30.06.2017 – Buchvogel

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Woher:  Rezensionsexemplar des Autors, dem ich herzlichst dafür danke

So fängt es an: Ich habe mich entschlossen, eine Art Tagebuch zu führen und meine Gedanken aufzuschreiben.

Zusammenfassung
Der Protagonist ist ein harmoniebedürftiger Mann mit einem unspektakulären Job. In Form von Tagebucheinträgen lässt er uns an seinen Gedanken über das Leben teilhaben. Durch Situationen existenzieller Art wird er zu spontanen Entscheidungen gezwungen und verändert sich peu a peu.

Persönliche Meinung
Diese Kurzgeschichte ist beklemmend ergreifend. Dazu trug auch bei, dass ich sie auf einem Krankenhausflur las.

Die Geschichte ist in Form von Tagebucheinträgen in Ich-Form des Protagonisten verfasst, der namenslos bleibt. Das Tagebuch geht über gute zwei Jahre, von 2015 bis 2017. Der Schreiber berichtet von seiner Kindheit und seiner aktuellen Situation und reflektiert dabei sein Dasein. Wir kommen dem Protagonisten sehr nahe, er lässt uns hautnah an seinen Gefühlen teilhaben.

Erst nach einiger Zeit beginnt sich eine Handlung zu entwickeln, genauer gesagt teilt der Tagebuchschreiber einige besondere Situationen mit uns, die ihn zu unerhörten Handlungen nötigen. Wie ihn diese Handlungen beschäftigen und schließlich verändern, wird sehr dicht, lesenswert und sehr genau beschrieben. Ich war innerlich bei ihm und konnte alles nachvollziehen, bis er dann zu weit ging. Oder vielleicht war es auch nur der logische Schritt? Entscheidet selbst.

Der Protagonist ist kein Held im klassischen Sinne. Er ist einerseits harmoniebedürftig, hilfsbereit, nimmt sich andererseits selber sehr zurück und ist wahrscheinlich depressiv. Er ist Existenzialist, verehrt Camus, Sartre und Hesse und erwartet nicht viel vom Leben. Genauer gesagt denkt er, dass das Leben an sich sinnlos ist.

Der Sprachstil ist ruhig und niveauvoll gehalten und spiegelt die nüchternde, bedrückende Lebenshaltung des Tagebuchschreibers wieder. Jeder, der einen Hauch von Niedergeschlagenheit kennt, bei dem das Leben nicht nur heiter Sonnenschein ist und der als Kind eher ängstlich war und am Rand stand, wird sich von diesem Buch verstanden fühlen.

Der Autor schafft es, die Geschichte auf den Punkt zu bringen, alles ist zitierwürdig und kein Wort ist zuviel. Ian Cushing hat hier viel Wahres geschrieben, Gedanken, die ich auch nachvollziehen konnte.

Der Buchtitel übrigens bezieht sich nicht auf die Lesedauer, es ist zwar eine Kurzgeschichte, aber ich hab dann doch eine gute Dreiviertelstunde gelesen ;). Die Zeit ist gut investiert.

Lesen oder nicht?
Eine ruhig erzählte Geschichte, die nachhallt und die großen Fragen aufwirft und ein reflektierender Anti-Held: diese Kurzgeschichte ist nicht Mainstream, aber lohnt sich: Klare Empfehlung von mir. Das Buch ist etwas besonders.

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