Nicole Siemer – Akuma

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Durch Rezensionen bin ich auf den Roman „Akuma“ von Nicole Sieber aufmerksam geworden. Geschichten, die den Genregrenzen trotzen, sind mir sehr lieb, und da mir der Klappentext einen Mix aus Fantasy, Horror und Thriller versprochen hatte, habe ich beim Stöbern in der Wortfiliale das Buch eingepackt.

Wo habt ihr schon mal eine Geschichte mit einem Dämon gelesen, der an Minderwertigkeitskomplexen und einer Identitätskrise leidet, und diese mit arschigem Verhalten und einer Neigung zu exzessiver Gewalt zu übertünchen versucht? Selbstreflexion ist jedenfalls zu Beginn ein Fremdwort für den Racker und es ist ein Genuss, die Interaktion zwischen Kjara und ihm mitzuerleben. Als sich in Kjaras Leben einiges zum Besseren zu wenden scheint, stehen große Veränderungen im Leben der beiden an, die sie auf die Probe stellen wird.

Ich werde nicht mehr zur Geschichte schreiben, denn ich denke, dass der Leser diese Welt und die vielen gelungenen Ideen auf eigene Faust erkunden sollte.
Aber was ich sagen kann und will: Was der Klappentext versprochen hat, hat die Autorin definitiv gehalten. Die Geschichte beginnt phantastisch, ist stellenweise mit blutigem Horror gespickt, bevor sich durch einen fiesen Twist eine Thriller-Ebene vor Euch auftut, um Euch zu verschlingen. Aber alles ist miteinander verwoben und liest sich nicht so starr getrennt, wie meine hölzernen Worte es vermuten lassen. Die Mischung der Genres ist hervorragend gelungen und es macht unglaublich Spaß, der Geschichte um die erfolgreiche Schriftstellerin Kjara und ihren Dämon Akuma zu folgen.

Nicole Siemer hat dieses Buch im Eigenverlag herausgebracht, aber es wundert mich bei der Qualität, ihrem großartig lesbaren Stil und der fehlerfreien Umsetzung überhaupt nicht, dass sie von einem Verlag unter die Fittiche genommen wurde.

Dieses Buch war für mich ein Genuss – sowohl, was den Plot angeht, aber auch wegen der in jeder Beziehung absolut gelungenen Umsetzung. Ich pflege meine Hoffnung, dass Akuma eines Tages wieder auftauchen wird. Der Fan-Modus leuchtet grün.

S. Sagenroth – A. S. Tory: Roadmovie um die Suche nach einer alten Single

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Wenn man mich fragt, wo ich im Corona-Sommer 2021 im Urlaub war, kann ich nun sagen: Ich habe von Balkonien aus eine Rundreise gemacht und war in England, Italien, Frankreich, Marokko und den Niederlanden.

S. Sagenroth hat mich mitgenommen auf eine Reise – einen Roadtrip, eine Schnitzeljagd. Ich liebe Schnitzeljagden! Meine Lieblingsfolgen der Drei ??? sind eindeutig die, in denen sie von Hinweis zu Hinweis geführt werden, um am Ende das Rätsel zu lösen. Und S. Sagenroth ist das ebenfalls hervorragend gelungen.

Ich habe den Trip wirklich sehr genossen! Die Autorin hat mit ihrem ersten Buch die Basis für hervorragende Charaktere gelegt.
Da haben wir den Titelhelden: Siegmund Sagenroth, genannt Sid. Sein Leben ist öde … aber welchem 15-Jährigen geht es nicht so? Sid bekommt eine E-Mail eines geheimnisvollen Mannes, der ihn auf eine Reise einlädt. Dieser Mann namens A. S. Tory verspricht ihm ein Abenteuer und kurzentschlossen sagt Sid zu. (Anmerkung: Don’t try this at home. Was in einem Abenteuerroman gut funktioniert, ist im realen Leben meistens der Beginn einer Straftat.)
Sid findet Unterstützung in der 19-jährigen Chiara; der Wildfang steht dem introvertierten Jungen auf seiner Reise bei, die zu einem gemeinsamen Abenteuer wird. Sie ist oftmals die treibende Kraft, und ihr Tatendrang und ihre Cleverness bringen sie immer weiter auf der Suche nach einer alten Single.
Mr. A. S. Tory hingegen würde, wenn er seine Energie nicht dafür einsetzen würde, die jungen Leute auf der Suche zu unterstützen, einen formidablen Superschurken abgegeben. Doch auch wenn er ein geheimnisvoller Mann ist, ist sein Ansinnen ein nobles.

Die Story ist gut ausgedacht, entwickelt einen echten Sog und es macht Spaß, sich mit Sid und Chiara auf die Suche nach einer alten Single zu begeben. Zum Ende hin erlebt die Geschichte eine Wendung und die Suche aus emotionalen Gründen bekommt einen wirklich dramatischen Beigeschmack. Dieses Thema (nein, ich verrate nicht, um was es sich handelt) ist nicht neu, aber seit einigen Jahren aktueller denn je und S. Sagenroth ist sehr gut damit umgegangen. Es überfordert die jugendliche Zielgruppe (und jung gebliebene Leser wie mich) nicht, öffnet aber eine Perspektive auf das Thema, die ich für extrem wichtig halte.

Besonders gut hat mir gefallen, dass es sowohl Gefahr und echtes Abenteuer gibt, aber meines Erachtens die Begegnungen und kleinen Erlebnisse bereits ein Abenteuer an sich darstellen. Wo erlebt man schon die Begegnung mit interessanten Menschen, eine Weinlese, eine Wildschweinjagd, wird von Fremden als Freund aufgenommen und in das Familienleben integriert oder knattert mit einer neuen Freundin durch fremde Länder und haut in einer Disko mal so richtig auf den Putz? Zuhause vor dem PC erlebt man sowas jedenfalls nicht. Es sind oftmals die leisen Momente, die das Leben so besonders machen.

Mit dem Schreibstil der Autorin bin ich sehr glücklich. Kurz, prägnant und auf den Punkt vermittelt sie Emotionen, treibt die Geschichte schnörkellos voran und lässt die verschiedenen Landschaften vor den Augen des Lesers erblühen.

Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, dass ich dachte: Mannometer … der Sid ist echt gebeutelt, wie er so durch die Welt gescheucht wird. Ich werde wohl langsam alt. Daher konnte ich mich mit Mr. Tory ganz gut identifizieren: Der stille Mann im Hintergrund, der es anderen ermöglicht, eine gute Zeit zu erleben und sich an einer guten Geschichte erfreut. Und sein Geld hätte ich auch gern.

Warum ich mich entschieden habe, der Geschichte vier Sterne zu geben, obwohl sie mir wirklich gut gefallen hat und ich sie definitiv empfehlen kann? Weil es der Beginn einer Serie ist. Weil das Ende etwas abrupt war und vielleicht noch die ein oder andere Ausführung verdient hätte. Und weil Siegmund Sagenroth noch viel Potential hat und noch ein wenig mehr in seinen heroischen Namen hereinwachsen muss.
Aber ich bin guter Dinge, dass die nächsten drei Bände (der neuste Teil erscheint übrigens bereits im August 2021!) eine Entwicklung darstellen werden und freue mich bereits darauf, die anderen Reisen anzutreten.

Paola Baldin – Rotten Hearts

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Kaum eine Autorin spricht eine Sprache wie Paola Baldin; kaum jemand begeistert mich mit dieser Tiefe; kaum jemand lässt in meinem Kopf permanent Bilder entstehen, die direkt in die Seele wandern und sich dort festsetzen. Aus diesen Gründen bezeichne ich Paola Baldin als eine meiner Lieblingsautorinnen. Nicht nur im Selfpublisher-Bereich, sondern allgemein.

Ihr könnt Euch also vorstellen, wie sehr ich mich auf „Rotten Hearts“ gefreut habe! Und dann hatte ich Angst, denn was wäre, wenn mich das neue Buch nicht so begeistert, wie es „Die Blüten meiner Schuld“ oder „Bionic Soul“ getan haben? Tja, das ist das Risiko im Leben eines Fans, aber ich habe mich der Gefahr gestellt.

Die junge Autorin hat eine surreale Welt erschaffen, die mich immer wieder verblüfft und begeistert hat. Leider ist es mir unmöglich, Euch von den vielen Details zu erzählen, die mich begeistert haben, ohne Euch den Spaß (?) am Lesen zu nehmen und daher werde ich es unterlassen, tiefer auf die Geschichte einzugehen. Diese Geschichte zu spoilern wäre ein absolutes Sakrileg. Lest das Buch und lasst Euch begeistern!

Vom ersten Satz an werden wir mitgenommen auf eine Reise. Weder die Protagonistin noch die Leser kennen zu Beginn dieser Reise das Ziel. Durch das Eintauchen in ihre Erinnerungen schreiten wir auf ein Ereignis zu, welches schon längst geschehen ist, aber Collapsar ist eine verzweifelte Kämpferin, die über ihre körperliche und seelischen Grenzen geht. Gehen muss. Gelegenheit zum Kampf gegen die Finsternis und ihre Schergen bekommen wir zu Genüge und jeder Kampf, aber auch jede unerwartete Begegnung und Erinnerung bringt uns dem Verstehen und Ziel näher.

Wieso spreche ich von „wir“ und „uns“?
Weil es eine gemeinsame Reise ist.
Wir wissen lediglich, woran Collapsar sich erinnert.
Wir entdecken gemeinsam, was sie entdeckt.
Wir lauschen gemeinsam ihren inneren Stimmen.
Wir erleben gemeinsam ihre Zerrissenheit und Verzweiflung.
Der Erzähler deutet kryptisch an, was Collapsar bereits tief in ihrem Herzen, begraben unter Verleugnung und Finsternis, weiß.
Und wir haben gemeinsam, dass wir in einem Strudel aus Finsternis und Erinnerungen, aus Liebe und Schmerz, Kampf und Flucht, Reinheit und Schuld hinabgezogen werden, bis die Luft zum Atmen wegbleibt, die Kraft versiegt und wir auf dem weichen Waldboden liegenbleiben möchten, bis die Raben sich an uns satt gefressen haben.
Zu guter Letzt wollen wir, genau wie sie, das Ziel um jeden Preis erreichen, auch wenn uns mit jedem Schritt bewusster wird, dass es schrecklicher ist, als wir es uns jemals vorstellen könnten. Ist es Mut oder ist es Verzweiflung, die uns die Kraft gibt, uns dem Ende zu stellen?

Manchem mag es anfangs nicht schnell genug vorangehen (obwohl es an sich rasant zugeht!), aber keine Angst! Zur richtigen Zeit verändert sich die Situation wieder und wieder und wieder. Langsam, aber stets spannend, entfalten sich die Geschichte und die Wahrheit und lassen sich, wie die Finsternis selbst, Zeit – nur um den Leser bangen, bluten, hoffen, und schlussendlich dem Unausweichlichen gegenüberzutreten zu lassen.

Durch die Wendungen war es mir ein Genuss, zu spekulieren, wie die Geschichte ausgehen wird und doch sollte sich jeder bewusst sein, der ein Buch von ihr in die Hand nimmt, dass er stets das Unerwartete erwarten sollte.

Inhalt der ausverkauften Buchbox zu ROTTEN HEARTS

Mit „Rotten Hearts“ beweist Paola Baldin, wie sehr sie als Autorin gewachsen ist! Sowohl sprachlich, als auch vom Aufbau her – mit all den kleinen Finessen und Details wie dem Erzähler, den Stimmen, weißen Meeren und schwarzen Stränden und natürlich dem baldinesken Schlussakkord – überzeugt mich das Buch absolut.

Sie erzählt mit bildhaften Worten von dem dunklen Schicksal der jungen Collapsar und diese Worte werden sich in euren Seelen einbrennen. War die Sprache von „Die Blüten meiner Schuld“ (zu Anfang) verspielt und herzlich, schlägt sie bei „Rotten Hearts“ ab der ersten Seite den Moll-Akkord der Verzweiflung an.

Dazu kommt, dass „Rotten Hearts“ meines Erachtens fehlerfrei lektoriert und der Buchsatz wundervoll gelungen ist. Der große Bonus der Bücher von Paola Baldin ist darüber hinaus, dass sie liebevoll illustriert sind! Die zahlreichen Fotos oder Zeichnungen – zum Teil über eine Doppelseite, zum Teil in den Text eingebettet – verleihen der Geschichte ein Gesicht und vertiefen die Atmosphäre, so dass es nicht schwerfällt, in ihr zu versinken.

Es ist ein ganz besonderes und mutiges Buch über Liebe, Verlust, Hoffnung und Schmerz und die daraus resultierende reale Finsternis im Leben. Daher lege ich es denjenigen als uneingeschränkte Leseempfehlung ans Herz, die von der Finsternis wissen, die in jedem Einzelnen von uns lebt und einzig existiert, um uns bei lebendigem Leib zu verschlingen, wenn wir es zulassen, aber mutig genug sind, ihr gegenüberzutreten.

PS:
Das Taschenbuch gibt es bei der Autorin selbst zu bestellen (die Links zu ihren Seiten stehen am Anfang des Textes); Ihr solltet allerdings unbedingt zu der Hardcover-Ausgabe greifen, von der nicht mehr viele zu haben sind (Stand 10.06.2021)! Es lohnt sich definitiv, denn es ist mit teillackiertem Schutzumschlag und der gesamten Optik und Haptik ein echtes Schmuckstück geworden. Wer das eBook bevorzugt, wird bei Amazon fündig.
Und wenn ihr schon dabei seid, bestellt auf jeden Fall noch „Die Blüten meiner Schuld“ mit. (Nur ein gutgemeinter Tipp von mir, den Ihr nicht bereuen werdet!)

[Es handelt sich bei “Meinen Gedanken zu anderen Büchern” stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Steffi Frei – Schicksal der Fearane: Kristallseele (Band 3)

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Wenn die Lesegeschwindigkeit beim letzten Band einer Trilogie sinkt, kann das zwei Gründe haben: Der Autor hat den Leser verloren oder der Leser weigert sich aktiv, die Reise enden zu lassen.
Ich habe mich erwischt wie ich statt zwei, drei oder vier Kapiteln pro Abend nur noch eines oder maximal zwei gelesen habe und der Grund dafür ist definitiv nicht, dass die Autorin mich verloren hatte.

Nach dem gemeinen Cliffhanger des zweiten Bandes („Schicksal der Fearane: Feder und Metall“) war ich glücklich, sofort „Kristallseele“ lesen zu können … aber Steffi Frei hat nichts besseres zu tun, als den Leser, dem noch das Adrenalin der Schlacht in den Ohren rauscht, zappeln zu lassen. Ich habe es gehasst und geliebt zugleich, dass das Buch mit einem Rückblick startet und wir eine Weile brauchen, bis wir wieder unter der Erde sind. Aber die Rückblicke sind wundervoll und verleihen der Geschichte Tiefe und vermitteln das Wissen, was man braucht, um vollends einzutauchen. Ein Epos in einem Epos. Toll gemacht!

Man merkt, dass die Bücher in einem Guss entstanden ist, denn wir erleben im dritten Band alles, was die anderen beiden ausgemacht hat: Wundervolle Charaktere, Tränen der Trauer und der Liebe; Unermessliches Glück und tiefste Verzweiflung; ernste Gespräche, witzige Momente; Liebe, Freundschaft, Verrat und Mord und Tod. Alles hat Steffi Frei zu einer spannenden Geschichte verwoben, die ich unheimlich genossen habe, denn das Tempo, mit der sie die Geschichte erzählt ist perfekt und niemals läuft man Gefahr, an einer Stelle zu lange zu verweilen und gleichzeitig auch nicht zu kurz.

Jeder Leser weiß, dass das Ende eines Buches (ja, ich betrachte die „Schicksal der Fearane“-Trilogie gesamt als ein Werk) das Wichtigste ist. Ohne etwas über die Geschichte zu verraten, darf ich sagen, dass es wirklich gelungen ist!
Besonders beliebt bei Autoren*innen ist immer der Satz: „Das hätte ich so und so gemacht …“ oder „Das hättest du so und so machen müssen …“. Und dennoch gebe ich zu, dass ich mir eine bestimmte Stelle zum Schluss ausführlicher gewünscht hätte (und ganz leicht enttäuscht war, als das nicht passierte), denn ich weiß, dass Steffi Frei mit ihrem Können und Talent das Ereignis zu einem unvergesslichen für uns alle gemacht hätte. Da spricht also defintiv der Fanboy und nicht der Klugscheißer aus mir!
Und wo wir schon bei rein subjektiv empfundener Kritik sind: Ein oder zwei Wendungen oder Änderungen kamen für mich etwas abrupt. Welche das sind, verrate ich Euch nicht, denn das würde mächtig spoilern und vielleicht habe nur ich es so empfunden und da kam mal der Monk in mir raus. Diese wenigen Stellen haben den Lesegenuss allerdings keineswegs geschmälert.

Steffi Freis Stil ist einfach wundervoll und die Art, wie sie ihre Geschichten zum Leben erweckt, mag ich wirklich sehr gern. Ich freue mich sehr darüber, dass sie bereits an einem neuen Buch schreibt, und ich wüsste keinen Grund, warum ich da nicht sofort wieder am Start bin.

Was bleibt zu sagen?
Wer gute Geschichten im Allgemeinen und Fantasy im Besonderen mag, wird die Trilogie lieben.
Und: Wer noch niemals ein Buch aus dem Selfpublisheruniversum gelesen hat, tut gut daran, mit der „Schicksal der Fearane“-Trilogie einzusteigen und gleichzeitig erweist Steffi Frei damit der Szene einen großen Dienst, denn sie und ihre Bücher sind ein großartiges Beispiel dafür, wozu Autoren aus eigener Kraft fähig sind.

[Es handelt sich bei “Meinen Gedanken zu anderen Büchern” stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Steffi Frei – Schicksal der Fearane: Feder und Metall (Band 2)

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Den ersten Band der „Schicksal der Fearane“-Trilogie – Die letzte Tiare – hatte ich verschlungen und es ist immer spannend, ob die Nachfolgebände einen ebenfalls so abholen.

To cut a long story short: Mission erfüllt!

„Feder und Metall“ setzt genau da an, wo „Die letzte Tiare“ aufhört und ich war sofort wieder eingetaucht in die Welt der Fearane, Menschen und Zentâris.

Wir begleiten Finéra, Xeron und einige andere Fearanen auf der Suche nach der Tochter von Riáz und Sera. Doch wie man schon aus dem ersten Teil gelernt haben sollte: Das Erreichen eines Zieles führt unweigerlich zu einer noch viel größeren Aufgabe und auch diesmal überschlagen sich die Ereignisse, bis es zum Ende hin extrem spannend und dramatisch wird.

Auf dieser Reise lernen wir nicht nur einige Hintergründe der Geschichte kennen und schreiten zu neuen Taten, sondern das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren, die Steffi Frei ganz wunderbar zeichnet. Alte Bekannte lernen wir besser kennen, und ich finde es schön, dass das Ensemble erweitert wird und neue Charaktere hinzukommen, die dafür sorgen, dass weder der Leser noch die Gruppe zur Ruhe kommt: Ria ist das eigensinnige Abbild ihrer Mutter und darüber hinaus eine wagemutige Kämpferin; Flin ist der undurchsichtige Fremde, und Dión ist ebenso mutig, wie sein Vater es im ersten Teil war.

Besonders ist mir aber Finéra ans Herz gewachsen, die sich aus Abenteuerlust und aus dem Gefühl heraus, es tun zu müssen, an der Mission beteiligt. Und ihr Mut und ihre guten Ideen sollen schließlich auch auf eine bestimmte Weise belohnt werden … auch wenn sie wahrlich schwere Zeiten durchzustehen hat. Freud und Leid sind ständige Begleiter auf dem Weg der bunten Gemeinschaft.

Ach, zu der Story gäbe es so viel zu sagen, denn es geschieht so viel! Keines der kurzen Kapitel vergeht, ohne dass man die Augenbrauen hochzieht oder auf einer Ebene (sei es in der Hauptquest oder in den persönlicheren Nebensträngen) in der Geschichte weiterkommt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich für Steffi Frei angefühlt haben muss, so viele Ideen und Inspirationen im Kopf zu haben! Aber ich bremse mich jetzt und empfehle Euch einfach, die Bücher zu lesen!

Steffi Frei hat eine Welt erschaffen, in der man sich nur wohlfühlen kann; auch wenn das Thema nicht wirklich zum Wohlfühlen einlädt, denn es geht im Großen um das Verlöschen der Lebenskraft eines ganzen Volkes. Auf dem Weg, dieses Schicksal vielleicht noch abzuwenden, erzählt sie von Liebe, Freundschaft und Mut, aber auch von Verrat, Hass und Kampf. Und diese Geschichte erzählt sie dank ihres warmen, liebevollen – und gleichzeitig auch harten und präzisen – Schreibstils ganz wundervoll, und schüttelt den Leser gerne mal emotional durch. Ihr Stil macht es zu einem wirklichen Genuss, der Gruppe auf ihrem Weg zu folgen und mit ihnen gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu kämpfen, zu bluten.

Sie hat mit dem zweiten Teil ihrer „Schicksal der Fearane“-Trilogie in meinen Augen alles richtig gemacht. Die Story schreitet (oder gleitet, je nachdem ob ihr Mensch oder Fearane seid) ohne Unterlass voran und Steffi Frei hat es sich nicht nehmen lassen, den Leser immer wieder mit Twists zu überraschen.

Der Buchsatz ist wieder hervorragend geraten, (Tipp)Fehler habe ich keine entdeckt und die Aufmachung mit Karte, und Anhang ist absolut gelungen! Kurzum … das Buch ist eine Zierde für die Sparte der Selfpublisher!

Ich freue mich, dass ich nicht sagen kann: „Der erste Teil war besser als der zweite“ (oder vice versa), denn Steffi ist etwas gelungen, was bei einer Serie sehr wichtig ist: Es ist alles eins und die Bücher gehören zusammen. Ich bin überzeugt, dass, zusammen mit dem dritten Band, ein einziges Buch mit einer großen Geschichte aus einem Guss entstanden sein wird.

Es ist unnötig zu erwähnen, dass ich bereits den dritten Teil lese, oder?

[Es handelt sich bei “Meinen Gedanken zu anderen Büchern” stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Michael Leuchtenberger – Caspars Schatten

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Einer meiner (Blind-)Käufe in Die Wortfiliale war Michael Leuchtenbergers Debüt-Roman „Caspars Schatten“ und das war ein wirklich guter Griff!

Es geht um das Geschwisterpaar David und Miriam, die aus heiterem Himmel eine Einladung von einen alten Schulfreund erhalten, von dem sie schon lange nichts gehört haben. Der Sonderling hatte zu beiden Geschwistern eine besondere Beziehung und daher nehmen David und Miriam die Fahrt auf sich und reisen zu der Feier, die Caspar ausrichtet. Wir lernen die beiden kennen und man fühlt sich bei ihnen sofort wohl, denn sie sind normale Menschen wie du und ich, mit ganz normalen Macken und die Identifizierung fiel mir sehr leicht.

Und mehr versuche ich auch gar nicht zu erzählen, denn bereits auf den ersten Seiten wird eines klar: Michael Leuchtenberger schafft es mit unkomplizierten Worten und Gedanken den Leser anzufüttern und ein Netz um ihn zu spinnen, und es mit jeder Seite ein wenig enger zu ziehen. Das war echt großartig, denn nach wenigen Seiten wollte ich unbedingt wissen, was Caspars Einladung wirklich bedeutet und geriet in einen regelrechten Sog. Und dieses Gefühl des Gefangenseins hatte ich ohne Hänger von der ersten bis zur letzten Seite. Und das lag nicht daran, dass auch David und Miriam nicht mehr so ganz frei in ihren Handlungen waren. Mir hat Michael Leuchtenberger die Entscheidung jedenfalls abgenommen, ob ich abends noch lese oder nicht, denn ich war einfach zu gespannt, wie es weitergeht.

Die Story lebt besonders von der Atmosphäre in Caspars Anwesen und von dem Sonderling selbst, sowie auch von der Ausweglosigkeit, in der seine Gäste sich befinden. Die Intention des Gastgebers, über die ich mich aber nicht auslasse, ist einen zweiten und dritten Gedanken wert. Gut unterhalten und gespannt steuert man auf das Ende zu.

Dazu kommt das Eindrucksvollste: Michaels Fähigkeit, äußerst unterhaltsam und leichtfüßig zu schreiben. Es wirkte unglaublich fluffig und leicht auf mich, wie er mich durch seine 292 Seiten getragen hat und das ist eine Fähigkeit, die nicht jeder Autor besitzt. Das Potential, das in ihm ruht, ist meiner Meinung nach ungeheuer groß und ich freue mich bereits auf seine anderen Bücher!

Die einzigen Punkte, die ich als „Kritik“ anbringen möchte, ist, dass mir in einigen Situationen des Buches die Handlungen der Protagonisten nicht schlüssig waren und ein wenig unlogisch erschienen. Aber akzeptiert man diese kleinen Ungereimtheiten, dauert es nicht lange, denn man wird bereits nach zwei, drei Sätzen wieder in die Handlung gezogen.

Es gibt auch einige Szenen und Details, die ich liebend gerne detaillierter und tiefgehender erläutert bekommen hätte, aber auch nur weil ich neugierig bin; doch andererseits sorgt gerade dieses einfache Erwähnen diverser Dinge und Begebenheiten in einem unheimlichen Ambiente auch dafür, dass man beim Lesen ein unheimliches Gefühl zurückbehält, gerade, weil man es eben nicht erklärt bekommt und eine Aura des Geheimnisvollen bleibt.

Doch darf man trotz der eben genannten Punkte nicht vergessen: „Caspars Schatten“ ist ein Debüt und ich kann voll und ganz verstehen, dass man es als Erstlingsautor nicht zwingend darauf anlegt, die Story (die in diesem Falle noch sehr viel hergeben würde), bis ins letzte Detail aufzuschreiben, um den Leser mit vierhundertfünfzig Debüt-Seiten zu erschlagen, beziehungsweise muss sich ein junger Buchautor auch erst einmal selbst finden und nach und nach seine Grenzen verschieben. Und ich bin überzeugt, dass Michael Leuchtenberger seine Grenzen verschieben wird, denn das Talent und Potential scheint überreichlich vorhanden.

Habe ich bereits erwähnt, dass der Autor in Sachen Buchsatz und Fehlerfreiheit sich eine 1+ verdient hat? Nein? Dann wisst ihr es jetzt. Ich liebe die kurzen Kapitel und auch die Seitenzahl kam mir extrem entgegen, da mir übermäßig dicke Bücher immer Schweiß auf die Stirn treiben.
Im Großen ud Ganzen ist „Caspars Schatten“ ein (weiteres) Paradebeispiel dafür, dass Selfpublisher es einfach draufhaben (können).

Ich muss sagen, dass mir gruselige Romane, die nicht auf Blut und Gedärm, sondern auf unheimliche Atmosphäre und Phantastik setzen, sehr am Herzen liegen und Michael Leuchtenberger hat mit seinem Debüt in dieser Beziehung alles richtig gemacht. Er hat mich von der ersten Seite an richtig gut unterhalten und ich habe die Zeit in Caspars Anwesen, im Gegensatz zu David und Miriam, jedenfalls sehr genossen und freue mich auf weitere Bücher aus seiner Feder!

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Steffi Frei – Schicksal der Fearane: Die letzte Tiare (Band 1)

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Es gibt Bücher, die lässt man gerne mal ein paar Tage liegen und es gibt Bücher, auf die man sich den ganzen Tag freut.

Letzteres ist bei dem ersten Teil von Steffi Freis „Schicksal der Fearane“-Trilogie der Fall, denn auch wenn die Geschichte mitunter höchst dramatisch und herzzerreißend ist, ist „Die letzte Tiare“ ein Wohlfühlbuch für mich. Jeden Abend bin ich voller Freude mit den Fearanen und Menschen durch Wälder und Dörfer gereist, habe mit ihnen gelacht, getanzt, gekämpft und geweint.

Um was geht es ganz grob? Die Tiare Sera wird gezwungen, ihr Leben zum Wohle aller Fearane, einem naturverbundenen und gefiederten Volk, von Grund auf zu ändern und eine Aufgabe zu übernehmen, die sie so (und schon gar nicht auf diese Weise) niemals übernehmen wollte. Durch ihre starrsinnige Art ergeben sich natürlich Probleme mit ihren Begleitern und Beschützern und im Verlauf der Reise erkennt sie, dass es nicht immer ratsam ist, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, anderen zu vertrauen und doch werden ihr letztendlich sprichwörtlich die Flügel gestutzt.
Ich habe mich lediglich an einer Stelle ertappt, dass ich nicht auf Seras Seite war, aber diese Szene war für die Dramatik einfach unumgänglich und das Resultat wird mit ziemlicher Sicherheit bei dem einen oder anderen Leser für feuchte Augen sorgen.
Nebenbei bemerkt fand ich persönlich das Thema der Seelenverwandten und Seelengefährten (man beachte den Unterschied!) besonders schön.

Das Buch besitzt zwei Erzählperspektiven; die Geschichte der Fearane erleben wir nämlich nicht aus erster Hand, sondern ein freundlicher, zurückgezogen lebender Herr erzählt sie einem jungen Mädchen, die sie für ihn aufschreibt. Allein der Beginn der Geschichte hat etwas märchenhaftes, als das Mädchen aus einem harten Leben herausgeholt wird und sich in der bequemen Welt des Mannes wiederfindet und ihrer geheimen Leidenschaft (nämlich den zu diesem Zeitpunkt weitgehend verschwundenen Fearanen) nachgehen kann … und zwar intensiver, als sie es sich jemals erträumt hat!

Der Großteil des ersten Bandes erzählt von der Reise, und wir können die Gefährten in aller Ruhe kennen- und lieben lernen. Die Hauptfiguren sind sehr gut ausgearbeitet und wenn ich den jeweiligen Namen der Figur lese, habe ich sofort ein Bild und seinen Charakter vor Augen.
Zum Ende hin verändert sich das Szenario dramatisch und ich fühlte mich plötzlich einer Hilf- und Hoffnungslosigkeit ausgesetzt, für die ich die Autorin auch mal ganz leise verflucht habe (sagt es ihr aber bitte nicht!).
Am Ende des ersten Teiles überschlagen sich die Ereignisse und viel besser hätte man das Buch nicht beenden können, denn es öffnen sich viele neue Türen und ich bin sehr gespannt, wie Steffi die Geschichte weitererzählen wird!

Ich mag Steffi Freis Schreibstil sehr, denn sie erzählt die Geschichte um „Die letzte Tiare“ und ihre Weggefährten so lebendig, dass es mir nicht schwerfiel, in die Geschichte hineinzufinden und mich umgehend wohlzufühlen! Wenn ich behaupte, dass „Die letzte Tiare“ leicht zugänglich ist, ist das als großes Kompliment gemeint. Bei „Fantasy“ ist es manchmal schwierig für mich, Zugang zu den Welten zu finden, wenn sie sich auf-Teufel-komm-raus zu sehr von unserer Realität unterscheiden wollen, aber bei allem Einfallsreichtum nimmt Steffi Frei den Leser einfach an die Hand und entführt ihn ohne Anlaufschwierigkeiten in ihre Welt.

Steffi Frei ist als Selfpublisherin für die komplette Gestaltung des Buches (inklusive des Covers) selbst verantwortlich und erbringt mit dem Buch den Beweis, dass Selfpublisher Verlagsautoren in keiner Weise „unterlegen“ sind; sei es von der Geschichte, dem Schreibstil oder der gesamten Aufmachung des Buches.

Persönlich finde die relativ kurzen Kapitel höchst sympathisch, denn das kommt meinen Lesegewohnheiten sehr entgegen und gleichzeitig treibt jedes Kapitel die Geschichte voran. Sei es die Reise der Gruppe oder auch die charakterliche Entwicklung der Figuren.
Sie versteht es, mit den richtigen Worten Gefühle zu wecken und den Leser in die Geschichte hineinzuziehen, bis man glaubt, Fichtennadeln riechen zu können. Nebenbei meistert sie die größte Herausforderung und beherrscht sowohl die leisen Töne der Freundschaft und Liebe als auch die lauten Töne des Kampfes, der Ungerechtigkeit und des Schmerzes (und von allem gibt es reichlich!).

Für alle, die bei den verschiedenen Fearanenvölkern gern mal durcheinanderkommen oder tiefer eintauchen möchten, hat Steffi im Anhang eine Übersicht über die fearanischen Urgattungen eingefügt und eine Landkarte ist auch dabei, auf die ich gern geschaut habe, um den Weg der Gruppe zu verfolgen.

Ich freu mich sehr auf den zweiten Teil, der bereits am 24.11.2020 erscheinen wird und auf den Titel „Feder und Metall“ hört.

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Hagen Thiele – Die Pflicht

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Als ich kürzlich durch Die Wortfiliale stöberte, habe ich mir aufgrund des Klappentextes Hagen Thieles Buch „Die Pflicht“ in den Warenkorb gelegt. Ein Blindkauf, wie er im Buche steht, sozusagen. Tja … und ein verdammt lohnenswerter Blindkauf, möchte ich ergänzen.

Sollte Euch mal ein Mensch begegnen, der heutzutage immer noch der irrigen Annahme verfallen ist, dass Selfpublisher minderwertige Bücher auf den Markt werfen, zeigt ihm „Die Pflicht“. Oder haut es ihm um die Moppen. Genau wie etliche andere Kollegen beweist Hagen Thiele nämlich, dass das absoluter Bullshit ist. Eine Auswahl der Bücher, die mich aus den verschiedensten Gründen begeistert haben, findet Ihr auf meine Homepage www.IanCushing.de.

Hagen Thieles Buch ist perfekt layoutet, Fehler gibt es nicht wirklich. Das unglaublich gute Cover und die ansprechende Haptik des Buches runden den professionellen Gesamteindruck ab und mir gefällt es als Ganzes unglaublich gut.

Eine von Hagens Stärken ist, dass er einen unglaublich guten Schreibstil hat. Man gleitet durch seine Zeilen und es macht einfach Spaß, durch sein erzählerisches Können immer weiter in die dunkle Tiefe gezogen zu werden. Selten ist mir ein so gut lesbares Horror-Buch in die Finger geraten!

Puh, was sage ich zu der Geschichte an sich? Am besten gar nicht zu viel, denn das könnte den künftigen Lesern etwas den Spaß an der Sache nehmen.

Wir lernen Erik kennen: Ein Außenseiter wie aus dem Lehrbuch. Aber selbst Außenseiter haben manchmal Glück und er lernt Laura kennen und die beiden verlieben sich. Laura ist ein toller Charakter und ich mag ihre flapsige Art und das Zusammenspiel der beiden Figuren ist wirklich hervorragend gelungen.
Erik ist aber nicht ganz umsonst der Außenseiter, denn er hat jede Nacht eine Pflicht zu erfüllen, die ihn an einem normalen Leben hindert. Wie das bei jungen Menschen so ist, entstehen dadurch natürlich Reibungspunkte und irgendwann eskaliert die Sache.
Das Privatleben der Figuren auf der einen und die düstere Pflicht auf der anderen Seite scheuern aneinander bis es schmerzt und es zur phantastischen Eskalation kommt.

Bereits nach den ersten Seiten drehte sich mein Gedankenkarussell: Wohin steuert die Story?
Geht die Reise in Richtung Lovecraft?
Oder werden wir in einen King’schen Alltag entführt, welcher sich am Ende auf grauenvolle Weise in eine Blutwolke auflöst? (Okay, Eriks Leben ist alles andere als alltäglich, aber ihr versteht sicher, was ich meine.)
Handelt es sich um eine metaphorische Geschichte über Angst und Depression?
Ich weiß es jetzt, aber ich sag es Euch nicht, denn das könnt Ihr selbst erlesen.

Es geht mitunter deftig zur Sache, aber die Gewalt wird nicht zu explizit zelebriert und steht keinesfalls im Vordergrund; die Spannungskurve steigt kontinuierlich, und auch wenn man als Horror-Fan irgendwann vage ahnt, wohin die Reise geht (oder gehen könnte), ist es dank Hagens Stil ein Genuss, sich zum unausweichlichen Höhepunkt treiben zu lassen.

Ich hatte wirklich sehr unterhaltsame Stunden mit „Die Pflicht“, denn ich halte die Mischung aus jugendlichem Beziehungsdrama, äonen-altem Horror und Phantastik für absolut gelungen.
Hagen Thieles Buch ist ein toller Horror-Roman mit glaubhaften Charakteren, unterhaltsamen Dialogen, Spannung, Horror und einem herrlich düsteren Antagonisten (sooo true). Darüberhinaus wird das Buch auch noch unglaublich ansprechend präsentiert und begeistert durch das Können des Autors. Bei einer zukünftigen Shoppingtour durch Die Wortfiliale wird das nächste Buch von Hagen Thiele sehenden Auges in meinen Warenkorb wandern.

Für Leser, die auf der Suche nach guter Horrorlektüre sind, ist „Die Pflicht“ … ahem … Pflicht. (Jaja, fünf Euro in das Phrasenschwein …)

Meine Gedanken zu „Die Pflicht“ von Hagen Thiele findet Ihr ebenfalls bei Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Hagen-Thiele/Die-Pflicht-2409722050-w/rezension/2739517420/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Virginia Anemona – Ajena und der Wasserperlenbaum

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„Ajena und der Wasserperlenbaum“ von Virginia Anemona beschäftigt sich mit der dunklen Seite des Lebens.

Ein junges Mädchen wird in der Schule von einem aggressiven Mitschüler drangsaliert. Doch ist es nicht nur der abscheuliche Klassenkamerad, sondern auch die Lehrer, die in ihr ein Opfer finden. Manche Menschen sind anders, zarter und feinfühliger und werden oftmals aus diesem Grund ausgewählt, um als Boxsack herzuhalten, damit die Aggressoren die eigenen Unzulänglichkeiten kaschieren und ihre niederen Instinkte wie dem Wunsch nach Dominanz ausleben können.

Menschen, die sich als Freunde ausgeben, sind es nicht und nutzen das naive, scheue und von Selbstzweifeln geplagte Mädchen immer wieder aus, verletzen sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Immer und immer wieder.

Aber auch in der Familie läuft nicht alles geradeaus und als ihr Vater sich neu verliebt, wird der Versuch einer polyamorischen Beziehen gestartet. Wie zu erwarten war, scheitert auch dieser Versuch durch den Egoismus der beteiligten Menschen, denn Eifersucht und Besitzansprüche drängen sich schnell in den Vordergrund.

Was macht Ajena? Sie flüchtet. Oder besser: sie rettet sich in ihre Fantasie, ihre Träume, wo sie einen Beschützer findet; Bonsaij lehrt sie zusammen mit Husky und vielen anderen traumhaften Wesen, worauf es wirklich ankommt, und dass sie stärker ist als sie glaubt.

* * * * *

Wir begleiten das Mädchen Ajena auf ihrem Weg durch ihr junges Leben. Durch die kurzen Sätze und die episodenhaft erzählten Geschehnisse, hatte ich den Eindruck, durch eine Art Tagebuch direkt in die Gedanken und Gefühle einzutauchen. Manchmal musste ich aufgrund der mitunter naiv anmutenden Art schmunzeln und an anderer Stelle habe ich es kaum ertragen, die Geschichte zu lesen, denn sie hat mir wirklich Unbehagen bereitet.

Besonders die Schilderung ihrer ersten Schulzeit hat mir aufgrund der Ungerechtigkeit beinahe körperliche Schmerzen bereitet. Ich habe es immer gehasst und werde es immer hassen, wenn auf Schwächeren herumgetrampelt wird, und ich konnte die Ohnmacht förmlich spüren, die die kleine Protagonistin ergriffen hat, wenn sie zum Spielball der niederen Instinkte der Dummen und Kräftigen wurde.

Auch wenn der Altersunterscheid zwischen mir und der Protagonistin recht groß sein dürfte, ist diese Geschichte aufgrund des Settings nicht ausschließlich für jüngere Leser geschrieben worden, denn solche Erfahrungen hat vermutlich jeder einmal gemacht und denkt man nach vielen Jahren daran zurück, reflektiert man automatisch und erkennt, dass einige Erlebnisse aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart wirken.

Ein negatives Erlebnis stapelt sich auf das andere auf und die einzelnen Erlebnisse können nicht aufgelöst oder geklärt werden, sondern ihre Seele saugt sich damit voll wie Schwamm. Auch wenn sich im Verlauf der Geschichte durch äußere Umstände – und von außen betrachtet – Besserung einzustellen scheint, steht Ajena sich mit ihrer Angst selbst im Weg. Und besonders treffend nennt Virginia den Teufel beim Namen: Sie entwickelt eine Angst vor ihrer Angst und aufgrund ihrer persönlichen Disposition gerät sie in eine Spirale der Angst, Selbstzweifel und Depression, die letztendlich in Suizidgedanken mündet.

Ajena ist dabei nicht nur ungeliebt; sie ist nicht nur still und passiv. Ihre Eltern lieben sie, sie hat einige gute Freunde und sie steht für andere ein und kann ihre Meinung sagen. Wer sich jetzt wundert, warum das Mädchen dennoch in die seelische Dunkelheit hinabgleitet, hat selbst damit noch keine Erfahrungen machen müssen, denn auch das sind Kennzeichen dieser Krankheit. Man ist nicht permanent „unsichtbar“ oder wird den ganzen Tag schlecht behandelt. Ja, sogar depressive Menschen lachen ab und zu oder haben ein Glänzen in den Augen; doch werden das Lachen und der Glanz meist sehr schnell von der lauernden Dunkelheit erstickt, wenn niemand mehr hinschaut.

Besonders fantasievoll wird es, wenn Ajena (tag)träumt. Doch hat Virginia eine schöne Formulierung dafür gefunden, was ich Fantasie oder Traum nennen würde. „Die andere Realität.“ Eine wunderschöne Formulierung, wie ich finde, denn weiß wirklich jemand von uns, was real ist und was eine Fantasie? Wir wissen heutzutage, dass unsere Gehirne Dinge interpretieren und zwar jedes nach seiner eigenen Art. Wer will mir da erzählen, was Wirklichkeit ist und was Einbildung? Und wenn es Einbildung ist, wir aber dadurch etwas fühlen und Emotionen entstehen, wie kann es dann nicht real sein?

Ihre andere Realität wird parallel erzählt und ist eine Geschichte in der Geschichte. Eine Geschichte, die sowohl düster sein kann, aber gleichzeitig auch bunt und Hoffnung, Kraft beinhaltet. Die Wesen, die sie trifft (und die sogar eine eigene Sprache sprechen), sind hilfsbereit, stellen sie aber immer wieder vor Aufgaben, bei denen sie ihre Ängste überwinden muss und viel über sich lernt. Vor allem, dass ihre Existenz nicht sinnlos ist, und sie viel mehr Kraft in sich trägt als sie glaubt. Irgendwann verschmelzen die Realitäten immer mehr. Letztendlich kommt es zu einem dramatischen Kampf, der im wahrsten Sinne über Leben und Tod entscheidet.

Virgina Anemona schafft es, einerseits kurz und prägnant zu schreiben und andererseits poetische Sätze für ihr Gefühlsleben zu finden.

Die Sätze sind kurz und die meisten Geschehnisse und Gedanken werden selten vertieft und gerade sind es die Gedanken und Fragen der Protagonistin, die so viele Möglichkeiten bieten, sich selbst und sein Leben zu hinterfragen. Daher schätze ich die Umsetzung sehr, denn Virginia Anemona zwingt uns nicht ihre Sichtweise auf, sondern rückt einige Gedanken in den Fokus, über die sich nachzudenken lohnt: Zeit, Realität und was der Mensch sich daraus für einen Käfig gebaut hat, und natürlich das menschliche Verhalten an sich, und sie lässt uns unsere eigenen Antworten suchen. Manchmal ist es nur ein (Neben-)Satz, der mich zum nachdenken gebracht hat.

Der Teil in der „anderen Realität“ unterscheidet sich von den nüchternen Schilderungen in „unserer Realität“ sehr und der Einfallsreichtum und die fantasievolle Welt und die Wesen wecken schon beinahe den Wunsch, einen Fantasyroman von ihr zu lesen.

„Ajena und der Wasserperlenbaum“ wirkt nach und hat eine Kraft, die heutzutage selten ist. Die Kraft, sich mit seinen Schwächen und mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich selbst zu reflektieren und durch die Erkenntnisse anderen Menschen Licht zu sein, auch wenn man selbst in der Dunkelheit wandelt.

Das Ende der Geschichte ist ihr unglaublich gut geraten und ich hatte eine Gänsehaut beim Lesen. Ich werde hier jetzt nicht darüber reden, denn das solltet ihr selbst lesen, aber für mich persönlich ist es das perfekte Ende mit der einzig möglichen Aussage. Da stehen Virginia und ich uns mit unserer Sicht auf das Thema sehr nahe.

Virginia Anemona hat auch noch ein extrem bemerkenswertes Nachwort geschrieben, in dem sie sich sowohl an die Opfer, aber auch die Täter wendet. Sie schafft es in dem Nachwort ohne erhobenen Zeigefinger und auf eine extrem empathische Art beide Parteien anzusprechen, und ihr Text bietet beiden Hilfe an. Das ist ein verdammt großartiges Verhalten für jemanden, der viele Jahre ein „Opfer“ war.

„Ajena und der Wasserperlenbaum“ ist ein besonderes und wichtiges Buch, denn auch wenn man sich vollkommen verloren und allein glaubt, ist man nicht der einzige Mensch, dem es so ergeht.

Es ist ein Buch, welches sich an besondere Menschen richtet.
An Menschen, die mit Depressionen leben müssen;
an Menschen, die ihren Wert selbst nicht mehr wahrnehmen, weil sie niemals Wertschätzung erfahren haben;
an Menschen, denen nur gesagt wird, was sie nicht können, aber die niemals für das anerkannt werden, was sie können;
an Menschen, die mehr Kraft brauchen als andere, um zu Leben.

Und davon gibt es leider sehr viele.

Ich ziehe meinen Hut vor so viel Mut und Kreativität!

https://www.lovelybooks.de/autor/Virginia-Anemona/Ajena-und-der-Wasserperlenbaum-1565379280-w/rezension/2699624604/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Leif Inselmann – Asiras

Leif Inselmann – Homepage
Leif Inselmann – Facebook

Bevor auch nur der leise Verdacht einer Gefälligkeitsrezension aufkommen kann, möchte ich nur sagen: Ja, Leif Inselmann ist vom ersten Tag ein Begleiter auf meinem Autorenweg.
Aber wir müssen jetzt mal eine Zeitreise in das Jahr 2018 unternehmen: Bevor ich angefangen habe, selbst Bücher zu veröffentlichen, ahnte ich ja nicht einmal im Ansatz, was im „literarischen Untergrund“ so abgeht. Ich selbst befand mich gerade irgendwo zwischen „Fünf Minuten“ und „In Ewigkeit“ und erinnere mich ziemlich genau, wie ich „Asiras“ lesend im Bett lag und dachte: „Verdammt! Dieses Niveau möchte ich auch gern erreichen!“ Das Buch hat mich also motiviert und gleichzeitig eingeschüchtert, hahaha.

„Asiras“ war also mein allererstes Buch von einem Selfpublisher, welches ich jemals gelesen habe. Der Grund, warum ich nie eine Rezension, oder (wie ich es viel lieber nenne) meine Gedanken dazu aufgeschrieben habe war, dass ich mir damals einfach noch gar nicht klar, dass ich jemals meine Gedanken zu anderen SP-Büchern teilen werde und dann ist es irgendwann untergegangen. Sorry, Leif!

Ganz ehrlich: Einen besseren Einstieg in die Welt der Selfpublisher hätte ich mir persönlich gar nicht wünschen können! Überhaupt ist es sehr schwer, meine Meinung zu diesem Buch aufzuschreiben, denn eigentlich ist mit:
„Phänomenal!
Makellose Umsetzung!
Sehr gute Story!
1+ mit Sternchen!“
alles gesagt.

Okay … nehme ich mir mal „Sehr gute Story“ vor: Was für Lovecraft sein Innsmouth ist, könnte für Leif Inselmann Ödmark sein. Ich liebe H. P. Lovecraft sehr und so tritt Leif natürlich offene Türen ein, doch gerade wenn man etwas liebt, ist man oftmals sehr kritisch. Aber ich finde nichts, was ich nur ansatzweise an der Story kritisieren könnte.

Die Geschichte um den Dämon Asiras, der sich das Dorf Untertan macht, in Gedanken eindringt und Fremde um den Verstand bringt und in der ein „Fischmann“ auftaucht, hätte ohne Zweifel auch eine gute (!) Lovecraftstory sein können. Leif Inselmann spielt mit allen Zutaten, die man braucht und erschafft eine eigene Version des überirdischen Horrors. Die Wesen, wie auch die menschlichen Charaktere, sind toll beschrieben. Der Verlauf der Geschichte wurde packend gestaltet, die Atmosphäre ist sehr dicht und unheimlich und die Flucht durch den Tunnel hat mich vor Spannung beinahe aufrecht im Bett sitzen lassen! Hammer!
In den letzten Tagen habe ich immer wieder in dem Buch geschmökert weiß, dass ich es bald wieder in einem Rutsch lesen möchte.

Ein Grund, warum „Asiras“ von der ersten bis zur letzten Seite hochgradig spannend ist, liegt neben dem großartigen handwerklichen Können Leif Inselmanns wohl auch in der Länge begründet: Auf 168 Seiten konzentriert sich der Autor auf seine Geschichte. Kein Firlefanz, keine zweite, dritte Storyline etc. Nein, er hatte eine Geschichte zu erzählen und die erzählt in der Länge einer Novelle. Perfekt!

Zur „makellosen Umsetzung“ … was soll ich dazu sagen? Der Schreibstil ist anspruchsvoll und vom Sprachniveau ganz weit oben! Man findet Sätze in diesem Buch, die man in dieser Geschliffenheit andernorts kaum findet (da rede ich wohlgemerkt nicht nur von Selfpublishern!) und gleichzeitig ist es unglaublich gut lesbar! Das ist der Punkt, der mich wirklich am meisten beeindruckt hat, denn ich habe das Gefühl, dass jedes Wort an der richtigen Stelle steht.
(Tipp)Fehler oder ähnliches habe ich keine gefunden (und auch nicht gesucht, aber die springen einen ja manchmal an) und zusammen mit dem professionellen Buchsatz komme ich dann zum Fazit: 1+ mit Sternchen.

Und während ich die Zeilen tippe. frage ich mich, warum ich eigentlich nicht viel mehr von Leif Inselmann gelesen habe, zumal er bereits einige Kurzgeschichten in Anthologien, dazu eine eigene Anthologie, eine Horror- und zwei Science Fiction-Novellen geschrieben hat …
Okay, die Antwort ist mein langsames Leseverhalten und der schrecklich hohe SuB, aber wie Ihr seht: Es ist nie zu spät für eine gute Geschichte!

Also von mir gibt es jetzt ein verspätetes: Danke für dieses tolle Buch.

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]