28.09.2019 – Libramorum

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Was Ray dazu schreibt:


Dieses Buch kann man am ehesten mit einer Wildwasserfahrt vergleichen.
Zuerst setzt man sich mit seinen Mitfahrern ins Boot und paddelt gemütlich los – so wie auch der Plot. Man lernt zunächst die Familien von damals und heute kennen, ihre guten und schlechten Seiten. Dabei liest sich dieser „sanfte“ Abschnitt nicht langweilig. Mit gut dosierten Prisen Humor und Wortgewandtheit, schafft es der Autor den Leser zu unterhalten. Das Leben und Denken um die 1600er herum ist großartig beschrieben worden und versetzt einen in einfachere Zeiten zurück, als Gott, Familie und Nachbarschaftlichkeit noch zu den obersten Prioritäten im Leben standen. Doch ein fauler Apfel kann die ganze Ernte versauen.

Danach zieht sich das Tempo so langsam an. Das fließende Wasser gewinnt an Intensität, man muss Felsen, die imposant aus dem Wasser ragen, ausweichen und es wird generell hektischer, anspruchsvoller und schonungsloser – doch mit den Familienidyllen nimmt es ein abruptes Ende. Die Ereignisse in der heutigen und damaligen Zeit spitzen sich zu, Familien werden auf eine harte Probe gestellt und nicht jeder kommt so glimpflich davon. Der Einfluss des infamen Hexenhammers, der lange Zeit als DAS Werk über Hexerei galt, ist zu spüren und man erlebt als Leser hautnah, wie ein pures Familienglück durch dieses Werk des Aberglaubens zerrissen wird.

Die Strecke neigt sich dem Ende zu. Ihr kämpft mit aller Kraft gegen die Strömung an, seid durchnässt bis auf die Knochen und habt euch garantiert den ein oder anderen blauen Fleck geholt, dem Helm sei Dank ist nichts schlimmeres passiert – die letzten Kapitel brennen vor Spannung, Grauen und auch Hoffnung, nämlich der Hoffnung auf ein gutes Ende für alle Beteiligten. Der Autor beschreibt mit einem kurzen Satz im Laufe der Geschichte das, was ich für dieses Ende empfunden habe: Es ist irgendwie ein Happy End und die Hölle auf Erden zugleich.

Kritikpunkte? Hab ich. Zwei Kapitel, wenn auch relativ kurz, störten mich. Meines Erachtens waren sie nicht zwingend notwendig, nahmen den Ereignissen auch die Ernsthaftigkeit und brachten mich leicht aus dem vorher fabelhaft strukturierten Lesefluss.

Fazit:
Die Träne der Zauberschen ist etwas besonderes. Es ist dieser angenehme Horror, der sich langsam durch die Materie arbeitet und ein wohliges Gruseln beim Leser auslöst. Es ist der wütende Sturm, der sich über das Land ergießt und sich doch erst durch einige sachte Windböen angekündigt hat. Ein wunderbares Buch, das meines Erachtens in jedem Bücherregal einen Platz hat.

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