{"id":288,"date":"2019-10-18T15:48:00","date_gmt":"2019-10-18T15:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=288"},"modified":"2025-10-21T17:36:19","modified_gmt":"2025-10-21T15:36:19","slug":"26-06-2017-deep-ground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=288","title":{"rendered":"26.06.2017 &#8211; Deep Ground"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/DeepGroundMagazine\/\">Deep Ground &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.deepground.de\">Deep Ground &#8211; Homepage<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pro:\u00a0Grundlegend eine gute Idee f\u00fcr eine Story. <br>Kontra:\u00a0Es fehlt an Mut zur Dramatik, sodass alles ein wenig belanglos vor sich hin pl\u00e4tschert. Au\u00dferdem wirkt der Tagebuchstil unpassend. <br>Wertung: 2.5 \/ 5 &#8211; durchschnittlich<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Review<\/strong><br>Wenn ein Mittvierziger ein Tagebuch \u00fcber einen namenlosen Mittvierziger  schreibt, liegt die Vermutung nahe, dass die Geschichte autobiografische  Z\u00fcge haben k\u00f6nnte. Im Fall von Ian Cushings \u201eF\u00fcnf Minuten\u201c ist zu  hoffen, dass diese fixe Idee nicht der Wirklichkeit entspricht, denn auf  den rund 60 Seiten sch\u00e4lt er St\u00fcck um St\u00fcck einen soziopathischen  Charakter aus der gutb\u00fcrgerlichen Pelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungew\u00f6hnlich  f\u00fcr das Tagebuchformat beginnt der Protagonist zun\u00e4chst mit einer  ausf\u00fchrlichen R\u00fcckschau auf sein Leben, das ihn schlie\u00dflich zu einem von  Unmut gepr\u00e4gten Mittvierziger hat werden lassen. Eine von Zufriedenheit  gepr\u00e4gte, beh\u00fctete Kindheit, in der Strebsamkeit und durchschnittliche  Erwartungshaltungen der Eltern die gr\u00f6\u00dften Probleme des jungen  Unbekannten waren, legt den Grundstein der morbiden  Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung. So ganz wird nicht ersichtlich, warum das,  was sich augenscheinlich im tolerablen Durchschnittsbereich  mitteleurop\u00e4ischer Kindererziehung befindet, grundlegend f\u00fcr die  sp\u00e4teren Taten sein sollte. Aber immerhin erh\u00e4lt der Leser den Eindruck,  dass dieser jemand angepasst ist. Sein will. Und mit guten Gaben auf  den Weg geschickt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Gute Gaben, \naus denen eigentlich ein gutes Leben folgte. Ein fester Job, eine \nEhefrau. Doch geben wir es zu, das Leben macht m\u00fcrbe. Wir wissen nicht, \nwelche Kunden den unersch\u00f6pflichen Empathievorrat des Unbekannten haben \nschmelzen lassen, aber er ist weg. Nun trifft ihn die t\u00e4gliche Arbeit, \nbis er schlie\u00dflich ausgeh\u00f6hlt zur\u00fcckbleibt. Ohne Muse f\u00fcr Hobbys und \nFreude schenkt ihm schlie\u00dflich der Besuch bei einer Totkranken auf \nperfide Art und mit viel Alkohol in Softdrinks neuen Lebensmut. Der \nAnfang vom moralischen \u2011 nicht tats\u00e4chlichen! \u2011 Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin erscheint die Geschichte tiefgr\u00fcndig. Die Auseinandersetzung mit  den Erlebnissen in dieser Krankenzelle b\u00f6te genug Stoff f\u00fcr zahllose  weitere Tagebucheintr\u00e4ge, aber Cushing entscheidet anders. Er schickt  seine Figur nicht zur Einkehr nach innen, sondern zum weiteren Erleben  (und Handeln) in die Welt. Und ab diesem Zeitpunkt driftet die Story ein  bisschen in die Effekthascherei ab. Zugegeben, erwartet h\u00e4tte ich diese  Wendungen nicht. Dennoch bleiben die \u00dcberraschung und auch die Spannung  durch die Art der Erz\u00e4hlung auf der Strecke. Vielleicht ist es dem  Tagebuchstil geschuldet?<\/p>\n\n\n\n<p>So ganz \nerscheint dieses Format der Geschichte sowieso nicht angemessen. \nInsgesamt 21 Tagebucheintr\u00e4ge \u00fcber einen Zeitraum von rund zwei Jahren \nsind schon unglaubw\u00fcrdig f\u00fcr ein echtes Tagebuch. St\u00f6rend ist beim Lesen\n dann aber vor allem die Sprache. Wenig Gef\u00fchl, eher im Stil eines \nBerichtes verkommen die doch eigentlich pers\u00f6nlichen Beitr\u00e4ge zu reinen \nBeschreibungen von Taten. Gut, theoretisch w\u00e4re bei einer entsprechenden\n Pers\u00f6nlichkeit auch dieser Stil denkbar, aber daf\u00fcr wirkt der Namenlose\n einfach nicht neurotisch genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt unterm Strich das Gef\u00fchl, dass sich Cushing hier mehr h\u00e4tte zutrauen d\u00fcrfen. Mehr von der Story, mehr von echten inneren Einblicken. Aus  Perspektive seiner Figur auch mehr Reflexion \u2011 oder das Gegenteil, mehr  Blindheit der eigenen Handlungen gegen\u00fcber. Und schlie\u00dflich auch: Mehr  zu lesen. Denn der Leser verbringt hier zwar etwas mehr als \u201eF\u00fcnf  Minuten\u201c, d\u00fcrfte am Ende aber trotzdem etwas unbefriedigt aus dem Genuss  hervorgehen. Vielleicht k\u00f6nnte man den Inhalt auch in ein anderes  Format \u00fcbertragen und damit die Moral von der Geschichte weiter  hervorkitzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den kleinen Lesehunger zwischendurch darf der geneigte Fan von Tageb\u00fcchern und  Thrillern seine Nase trotzdem in diese \u201eF\u00fcnf Minuten\u201c versenken. Versuch macht kluch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deep Ground &#8211; FacebookDeep Ground &#8211; Homepage Pro:\u00a0Grundlegend eine gute Idee f\u00fcr eine Story. Kontra:\u00a0Es fehlt an Mut zur Dramatik, sodass alles ein wenig belanglos vor sich hin pl\u00e4tschert. Au\u00dferdem wirkt der Tagebuchstil unpassend. 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