was f\u00fcr ihn noch Bedeutung hat. 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