15.04.2018 – InKulturA-online

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Was bleibt dem Individuum, wenn tradierte Lebensgewohnheiten sich als Lügen herausstellen, wenn gelebtes Leben schal wird und nur noch durch bedeutungsloses Perpetuieren der Anschein von Normalität erhalten wird und was geschieht mit diesem Individuum, das sich durch ein von außen ins Dasein drängendes Ereignis auf einmal der Endlichkeit und Einsamkeit, letztendlich der Sinnlosigkeit menschlicher Existenz bewusst wird?

Ian Cushing lässt einen namenlosen Ich-Erzähler Tagebuch führen und der Leser wird Zeuge eines Lebens, das stets gefährdet ist und dessen anonymer Protagonist im Dunkel möglichen Nichtseins zu versinken droht. Es sind, um einen Begriff Karl Jaspers zu verwenden, Grenzsituationen, denen die Figur ausgeliefert ist. Tod, Verlust und, als vielleicht höchste negative Steigerung, Töten sind die Fixsterne dieses einsamen Kosmos, den der Autor mit präziser Diktion beschreibt.

Unprätentiös und ohne sprachliche Schnörkel, jedoch ausgestattet mit manchmal schmerzhaft lapidaren Sätzen – „Was, wenn man merkt, dass alles keinen Sinn macht? Wenn man versteht, dass alles, was man während seines Lebens macht und schafft, am großen Tod scheitern wird?“ – , schmerzhaft, weil ihnen Tragik und Verzweiflung immanent sind, beschreibt der Autor ein Leben, das, seien wir ehrlich, ein Leben eines jeden von uns sein könnte.

Geworfen, um einen ebenfalls zentralen Begriff Heideggers zu benutzen, mit Jaspers zusammen der philosophische Spiritus Rector von Jean-Paul Sartre und Albert Camus, – Ian Cushings Figur rekurriert immer wieder auf deren existentialistische Gedanken – in ein sinnloses Leben, das letztendlich nur Sinn erhält, wenn sich ein Individuum eben dieser Sinnlosigkeit bewusst wird.

Hart und direkt. Ein Buch, das, obwohl sich vieler Genres bedienend, wohltuend von den jeweils üblichen Klischees abhebt, weil es trotz intensiver Introspektion seines Protagonisten keine langweilige pseudointellektuelle Nabelschau bietet.

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