{"id":263,"date":"2019-10-18T14:44:30","date_gmt":"2019-10-18T14:44:30","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=263"},"modified":"2025-10-21T17:36:25","modified_gmt":"2025-10-21T15:36:25","slug":"06-12-2018-systematic-desensitization-zine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=263","title":{"rendered":"06.12.2018 &#8211; Systematic Desensitization Zine"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/systematicdesensitization\/\">Systematic Desensitization Zine &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"https:\/\/systematicdesensitizationzine.blogspot.com\">Systematic Desensitization Zine &#8211; Homepage<\/a><\/p>\n\n\n\n<p> Vor l\u00e4ngerer Zeit entdeckte ich mehr oder weniger zuf\u00e4llig die Facebook-Seite des Berliner Autors <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Ian.Cushing.Official\/\" target=\"_blank\">Ian Cushing<\/a>, damals hatte er gerade sein Deb\u00fctwerk &#8222;F\u00fcnf Minuten&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Einige Monate sp\u00e4ter sandte mir der Autor sein mittlerweile neuestes Werk namens &#8222;In Ewigkeit&#8220; zu. Dieses enth\u00e4lt zus\u00e4tzlich das Deb\u00fct, hier allerdings unter dem Namen &#8222;In Ewigkeit -Zweiter Teil&#8220;. Ihr ahnt es also schon &#8211; die beiden Werke bauen aufeinander auf. Teil II ist der Nummerierung nach logischerwise im hinteren Teil des Buches platziert, so dass man im Sinne des Aufbaus von hinten nach vorne lesen sollte. Die schlichte, aber dennoch (oder gerade deswegen) \u00e4u\u00dferst gelungene Coverillustration stammt \u00fcbrigens von Karmazid, dem oder der einen oder anderen eventuell bekannt von Arbeiten f\u00fcr&nbsp; Bands wie Urfaust oder Demonical. Auch ansonsten tauchen im Verlauf der Handlung immer wieder Querverweise und Reminiszenzen an Bands aus dem extremeren Bereich auf, dazu aber sp\u00e4ter noch mehr.<\/p>\n\n\n\n<p> Grunds\u00e4tzlich geht es in beiden Ver\u00f6ffentlichungen um innere Erlebnisse, Metaphysik, die ganz gro\u00dfen Dinge im Leben und um das vielleicht letzte verbliebene Mysterium dieser Welt, den Tod. <br> In Teil II schildert der Protagonist in Form von Tagebucheintr\u00e4gen seinen verzweifelten Gem\u00fctszustand, in welchen er aufgrund pers\u00f6nlicher Lebensumst\u00e4nde geraten ist. Dabei blickt er auch immer wieder episodisch in seine Kindheit zur\u00fcck und fragt sich, warum er derjenige ist, der er heutzutage als Erwachsener ist. Dabei setzt er sich philosophisch mit den gro\u00dfen Fragen des Lebens auseinander &#8211; gibt es so etwas wie Bestimmung, kann man dieser entgehen oder sich der eigenen Natur widersetzen ? Inwiefern hat man in bestimmten Situationen die so h\u00e4ufig zitierte Wahlfreiheit ? Und nat\u00fcrlich stellt er sich die ganz gro\u00dfe Sinnfrage: wer bin ich, wof\u00fcr bin ich \u00fcberhaupt auf dieser Welt, hat das Ganze eine \u00fcbergeordneten Sinn ? Der Protagonist sieht sich als Existentialisten und ist nat\u00fcrlich nah an Camus und Sartre, als gut erg\u00e4nzenden Gegenpol definiert er f\u00fcr sich die Werk und die Botschaft von Hesse. Dabei wird er bis zu einem gewissen (Wende-)Punkt immer mehr zum Nihilisten und Misanthropen, so ekeln ihn in seinem Beruf als Sachbearbeiter die meisten Kunden irgendwann nur noch an. Sinn macht er vor allem auch daran fest, ob irgendetwas von ihm nach seinem Ableben in dieser Welt verbleiben wird. Er stellt fest, dass &#8222;wenn man nicht gerade Goethe, Hesse oder Metallica hei\u00dft und der Geschichte somit etwas hinterl\u00e4\u00dft, sind Milliarden Leben einfach sinnlos.&#8220; Noch k\u00fcrzer und pr\u00e4gnanter bringt er es auf den Punkt mit dem bekannten Slogan der Eidgenossen von Hellhammer: &#8222;Only death is real&#8220;.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die polnische Band Mgla hat diesen Nihilismus \u00fcbrigens \u00e4u\u00dferst poetisch im Text zu &#8222;Exercises in futility VI&#8220; beschrieben: <br><em>&#8222;As if all this was someting moreThan another footnote on a postcard from nowhereAnother chapter in the handbook for exercises in futility.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p> Im Verlauf der Geschichte sp\u00fcrt man, wie die Hauptperson sich immer mehr aus ihrer Passivit\u00e4t und Lethargie l\u00f6st, unter welcher sie dann doch oft gelitten hat, wie sie retrospektiv feststellt. Auch erkennt der Tagebuchschreiber, dass die von ihm erkannte Sinnlosigkeit des Lebens letzlich dann doch eine befreiende Wirkung auf ihn hat und somit paradoxerweise seinem Leben vielleicht doch einen Sinn zu geben vermag; da es keinen \u00fcbergeordneten Sinn gibt, will er nur noch die Dinge tun, die er wirklich seinentwegen tun m\u00f6chte. Der Protagonist wird aktiver und nimmt die Dinge selbst in die Hand, was f\u00fcr ihn einen Akt der Selbstbefreiung darstellt. Im Verlauf dieses Prozesses kommt es auch zu-von g\u00e4ngigen moralischen Werten und Normen aus betrachtet-zu eher unsch\u00f6nen Taten, die ich hier aber nicht vorwegnehmen m\u00f6chte. Am Ende des ersten Werkes stellt der \u00fcberreflektierte Erz\u00e4hler f\u00fcr sich selbst die Regel auf, dass er nun jede wichtige (Lebens-) Entscheidung in f\u00fcnf Minuten entscheiden wird, anstatt sich wie vorher in selbstzerst\u00f6rerischer Art den Kopf zu zermartern und dadurch letztlich in Entscheidungsunf\u00e4higkeit zu verharren- daher wohl auch der urspr\u00fcngliche Titel des Deb\u00fcts. <br> Im zweiten Teil beschreibt er, nachdem er seinen Job gek\u00fcndigt hat und nun vagabundierend mit einem Wohnmobil durch die Lande reist, einen folgenschweren Autounfall, bei dem es zwei Tote gibt und der als Ausl\u00f6ser eine Ereigniskette in Gang setzt, in deren weiteren Verlauf es zu einigen unerkl\u00e4rlichen Ereignisse kommt. Diese f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig wieder zur Auseinandersetzung mit der Frage, ob es etwas nach dem Tod gibt und falls ja, ob es sich infolgedessen lohnt, sein Leben auf bestimmte Weise zu leben und zu gestalten. In diesem Teil wird auch immer wieder auf das Tagebuch aus dem ersten Teil verwiesen. Dabei stellt der Autor den einzelnen Kapiteln passende und stimmungsvolle Textfragmente aus Songs von so verschiedenen Bands und K\u00fcnstlern wie Black Sabbath, Anthrax, Warning, Seher (eine coole Berliner Black Metal-Kapelle),Tiamat, Griftegard, Reverend Bizzare, The Doors oder Bob Dylan voran.<\/p>\n\n\n\n<p> Fazit: ein (bzw. zwei) \u00e4u\u00dferst gelungenes Werk, dass zwar nicht gerade f\u00fcr gute Stimmung sorgen d\u00fcrfte, den Leser aber doch dazu anhalten wird, sein eigenes Leben auf bestimmte Punkte hin abzuklopfen. Gerade die Schilderungen in Tagebuchform fand ich sehr stark im Ausdruck, wenngleich hier an sich nicht wirklich viel passiert. Im weiteren Verlauf nimmt die Handlung dann auch an Fahrt auf, so dass es nicht bei reiner Introspektion bleibt. Klare Empfehlung! <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-360\" srcset=\"https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-300x169.jpg 300w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-768x432.jpg 768w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-210x118.jpg 210w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/iancushing.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/018-Zitat-Systematic-Desensitization-Zine.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 980px) 100vw, 980px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Systematic Desensitization Zine &#8211; FacebookSystematic Desensitization Zine &#8211; Homepage Vor l\u00e4ngerer Zeit entdeckte ich mehr oder weniger zuf\u00e4llig die Facebook-Seite des Berliner Autors Ian Cushing, damals hatte er gerade sein Deb\u00fctwerk &#8222;F\u00fcnf Minuten&#8220; ver\u00f6ffentlicht. 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