{"id":284,"date":"2019-10-18T15:39:37","date_gmt":"2019-10-18T15:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=284"},"modified":"2025-10-21T17:36:20","modified_gmt":"2025-10-21T15:36:20","slug":"18-06-2017-buchblog-leif-inselmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=284","title":{"rendered":"18.06.2017 &#8211; Buchblog Leif Inselmann"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/buchblog.leif.inselmann\/\">Buchblog Leif Inselmann &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"http:\/\/leif-inselmann.de\">Buchblog Leif Inselmann &#8211; Homepage<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zu was f\u00fchrt Nihilismus \u2013 zu Resignation oder Hoffnung, Anstand oder Verbrechen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte \u201eF\u00fcnf Minuten: Ein Tagebuch\u201c von Ian Cushing beweist,  dass all dies sich keinesfalls ausschlie\u00dfen muss. 56 Kindle-Seiten umfasst das e-book \u2013 ein eher kurzes Vergn\u00fcgen, doch zweifellos ein Lesegenuss.<\/p>\n\n\n\n<p>Geschrieben in Form eines Tagebuchs, halb Autobiografie, halb Manifest,  berichtet darin ein namenloser Erz\u00e4hler von seiner Lebens- und  Leidensgeschichte. Eine unauff\u00e4llige Person war er, vierzig Jahre lang \u2013  verheiratet, mit einem wenig geliebten Job gesegnet, sozial und doch  introvertiert. \u201eDer Tod ist die einzige Gewissheit im Leben\u201c \u2013 diese  nihilistische Erkenntnis hat er l\u00e4ngst zum Lebensmotto erhoben. Er h\u00e4lt  es mit den Existentialisten, denen zufolge die Entscheidungsfreiheit des  Menschen das einzige ist \u2013 und merkt doch, dass er selbst nichts aus  seinem Leben gemacht hat. Etwa die H\u00e4lfte des Buches l\u00e4sst er den Leser  vor allem an diesen seinen Geisteshaltungen teilhaben, erst danach  beginnt sich so etwas wie eine konkrete Handlungsebene abzuzeichnen. Was  freilich nicht hei\u00dft, der Rest sei uninteressant gewesen; im Gegenteil,  die pointierte Ausdrucksweise macht auch die blo\u00dfe Selbstreflexion des  Erz\u00e4hlers absolut unterhaltsam. Obwohl (oder vielmehr weil?) diese  Ansichten von denen der meisten Menschen abweichen, konnte ich mich mit  so manchen Aussagen nur allzu gut identifizieren. In der zweiten H\u00e4lfte  schlie\u00dflich kommt es zu wirklichen Ereignissen, als unerwartete  Situationen den Protagonisten zu spontanem Handeln n\u00f6tigen. Dem irgendwie nur allzu nachvollziehbaren und doch nach allgemeiner Ansicht  wohl verwerflichen Handeln eines Menschen, der alle Werte schon l\u00e4ngst  begraben, der im Angesicht der allgemeinen Sinnlosigkeit nichts mehr zu  verlieren hat, freilich ohne dabei jemals ein b\u00f6sartiger Mensch geworden  zu sein. Hier zahlt sich aus, dass der vorherige Abschnitt mit dem  Berichten eines nur allzu gew\u00f6hnlichen Mannes mit einer nur allzu  gew\u00f6hnlichen Vorgeschichte und lebendigen Innenansichten einen  beeindruckenden Realismus gezeichnet hat, von dem auch nun kaum  abgewichen wird. Eine Geschichte ist es, die hypothetisch durchaus  passieren k\u00f6nnte, eben weil all ihre Pr\u00e4missen so menschlich, so real  und allt\u00e4glich sind. Gelegentlicher Witz und eine Reihe von Literatur- und Filmbez\u00fcgen garnieren den Unterhaltungswert noch zus\u00e4tzlich. Es sei  nicht zuletzt noch einmal hervorgehoben, dass, obwohl im Self-Publishing  erschienen, die Schreibqualit\u00e4t von \u201eF\u00fcnf Minuten\u201c absolut mit den  meisten Verlagsver\u00f6ffentlichungen konkurrieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier m\u00fcsste f\u00fcr eine differenzierte Bewertung fairerweise noch irgendein Einwand kommen, doch fiel beim Lesen keiner auf. Die K\u00fcrze und der lebendige Stil beugen L\u00e4ngen und Langeweile vor, das Thema ist  interessant und realistisch inszeniert. Mit Ian Cushings \u201eF\u00fcnf Minuten\u201c  (der Titel erschlie\u00dft sich \u00fcbrigens erst auf der letzten Seite) kann man  nichts falsch machen \u2013 die Geschichte garantiert eine hervorragende Lesestunde, nicht nur f\u00fcr Philosophen und Nihilisten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchblog Leif Inselmann &#8211; FacebookBuchblog Leif Inselmann &#8211; Homepage Zu was f\u00fchrt Nihilismus \u2013 zu Resignation oder Hoffnung, Anstand oder Verbrechen? Die Geschichte \u201eF\u00fcnf Minuten: Ein Tagebuch\u201c von Ian Cushing beweist, dass all dies sich keinesfalls ausschlie\u00dfen muss. 56 Kindle-Seiten umfasst das e-book \u2013 ein eher kurzes Vergn\u00fcgen, doch zweifellos ein Lesegenuss. 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