{"id":286,"date":"2019-10-18T15:44:14","date_gmt":"2019-10-18T15:44:14","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=286"},"modified":"2025-10-21T17:36:20","modified_gmt":"2025-10-21T15:36:20","slug":"18-06-2017-die-buechergnomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=286","title":{"rendered":"18.06.2017 &#8211; Die B\u00fcchergnomen"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Buechergnomen\/\">Die B\u00fcchergnomen &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"https:\/\/buechergnomen.de\">Die B\u00fcchergnomen &#8211; Homepage<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ian Cushing hat uns, Mimi und mir, diese Novelle mit der Bitte zukommen lassen, sie zu rezensieren. Selbstverst\u00e4ndlich f\u00fchlt man sich durch eine  solche Bitte geehrt, doch sollte dies nicht zu einer beeinflussten Meinung f\u00fchren. <br>So habe ich also f\u00fcr mich beschlossen, dass, sollte mir diese Novelle nicht zusagen, ich dies zwar Ian Cushing wissen lassen, jedoch keine Rezension verfassen w\u00fcrde.<br>Nunja\u2026 da ich jetzt hier sitze und diese Rezension schreibe, d\u00fcrfte sich meine Meinung dazu gekl\u00e4rt haben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n Klappentext sagt nun im ersten Moment genug \u00fcber den oberfl\u00e4chlichen \nInhalt dieser Novelle aus, so will ich mich nun also lieber mit Inhalt \nauseinandersetzen, der zwischen den Zeilen seine Geschichte verbirgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenwart in der Anonymit\u00e4t. Die erste Konfrontation: eine unbekannte Person in ihrem gegenw\u00e4rtigen Jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine  Vorgeschichte, keine Charakterentwicklung \u2013 friss oder stirb. \u201eDu bist  in meiner Welt und wenn du dich bewegst, dann nach meinen Regeln\u201c;  tats\u00e4chlich liest man hier einen Roman, ein Tagebuch, einen Roman, ein  Tagebuch \u2013 der erste Moment verunsichert. Man ist fremd, f\u00fchlt sich zum  einen ausgesetzt, zum anderen treibt aber die Neugierde voran.<br>Tats\u00e4chlich liest man eben keinen Roman, wird nicht willkommen gehei\u00dfen,  sondern stellt selbst die Meta-Ebene dar \u2013 eine Niederschrift eines  Unbekannten. Und vor diesem Hintergrund nicht das Gef\u00fchl der  Befremdlichkeit, sondern der Drang der Erkundung. Die gesellschaftliche  Impertinenz diesen Fremden ungehei\u00dfen zu erleben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWieso, weshalb, warum \u2013 wer nicht fragt bleibt dumm.\u201c<\/em>\n \u2013 die Wissbegier um die Momenthaftigkeit vermischt sich mit dem \nsozialen Voyeurismus, treibt ungezwungen vorw\u00e4rts. Man will nicht nur \nerleben, man erlebt \u2013 doch schon l\u00e4ngst nicht mehr auf den \nnarzisstischen Feldern der Freiwilligkeit, sondern tief in den \nverschachtelten Kuben der Analyse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die, im Klappentext erw\u00e4hnte, Metamorphose findet sich hier in einer \u00e4u\u00dferst komplexen Rolle wieder: so ist die Soziopathie, in welcher sich der  Protagonist dieser Novelle bewegt, ausschlie\u00dflich auf einer  gesellschaftlichen Sachebene gelebt, denn der emotionalen  Beziehungsebene.<br>Und genau hier spielt Cushing nicht mit dem Leser, \u00e0  la Bukowski, pervertiert nicht in die M\u00f6glichkeit, \u00e0 la Sartre, sondern abstraktifiziert die Option zu einem pers\u00f6nlichen Moment des  wahrnehmbaren (\u00dcber)Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\n Ende ist der Anfang; ist die (Er)Schaffung der Allt\u00e4glichkeit und l\u00e4sst\n um die M\u00f6glichkeit dieser Banalit\u00e4t f\u00fcrchten \u2013 l\u00e4sst gleichsam still \nhoffen. L\u00e4sst die Frage selbst, als Martyrium bestehen, was das, was \ndieses noch nicht Gesehene wohl verbirgt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenwart in der Anonymit\u00e4t. Die letzte Konfrontation: ich habe mich selbst zu der Anonymit\u00e4t erkl\u00e4rt \u2013 und sehe\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nlich betrachte ich <em>F\u00fcnf Minuten \u2013 Ein Tagebuch<\/em> nicht als Deb\u00fct, aber als Beginn!<br> Cushing zeigt eine hochinteressante und komplexe Vielfalt an Stilen \u2013  es fehlt lediglich noch an Struktur. So verliert er sich weniger in der  Komplexit\u00e4t, als dass er sich in seiner Vielfalt verl\u00e4uft.<br>Und doch, ist es wohl m\u00f6glich eben diese Strukturlosigkeit, das Brechen mit bekannten Konventionen, welches <em>F\u00fcnf Minuten \u2013 Ein Tagebuch<\/em> schlussendlich authentisch werden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so, wie ich <em>F\u00fcnf Minuten \u2013 Ein Tagebuch<\/em>\n nicht als Deb\u00fct, sondern Beginn betrachte, ist diese Novelle f\u00fcr mich \nweniger ein Schatz, als eine M\u00fcnze aus eben diesem \u2013 ein Teil des \nGanzen, welcher nun nur noch auf Bergung wartet\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ian Cushing hat einen Moment geschaffen, dem es sich hinzugeben gilt. Ein  unglaubliches Konglomerat, ein Mosaik, aus philanthropischer Dystopie  und opportunistischer Misanthropie.<br>Chapeau!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Erstlingswerk wie diesem, also keinem \u201eklassischen\u201c Deb\u00fct, mit Verlag, Lektorat, hunderten von Seiten, etc. m\u00f6chte, kann, will und werde ich nicht nach den \u201enormalen\u201c Kriterien bewerten, was wiederum  dazu f\u00fchrt, dass diese Bewertung nicht mit einer \u201eregul\u00e4ren\u201c Bewertung verglichen werden kann.<br>Gleichsam ist dieser Erstling nicht zu untersch\u00e4tzen und birgt, auch Tage danach, noch so viele Geheimnisse\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich auf den ersten Roman!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00fcchergnomen &#8211; FacebookDie B\u00fcchergnomen &#8211; Homepage Ian Cushing hat uns, Mimi und mir, diese Novelle mit der Bitte zukommen lassen, sie zu rezensieren. 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