{"id":294,"date":"2019-10-18T15:56:52","date_gmt":"2019-10-18T15:56:52","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=294"},"modified":"2025-10-21T17:36:18","modified_gmt":"2025-10-21T15:36:18","slug":"01-08-2017-wordworld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=294","title":{"rendered":"01.08.2017 &#8211; Wordworld"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.com\">Wordworld<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bewertung<\/strong>:<br>Mal wieder eine Kurzgeschichte, die es in sich hat und bei deren Bewertung ich mir schwer tue: <br>Was ist das Leben? Welchen  tieferen Sinn hat es? Diese Fragen stellen wir uns als Menschheit h\u00e4ufig  und es gibt verschiedene Antworten und Wege, sich der Frage zu  stellen.\u00a0\u00dcber diese Sinn-Thematik macht\u00a0sich auch der anonyme Verfasser  eines Tagesbuch Gedanken und antwortet auf die Frage ganz im Sinne des  Existenzialismus: Keinen. Somit hat diese Kurzgeschichte eine sehr  dr\u00fcckende, d\u00fcstere Stimmung, &#8211; eine traurige Geschichte, die immer  weiter auf die Eskalation zusteuert, in Form eines Tagebuchs.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Erster Satz: &#8222;Ich habe mich entschlossen, eine Art Tagebuch zu f\u00fchren und meine Gedanken aufzuschreiben.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Tagebuch geht \u00fcber gute zwei Jahre, von 2015 bis 2017. In 21  Eintr\u00e4gen berichtet der Schreiber von seiner Kindheit und seiner  aktuellen Situation und reflektiert dabei sein Dasein. Der Protagonist  ist ein Mann Mitte Vierzig mit einem unspektakul\u00e4ren Job, sonst wei\u00df man  nichts \u00fcber ihn.\u00a0In Form von Tagebucheintr\u00e4gen aus der Ich-Perspektive  l\u00e4sst er uns an seinen Gedanken \u00fcber das Leben teilhaben. Durch  Situationen existenzieller Art wird er zu spontanen Entscheidungen  gezwungen und ver\u00e4ndert sich langsam. Ob er in den meisten Situationen  zu weit geht, oder einfach logisch einen weiteren Schritt tut, muss wohl  jeder Leser selbst entscheiden.<br><br>Der Sprachstil ist ruhig und niveauvoll gehalten und spiegelt die n\u00fcchterne, bedr\u00fcckende Lebenshaltung des Tagebuchschreibers wieder.  Dabei sind beeindruckend wenige Rechtschreibfehler und eine auffallende  Schreibqualit\u00e4t zu bemerken. Das lyrische-Ich stellt sich selbst viele  Fragen und findet im Laufe der Geschichte seine eignen Antworten darauf.  Ich stimme diesen fast durchg\u00e4ngig zwar nicht zu, finde aber, dass  jeder seinen eigenen Weg finden muss, seine Strategie um mit dem Leben  klarzukommen, und wenn das die Tatsache ist, dass nichts etwas bedeutet, dann meinetwegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen dem Protagonisten zwar sehr nahe &#8211;\u00a0er l\u00e4sst uns an seinen  Gef\u00fchlen und Gedanken\u00a0teilhaben -, wirklich identifizieren k\u00f6nnen wir  uns mit dem Protagonisten aber nicht, er wird eher als Anti-Held  dargestellt und bleibt analytisch fern und fremd. Trotz seiner  distanzierten und leeren Art ist er sehr hilfsbereit, nimmt sich  andererseits selber sehr zur\u00fcck und ist wahrscheinlich depressiv. Er ist  Existenzialist, verehrt Camus, Sartre und Hesse und erwartet nicht viel  vom Leben. Genauer gesagt denkt er, dass das Leben an sich sinnlos ist.  Diese Auffassung teile ich absolut nichts, weshalb es schwierig f\u00fcr  mich war, dieses Buch zu lesen. Auf der anderen Seite wird abschreckend  aber interessant dargestellt, was mit einem Menschen passieren kann,  wenn er den Glauben an die Bedeutung des Lebens verliert: er verliert  auch den Respekt davor und schreckt vor schrecklichen Taten nicht  zur\u00fcck.\u00a0Er beschreibt anschaulich einen Seelenzustand, mit dem  vermutlich jeder in seinem Leben schon einmal Bekanntschaft gemacht hat &#8211;  Sinnlosigkeit, Selbstzweifel.\u00a0Es ist das Gef\u00fchl von &#8222;kosmischer  Verlorenheit&#8220; \u2013 die schier unheilbare Empfindung von Einsamkeit und  Fremdheit, \u00fcberhaupt von der Absurdit\u00e4t des Lebens. Wider Willen ist man  auf diese gottverdammte Welt geworfen worden, und niemand, von den  Eltern vielleicht abgesehen, hat auf einen gewartet. Existenzialismus,  so k\u00f6nnte man sagen, ist ein Daseins-Schmerz, dem sich \u2013 ganz nebenbei \u2013  gro\u00dfe Werke in Musik und Malerei, in Literatur und Philosophie verdanken. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>&#8222;Was, wenn man merkt, dass alles  keinen Sinn macht? Wenn man versteht, dass alles, was man w\u00e4hrend seines  Lebens macht und schafft, am gro\u00dfen Tod scheitern wird? Wenn man nicht  gerade Goethe, Hesse oder Metallica hei\u00dft und der Geschichte somit etwas  hinterl\u00e4sst, sind Milliarden Leben sinnlos. So wie meines. Im kleinsten  Kreis kann man das Leben seiner Familie, Freunde und Kollegen  beeinflussen und bestenfalls bereichern, aber wenn ich nicht da w\u00e4re,  w\u00e4re es ein anderer.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier wurde ich stark an die Grundidee von Janne Tellers stark umstrittenem Roman &#8222;<a href=\"https:\/\/w0rdw0rld.blogspot.de\/2017\/07\/nichts-was-im-leben-wichtig-ist.html\">Nichts was im Leben wichtig ist<\/a>&#8220;  erinnert, der von jungen Menschen handelt, die aus Angst vor dieser  Frage versuchen, einen Haufen aus Bedeutung anzusammeln und dabei vor  nichts mehr zur\u00fcckschrecken. Ich finde es unn\u00f6tige M\u00fche zu versuchen,  sich krampfhaft eine gro\u00dfe Menge an geheuchelter Bedeutung an  zuschaufeln, wie das viele Menschen mit materiellen Dingen tun, vertrete  aber trotzdem klar die Meinung, dass es so etwas wie Bedeutung klar  gibt.  \u00a0 <\/p>\n\n\n\n<p>Im Klapptext steht, die Geschichte sei &#8222;definitiv nichts f\u00fcr sonnige Gem\u00fcter&#8220;, was ich auf jeden Fall genauso sehe. Leider &#8211; oder eigentlich  zum Gl\u00fcck &#8211; habe ich ein eher sonniges Gem\u00fct, weshalb die Geschichte mir  etwas suspekt blieb. Dennoch konnte mich die Geschichte ab der Mitte  etwa richtig mitrei\u00dfen. Zuerst dachte ich, die Story werde ein  tr\u00fcbsinniger, depressiver Ausflug in die Philosophie, doch dann nimmt  die Geschichte Fahrt auf und\u00a0wandelt sich in einen spannenden  Lebenskrimi. Um die Geschichte wirklich zu verstehen, muss man sich  allerdings wirklich mit der Philosophie besch\u00e4ftigen und sich auch  selbst hinterfragen k\u00f6nnen. F\u00fcr mich war\u00b4s nichts, aber es ist auf jeden Fall eine interessante Geschichte, die dazu bringt, kritisch \u00fcber das Leben nachzudenken.<br><br>Noch ein paar Worte zur Gestaltung. Das Cover passt meiner Meinung nach  perfekt zur Geschichte &#8211; dunkel, trostlos und kalt. Der Totenkopf aus  Eis oder Glas im Zentrum verleiht dem Bild Atmosph\u00e4re und auch der Titel  passt gut. Also insgesamt eine gute Komposition!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"> Zum Abschluss noch ein sch\u00f6nes Zitat:<br>&#8222;<em>Wieder lichtete sich der Nebel eines universalen, religi\u00f6sen und philosophischen Problems:<\/em><br><em>Gut und B\u00f6se in  Form von zwei Gegenspielern existieren nicht.<\/em><br><em>Du kannst alles sein, was  du willst; es liegt alles in dir.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><br>Wenn ihr Zeit habt, schenkt diesem Buch 5 Minuten, vielleicht kann es euch mehr erreichen als mich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wordworld Bewertung:Mal wieder eine Kurzgeschichte, die es in sich hat und bei deren Bewertung ich mir schwer tue: Was ist das Leben? Welchen tieferen Sinn hat es? 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