{"id":771,"date":"2020-05-17T08:47:56","date_gmt":"2020-05-17T08:47:56","guid":{"rendered":"http:\/\/iancushing.de\/?p=771"},"modified":"2025-10-21T17:34:42","modified_gmt":"2025-10-21T15:34:42","slug":"17-05-2020-marius-tahira","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iancushing.de\/?p=771","title":{"rendered":"17.05.2020 &#8211; Marius Tahira"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.marius-tahira.de\/\">Marius Tahira &#8211; Homepage<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/MariusTahira\/\">Marius Tahira &#8211; Facebook<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/marius_tahira\/\">Marius Tahira &#8211; Instagram<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Buchkritik: Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>In Deutschland w\u00fctet eine Epidemie: Die Grenzen sind dicht, Auslandsreisen verboten. W\u00e4hrend Regierung und Medien noch verharmlosend von Einzelf\u00e4llen sprechen, w\u00e4chst die Zahl der Infizierten st\u00e4ndig! Diese Zeilen beschreiben nicht die aktuelle Corona-Krise, sondern das Setting der neusten Anthologie aus der Reihe \u201e<em>Zombie Zone Germany<\/em>\u201c des Amr\u00fbn Verlags. Das Interessante dabei: Die Geschichten entstanden, lange bevor die ersten Corona-F\u00e4lle in Deutschland auftraten. Doch angesichts ihrer Themen wirken einige der enthaltenen Kurzgeschichten inzwischen geradezu prophetisch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland breitet sich eine Zombie-Epidemie aus und sowohl die Regierung als auch die europ\u00e4ischen Nachbarstaaten geben die BRD auf. Auslandsreisen werden verboten, die Grenzen milit\u00e4risch bewacht. Das ist die Pr\u00e4misse der \u201e<strong><a href=\"https:\/\/amrun-verlag.de\/produkt-schlagwort\/zombie-zone-germany\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zombie Zone Germany<\/a><\/strong>\u201c \u2013 jener Buchreihe, die der Amr\u00fbn Verlag 2015 mit der Anthologie \u201e<em>Zombie Zone Germany: Die Anthologie<\/em>\u201c ins unheilige Leben rief und die inzwischen mehrere Romane und Novellen umfasst. Im Fr\u00fchjahr 2020 wollte der Verlag zu den Wurzeln dieser Reihe zur\u00fcckkehren. Es sollte erneut eine Anthologie erscheinen \u2013 und zwar unter dem Titel \u201e<em>Der Beginn<\/em>\u201c. Geplant war, die Anthologie Mitte M\u00e4rz auf der Leipziger Buchmesse zu pr\u00e4sentieren. Es h\u00e4tte ein gro\u00dfes Ereignis f\u00fcr den Kleinverlag sein k\u00f6nnen \u2013 und ebenso f\u00fcr mich, der extra schon Hotel und Bahnreise gebucht hatte, um auf der Buchmesse live dabei sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es kam anders: Corona f\u00fchrte dazu, dass die Leipziger Buchmesse wie zahlreiche andere Gro\u00dfevents abgesagt werden musste. <strong>Das Buch \u00fcber eine fiktive Epidemie musste aufgrund einer echten Pandemie ohne Messeauftritt ver\u00f6ffentlicht werden<\/strong>. Und das ist schade, denn diese Ver\u00f6ffentlichung h\u00e4tte meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Zombie Zone ist \u00fcberraschend aktuell<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer schon einige Artikel dieses Blogs gelesen hat, d\u00fcrfte wissen, dass mich im Horrorbereich vor allem fasziniert, wie das Genre gesellschaftliche \u00c4ngste aufgreift. Und die von Claudia Rapp herausgegebene Anthologie ist in dieser Hinsicht doppelt interessant, <strong>denn die Wirklichkeit hat die Schreckensvisionen in den Zombiegeschichten l\u00e4ngst eingeholt<\/strong>. Nat\u00fcrlich wandern in Deutschland keine Zombies herum. Doch viele Aspekte, die in den Kurzgeschichten behandelt werden, gewinnen durch Corona auch in der realen Welt an Bedeutung. <strong>In mehreren Stories f\u00fchlen sich Prepper und Weltuntergangs-Propheten, die seit Monaten Vorr\u00e4te anlegen, durch die Zombie-Epidemie best\u00e4tigt<\/strong>. In Oliver Bayers herausragender Kurzgeschichte \u201e<em>Take Off Plan<\/em>\u201c gibt es \u00dcberlegungen, ob man nicht wieder Konzerte und Bundesliga-Spiele stattfinden lassen sollte, um Deutschland dadurch ein St\u00fcck Normalit\u00e4t zur\u00fcckzugeben. Und in \u201e<em>Himmel und H\u00f6lle<\/em>\u201c fasst Stefan Schweikert die Spekulationen zur Epidemie folgenderma\u00dfen zusammen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ger\u00fcchte und Theorien verbreiteten sich wie die Zombies selbst. Ein unbekanntes Virus? Chemische oder biologische Kampfstoffe? Gentechnische Experimente? Die CIA, der IS, die USA, China, Russland, Aliens, G\u00f6tter, Hohlweltler, das internationale Kapital oder habgierige Konzerne?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Viele Autoren beschreiben mit feinem Gesp\u00fcr \u00c4ngste und Sorgen der Menschen, die genau jetzt angesichts einer tats\u00e4chlichen Seuche \u00fcberall sichtbar werden. <strong>Insofern sind nicht nur die Geschichten an sich faszinierend, sondern auch die Parallelen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Meine Bewertung von \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch interessanter als die Ver\u00f6ffentlichungshintergr\u00fcnde von \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201d d\u00fcrfte f\u00fcr Horrorfans vor allem eine Frage sein: \u00dcberzeugen die Kurzgeschichten selbst durch Inhalt und Sprache?<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal m\u00f6chte ich die ungeheure Vielfalt der unterschiedlichen Kurzgeschichten hervorheben: <strong>Neben actionreichen \u00dcberlebensgeschichten <\/strong>jugendlicher Protagonisten findet man <strong>satirisch \u00fcberspitzte Erz\u00e4hlungen desillusionierter Misanthropen <\/strong>sowie <strong>anr\u00fchrende Geschichten normaler Durchschnittsmenschen<\/strong>, die angesichts der schrecklichen Ereignisse entweder \u00fcber sich hinauswachsen oder sich resignierend ihrem Schicksal ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sowohl St\u00e4rke als auch Schw\u00e4che der Anthologie: Wer gerne erfahren m\u00f6chte, mit welch unterschiedlicher Tonalit\u00e4t man Zombiegeschichten erz\u00e4hlen kann, der kommt an der neusten Ver\u00f6ffentlichung des Amr\u00fbn Verlags kaum vorbei. Wer aber bestimmte Eigenheiten dieses Horror-Subgenres nicht mag, der wird innerhalb der Anthologie wahrscheinlich auch auf Geschichten sto\u00dfen, die ihm nicht zusagen. <strong>Das trifft aber auf zahlreiche Anthologien zu, die statt auf stilistische Einheitlichkeit Wert auf Vielfalt legen<\/strong>. F\u00fcr mich selbst sind Anthologien daher vor allem Testwiese, auf der ich Geschichten bislang eher unbekannter Autoren kennenlernen kann. <strong>Die Autoren, die mich \u00fcberzeugen, behalte ich weiter im Auge und kaufe dann gespannt ihre Folgever\u00f6ffentlichungen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ein kleiner Wermutstropfen war die hohe Zahl abgekl\u00e4rter Einzelg\u00e4nger als Protagonisten, die alles mit bildreicher Vulg\u00e4rsprache oder lakonischen Zynismus kommentierten. Das ist aber nicht den einzelnen Geschichten anzulasten, von denen einige wirklich gut geschrieben sind (mein Favorit in dieser Sparte ist <strong><a href=\"https:\/\/iancushing.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ian Cushings<\/a><\/strong> schon fast grotesk \u00fcberspitzte Geschichte \u201e<em>Der Erl\u00f6ser<\/em>\u201c). Nur in der Gesamtheit wirkte die Zombie Zone auf mich <strong>etwas \u00fcberbev\u00f6lkert mit zynischen und dauerfluchenden Menschenhassern<\/strong>. Aber wer wei\u00df: Vielleicht w\u00e4ren es am Ende tats\u00e4chlich solche Leute, die die Zombie-Apokalypse \u00fcberleben. Und viele andere Leser werden die Anthologie gerade f\u00fcr solche Geschichten lieben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Meine pers\u00f6nlichen Highlights der Anthologie<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201d enth\u00e4lt insgesamt 19 Kurzgeschichten. Folgende Auswahl meiner Lieblingsgeschichten ist nat\u00fcrlich von meinen pers\u00f6nlichen Vorlieben gepr\u00e4gt. Bei Zombiegeschichten interessieren mich vor allem jene, die den Fokus auf die sozialen und charakterlichen Ver\u00e4nderungen legen, die aus der st\u00e4ndigen Bedrohung resultieren. Wer vor allem auf abgefahrene Splattergeschichten mit hohem Killcount steht, der wird bei \u201e<em>Der Beginn<\/em>\u201d zwar ebenfalls f\u00fcndig, d\u00fcrfte aber ganz andere Highlights haben als ich.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Wodka und Die Dornenv\u00f6gel<\/strong>: Monika Loerchers Protagonistin erz\u00e4hlt im von Galgenhumor gepr\u00e4gten Plauderton von den Vorbereitungen, aus ihrer Wohnung aufzubrechen. Sie m\u00f6chte andere \u00dcberlebende finden. Die sachlichen \u00dcberlegungen dar\u00fcber, auf welche zivilisatorischen Leistungen eine neue Gesellschaft verzichten m\u00fcsste, sind dabei deprimierender, als jedes Zombiegemetzel es jemals sein k\u00f6nnte. Eine bitters\u00fc\u00dfe Geschichte, in der es um Hoffnung und die \u00dcberlebenschancen in einer Welt voller Zombies geht.<\/li><li><strong>Der Erl\u00f6ser<\/strong>: Vorab \u2013 ich hab inzwischen eigentlich genug von Einzelg\u00e4ngern, die als schnoddrige Ich-Erz\u00e4hler metaphernreiche Unversch\u00e4mtheiten raushauen. Und auch Horrorkom\u00f6dien sind eher selten mein Fall. Alle Vorzeichen sprachen also daf\u00fcr, dass ich Ian Cushings \u201e<em>Der Erl\u00f6ser<\/em>\u201d nicht m\u00f6gen w\u00fcrde. Dass die Geschichte trotzdem in meiner Favoriten-Liste steht, l\u00e4sst sich also nur auf das au\u00dferordentliche handwerkliche K\u00f6nnen des Autors zur\u00fcckf\u00fchren. Ian Cushing erz\u00e4hlt grotesk \u00fcberspitzt und humorvoll die Geschichte eines Mannes, der die Zombie-Apokalypse im Zimmer eines Mehrfamilienhauses erlebt. Dabei treibt der Autor diverse Horrorklischees auf die Spitze und stellt gleichzeitig das ausgelutschte Konzept der h\u00fcbschen Maid in N\u00f6ten, die vom tapferen Recken gerettet wird, vollkommen auf den Kopf. Wenn ich ein Traump\u00e4rchen des Horrors k\u00fcren m\u00fcsste, dann f\u00e4nde ich es in dieser Kurzgeschichte.<\/li><li><strong>Take Off Plan<\/strong>: <strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/oliver.bayer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Oliver Bayer<\/a><\/strong> erz\u00e4hlt eine nachdenkenswerte Geschichte \u00fcber Moral und Verantwortung, in der sich eine Reporterin entscheiden muss, ob sie ihr eigenes Leben auf Kosten eines anderen Menschen rettet. Eine starke Story und in dieser Anthologie eine der Geschichten, die mich am meisten beeindruckt hat.<\/li><li><strong>#zombizoned<\/strong>: Die Kurzgeschichte von <strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/worttraeumerin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K.T. Jurka<\/a><\/strong> ist knapp auf den Punkt formuliert und mit ordentlich Drive erz\u00e4hlt. F\u00fcr die Handlung spielt die Kommunikation \u00fcber Twitter eine zentrale Rolle. In&nbsp;\u201e<em>#zombizoned<\/em>\u201d tauschen sich regierungskritische B\u00fcrger via Twitter-Nachrichten \u00fcber neue Infektionsherde und Zombieattacken aus. Egoismus und der Kampf zwischen innerer Aufgabe und \u00dcberlebenswillen sind zentrale Themen dieser Geschichte.<\/li><li><strong>Seilschaft: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/berg_freundin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Saskia Hehl<\/a><\/strong> erz\u00e4hlt die Geschichte eines Mannes, der w\u00e4hrend eines Kletterausflug den Beginn der Zombiekatastrophe zun\u00e4chst verpasst. Als er schlie\u00dflich davon erf\u00e4hrt, macht er sich auf den Weg, um einen befreundeten Bergsteiger zu retten. Die Geschichte ist straff und ohne unn\u00f6tige Umschweife erz\u00e4hlt, die Autorin f\u00e4ngt die Gebirgslandschaft in manchmal fast schon poetischer Sprache gekonnt ein. Was mir besonders an dieser Geschichte gefallen hat, ist, dass der Hauptcharakter in seiner Normalit\u00e4t absolut glaubw\u00fcrdig wirkt. Er ist weder wichtiger Entscheidungstr\u00e4ger noch zynischer Misanthrop, sondern einfach ein verantwortungsvoller Mann, der versucht, das aus seiner Sicht Richtige zu tun.<\/li><li><strong>Himmel und H\u00f6lle<\/strong>: Die Geschichte von <strong><a href=\"https:\/\/sschwblog.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stefan Schweikert<\/a><\/strong> handelt von einem m\u00e4nnlichen Mitvierziger, der sich viele Ziele gesetzt hat und nur wenige davon erreicht. Inmitten der Zombie-Apokalypse st\u00f6\u00dft er auf die ebenso junge wie h\u00fcbsche Silvia. Trotz des Titels ist \u201e<em>Himmel und H\u00f6lle<\/em>\u201d auf angenehme Weise geerdet. Die Geschichte macht schnell deutlich, dass man nicht ohne weiteres zum frauenumschw\u00e4rmten Zombiekiller wird, sobald sich die ersten Untoten zeigen. Wer zuvor ein Weichei war, wird es auch w\u00e4hrend einer Zombie-Epidemie \u00e4u\u00dferst schwer haben.<\/li><li><strong>Der K\u00f6nig der Kaffeekannen<\/strong>: \u201e<em>Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf!<\/em>\u201c, das wussten schon die antiken R\u00f6mer und das wei\u00df auch J\u00fcrgen H\u00f6reth, der in seiner Kurzgeschichte den meiner Meinung nach unsympathischsten Antagonisten der gesamten Anthologie geschaffen hat. Die ganze Geschichte \u00fcber habe ich auf sein schnelles Ableben gehofft. Solch hassenswerten B\u00f6sewicht zu schreiben, ist eine respektable Leistung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>So viel zu meinen pers\u00f6nlichen Highlights. Aber auch abseits der oben genannten Geschichten sind viele der Kurzgeschichten sehr solide. Wer es gern etwas temporeicher mag, der wird&nbsp; wahrscheinlich <strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/LisanneSurborg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Lisanne Surborgs<\/a><\/strong> \u201e<em>Prepapocalypse<\/em>\u201d zu seinen Favoriten z\u00e4hlen. <strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/MatthiasRamtkeAutor\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Matthias Ramtkes<\/a><\/strong> Ballon-Trag\u00f6die \u201e<em>Emma<\/em>\u201d hat mir ebenfalls gut gefallen. Aber nat\u00fcrlich gab es auch einige Geschichten mit Schw\u00e4chen, auf die ich nachfolgend kurz eingehen werde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch in der Zombie Zone gilt: Wo Licht ist, da ist auch Schatten<\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl mir die meisten Geschichten in \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201d gefallen haben, gab es doch einige, die ich nur mit \u00dcberwindung zu Ende lesen konnte. Bei einzelnen Geschichten mag das Geschmackssache sein: So gibt es sicherlich Leute, die sich dar\u00fcber freuen, wenn das <strong>Feeling trashiger Zombiefilme<\/strong> seine literarische Entsprechung findet. Wenn Jugendliche aber miterleben, wie Verwandte, Freunde oder Bekannte zerrissen werden oder sich in Zombies verwandeln, und dann Augenblicke sp\u00e4ter bereits heiter dar\u00fcber debattieren, mit wem sie gern ein sexuelles Abenteuer h\u00e4tten, dann entlockt das mir nur noch ein genervtes Augenrollen. Insbesondere dann, wenn die Dialoge gleichzeitig stark nach \u201e<em>So stellen sich Erwachsene Jugendsprache vor<\/em>\u201d klingen. Und es gibt in einigen Geschichten manchen Dialog, in dem sich Protagonisten ausgiebig Dinge erz\u00e4hlen, die sie schon l\u00e4ngst voneinander wissen m\u00fcssten (was eine eher unelegante Art ist, dem Leser Infos zukommen zu lassen. In englischen Sprachraum nennt man diese Neigung von Autoren, ihre Figuren dauernd altbekannte Dinge wie Familienhintergr\u00fcnde, das eigene Alter usw. erz\u00e4hlen zu lassen, auch <a href=\"https:\/\/authorkristenlamb.com\/2013\/12\/do-you-have-as-you-know-bob-syndrome-how-writers-can-butcher-dialogue-how-to-fix-it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>\u201eAs you know, Bob\u201d-Syndrom<\/strong><\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Erz\u00e4hlperspektive. So sind recht viele Geschichten aus der Ich-Perspektive geschrieben. Im Normalfall erm\u00f6glicht das keinerlei Distanz zur Hauptfigur: Der Erz\u00e4hler ist der direkt Erlebende. <strong>Dementsprechend muss der Erz\u00e4hlton auch der Situation und der Gef\u00fchlslage der Hauptfigur entsprechen<\/strong>. Einzige Ausnahme ist das nachtr\u00e4glich niedergeschriebene Erlebnis (sei es als Brief, Tagebuch oder Roman). In Ian Cushings \u201e<em>Der Erl\u00f6ser<\/em>\u201d wird beispielsweise schnell deutlich, dass der Erz\u00e4hler die Geschichte nachtr\u00e4glich erz\u00e4hlt. Daher wirkt es auch nicht unglaubw\u00fcrdig, wenn er selbst in extremen Gefahrensituationen das Geschehen ausf\u00fchrlich und bildreich beschreibt. Die Gefahr ist ja bereits vor\u00fcber und wird nachtr\u00e4glich ausgeschm\u00fcckt. Wenn man aber praktisch live in die Figur schl\u00fcpft, bietet die Ich-Erz\u00e4hlung viele Fallstricke. <strong>Die besseren Geschichten blenden bei Tod oder Bewusstlosigkeit ab: Die Figur kann schlie\u00dflich nichts erz\u00e4hlen, was sie selbst nicht mehr erlebt!<\/strong> Aber leider gibt es in \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201d auch negative Ausnahmen. <strong>[Es folgt ein Mini-Spoiler, denn der Titel der Geschichte wird nicht genannt]<\/strong> Beispielsweise, wenn der Ich-Erz\u00e4hler sich in einen geistlosen, von Hunger getriebenen Zombie verwandelt, aber gleichzeitig in korrekter Grammatik und formvollendeten Deutsch weiter aus der Ich-Perspektive erz\u00e4hlt, was gerade mit ihm passiert. Bei sowas bricht die Erz\u00e4hlperspektive einer eigentlich \u00fcberzeugenden Geschichte das Genick.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit zu \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Mit \u201e<em>Zombie Zone Germany: Der Beginn<\/em>\u201c hat der Amr\u00fbn Verlag ein Werk geschaffen, das angesichts der Corona-Krise unerwartet aktuell geworden ist. Prepper, Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber Twitter, entt\u00e4uschte Hoffnungen in die Regierung, Isolation aus Angst \u2013 zahlreiche dieser Themen spielen in den Kurzgeschichten eine tragende Rolle und pr\u00e4gen inzwischen auch unser reales Leben. Insofern ist die Anthologie gleich doppelt interessant: Einmal als Sammlung spannender Zombiegeschichten, aber auch als Ver\u00f6ffentlichung, die gesellschaftliche Entwicklungen praktisch vorgegriffen hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Anthologie bietet stilistisch eine gro\u00dfe Vielfalt, was f\u00fcr Abwechslung sorgt, aber auch bedeutet, dass Leser mit ganz spezifischen Stil-Vorlieben nicht bei jeder Kurzgeschichte auf ihre Kosten kommen. Auch die handwerkliche Qualit\u00e4t der Storys variiert: Neben kleinen Meisterwerken gibt es auch einige eher z\u00e4he Geschichten. Insgesamt sind die meisten Kurzgeschichten aber solide erz\u00e4hlt. Und allein das etablierte Setting der Zombie Zone ist schon \u00fcberaus interessant, erm\u00f6glicht es doch zahlreiche Verweise auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Etwas, was sp\u00e4testens seit <a href=\"http:\/\/rooschristoph.blogspot.com\/2017\/07\/george-romero-vater-der-zombies.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">George A. Romero<\/a> viele gute Zombie-Geschichten auszeichnet.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marius Tahira &#8211; HomepageMarius Tahira &#8211; FacebookMarius Tahira &#8211; Instagram Buchkritik: Zombie Zone Germany: Der Beginn In Deutschland w\u00fctet eine Epidemie: Die Grenzen sind dicht, Auslandsreisen verboten. W\u00e4hrend Regierung und Medien noch verharmlosend von Einzelf\u00e4llen sprechen, w\u00e4chst die Zahl der Infizierten st\u00e4ndig! 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