23.03.2018 – Buchblog Leif Inselmann

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Es ist schwer, das Genre des Werkes „In Ewigkeit“ von Ian Cushing genau einzugrenzen: Drama, philosophisches Werk, irgendwie zu einem gewissen Teil auch Mystery und Psychothriller – all das steckt in diesem Büchlein von 196 Seiten.

Die erste Hälfte ist das autobiografische Manuskript eines Mannes, der gerade durch eine neue Lebensweise der Spontanität einen Ausweg aus seiner allgemeinen Sinnkrise gefunden zu haben scheint – nur um dann erneut Opfer eines traumatischen Schicksalsschlages zu werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Zurechtkommen mit einem solchen Verlust, mündend aber in einem ganz neuen Blick auf das Thema Jenseits .

Die zweite Hälfte dann stellt die Vorgeschichte der ersten dar – in Form des schon zuvor erwähnten Tagesbuches des Protagonisten, das dessen geistige Entwicklung dokumentiert. Hemmungslos realistisch werden wir Zeuge eines existenzialistischen Geistes, der zunehmend die Kontrolle über sein zur Qual gewordenes Leben zurückzugewinnen versucht – und dabei, in seinem Nihilismus alle klassische Moral hinterfragend, sogar zum Mörder wird. Dieser zweite Abschnitt wurde tatsächlich schon zuvor eigenständig unter dem Titel „Fünf Minuten – Ein Tagebuch“ veröffentlicht – doch diese jetzige Erweiterung ist alles andere als schädlich, sondern vielmehr eine interessante Weiterführung.

Obwohl ein Großteil des Werkes weniger der Sachhandlung, als vielmehr der Psyche des Protagonisten gilt, liest sich „In Ewigkeit“ nur allzu flüssig weg – was nicht zuletzt an der beachtlichen Sprachbeherrschung des Autors liegt, der sein Werk mit allerlei Zynismus, Anspielungen und innovativen Sprachbildern füllt. Besonders der unspektakuläre, mit klassischer Dramaturgie brechende Charakter des Tagebuchteils verleiht der Geschichte eine allzu realistische Verortung im hiesigen Leben. Zwar gefiel mir diese zweite Hälfte subjektiv besser (wohl auch wegen der offenen Amoralität), doch auch die erste hat seinen ganz eigenen Reiz und ist ohnehin zu kurzweilig, um jemals Längen aufkommen zu lassen.

So ergibt all dies zusammen ein zwar unkonventionelles, aber gleichsam tiefes und unterhaltsames Werk. Zwar mag der Tod die einzige Gewissheit sein, wie schon unser existenzialistischer Protagonist erkennt, doch immerhin bleibt vorher meist noch genügend Zeit für solche Bücher. Ein Lichtblick in dieser allzu düsteren Welt.

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