Leif Inselmann – Asiras

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Bevor auch nur der leise Verdacht einer Gefälligkeitsrezension aufkommen kann, möchte ich nur sagen: Ja, Leif Inselmann ist vom ersten Tag ein Begleiter auf meinem Autorenweg.
Aber wir müssen jetzt mal eine Zeitreise in das Jahr 2018 unternehmen: Bevor ich angefangen habe, selbst Bücher zu veröffentlichen, ahnte ich ja nicht einmal im Ansatz, was im „literarischen Untergrund“ so abgeht. Ich selbst befand mich gerade irgendwo zwischen „Fünf Minuten“ und „In Ewigkeit“ und erinnere mich ziemlich genau, wie ich „Asiras“ lesend im Bett lag und dachte: „Verdammt! Dieses Niveau möchte ich auch gern erreichen!“ Das Buch hat mich also motiviert und gleichzeitig eingeschüchtert, hahaha.

„Asiras“ war also mein allererstes Buch von einem Selfpublisher, welches ich jemals gelesen habe. Der Grund, warum ich nie eine Rezension, oder (wie ich es viel lieber nenne) meine Gedanken dazu aufgeschrieben habe war, dass ich mir damals einfach noch gar nicht klar, dass ich jemals meine Gedanken zu anderen SP-Büchern teilen werde und dann ist es irgendwann untergegangen. Sorry, Leif!

Ganz ehrlich: Einen besseren Einstieg in die Welt der Selfpublisher hätte ich mir persönlich gar nicht wünschen können! Überhaupt ist es sehr schwer, meine Meinung zu diesem Buch aufzuschreiben, denn eigentlich ist mit:
„Phänomenal!
Makellose Umsetzung!
Sehr gute Story!
1+ mit Sternchen!“
alles gesagt.

Okay … nehme ich mir mal „Sehr gute Story“ vor: Was für Lovecraft sein Innsmouth ist, könnte für Leif Inselmann Ödmark sein. Ich liebe H. P. Lovecraft sehr und so tritt Leif natürlich offene Türen ein, doch gerade wenn man etwas liebt, ist man oftmals sehr kritisch. Aber ich finde nichts, was ich nur ansatzweise an der Story kritisieren könnte.

Die Geschichte um den Dämon Asiras, der sich das Dorf Untertan macht, in Gedanken eindringt und Fremde um den Verstand bringt und in der ein „Fischmann“ auftaucht, hätte ohne Zweifel auch eine gute (!) Lovecraftstory sein können. Leif Inselmann spielt mit allen Zutaten, die man braucht und erschafft eine eigene Version des überirdischen Horrors. Die Wesen, wie auch die menschlichen Charaktere, sind toll beschrieben. Der Verlauf der Geschichte wurde packend gestaltet, die Atmosphäre ist sehr dicht und unheimlich und die Flucht durch den Tunnel hat mich vor Spannung beinahe aufrecht im Bett sitzen lassen! Hammer!
In den letzten Tagen habe ich immer wieder in dem Buch geschmökert weiß, dass ich es bald wieder in einem Rutsch lesen möchte.

Ein Grund, warum „Asiras“ von der ersten bis zur letzten Seite hochgradig spannend ist, liegt neben dem großartigen handwerklichen Können Leif Inselmanns wohl auch in der Länge begründet: Auf 168 Seiten konzentriert sich der Autor auf seine Geschichte. Kein Firlefanz, keine zweite, dritte Storyline etc. Nein, er hatte eine Geschichte zu erzählen und die erzählt in der Länge einer Novelle. Perfekt!

Zur „makellosen Umsetzung“ … was soll ich dazu sagen? Der Schreibstil ist anspruchsvoll und vom Sprachniveau ganz weit oben! Man findet Sätze in diesem Buch, die man in dieser Geschliffenheit andernorts kaum findet (da rede ich wohlgemerkt nicht nur von Selfpublishern!) und gleichzeitig ist es unglaublich gut lesbar! Das ist der Punkt, der mich wirklich am meisten beeindruckt hat, denn ich habe das Gefühl, dass jedes Wort an der richtigen Stelle steht.
(Tipp)Fehler oder ähnliches habe ich keine gefunden (und auch nicht gesucht, aber die springen einen ja manchmal an) und zusammen mit dem professionellen Buchsatz komme ich dann zum Fazit: 1+ mit Sternchen.

Und während ich die Zeilen tippe. frage ich mich, warum ich eigentlich nicht viel mehr von Leif Inselmann gelesen habe, zumal er bereits einige Kurzgeschichten in Anthologien, dazu eine eigene Anthologie, eine Horror- und zwei Science Fiction-Novellen geschrieben hat …
Okay, die Antwort ist mein langsames Leseverhalten und der schrecklich hohe SuB, aber wie Ihr seht: Es ist nie zu spät für eine gute Geschichte!

Also von mir gibt es jetzt ein verspätetes: Danke für dieses tolle Buch.

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

L. A. Gunn – London’s Lost

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Ein Makel in meinem Leben war immer, dass ich zwar schon vor laaanger Zeit das Buch „London’s Lost“ von L.A. Gunn gelesen, aber aus Zeitgründen keine „Rezension“ geschrieben habe. (Wobei ich eigentlich eher einfach nur meine persönlichen Gedanken zu den Büchern aufschreibe – Rezensionen sind was für Bücherprofis!) Doch diesen Makel werde ich mir nun von der Seele schreiben!

Die Zutaten von „London’s Lost“ sind: Sherlock Holmes und Dr. Watson in den Nebenrollen. Aber wer braucht schon die beiden alten Knacker, wenn er stattdessen zwei junge Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, als Ermittlerduo in der Hauptrolle haben kann? Dazu gibt es einige unterhaltsame Kriminalfälle, die mit Verstand und Herz gelöst werden und ein großes Geheimnis, welches sich im ersten Teil anbahnt und sich (leider nur) zum Teil offenbart!

Lihla, eine junge Dame aus gutem Hause, dessen Vater bei Scotland Yard ermittelt, und June, ein Mädchen, das auf der Straße lebt, treffen aufeinander. So unterschiedlich die beiden Charaktere auch gezeichnet sind, so sehr ergänzen sie sich auch und was der einen in einer Situation fehlt, macht die andere sofort wieder wett. Der Umgang der beiden Mädchen miteinander ist absolut herzerfrischend, frech und witzig. Da merkt man auch, dass die Autorin großen Spaß gehabt haben muss, als sie sich die Dialoge ausgedacht hat!

Die beiden Mädchen geraten in mehrere Kriminalfälle, die sie mit Mut und Intelligenz lösen können. Die Geschichte erinnert mich an eine große Kiste, in der sich viele kleine Kisten befinden. Nach und nach wird jede Kiste geöffnet, dessen Rätsel gelöst, aber das Geheimnis der großen Kiste offenbart sich nur langsam.
Man merkt beim Lesen ebenfalls schnell, dass die Geschichte und die Charaktere trotz aller Eingängigkeit nicht simpel gestrickt sind, denn jedes Mädchen hat mit der einen oder anderen Bürde zu leben, die für Tiefe sorgt und obendrein ist die Vergangenheit der beiden Mädchen hinter einem Nebel verborgen, den wir erst im Laufe des nächsten Bandes durchdringen werden und außerdem steht ein schrecklicher Verdacht im Raum.
Der monströse Cliffhanger zum Schluss schreit förmlich danach, dass wir die Autorin mindestens wöchentlich mit Bettelbriefen um eine schnelle Fortsetzung bitten sollten!

„Dieses Buch ist ein Herzensprojekt …“ schreibt L. A. Gunn in ihrer Danksagung und das spürt man als Leser. Die Umsetzung des Buches – ich habe noch die Erstausgabe (*) – ist äußerst liebevoll geschehen, auch wenn diese Auflage nicht 100%ig fehlerfrei ist, aber es handelt sich meistens um einfache Tippfehler, die auch jedem professionellen Lektorat durchflutschen können, wie ich leider immer wieder feststellen muss.

Der Buchsatz ist großzügig gestaltet und man fliegt dadurch durch die Seiten, was aber ebenfalls dem ansprechenden Schreibstil der Autorin geschuldet ist, die auf unterhaltsame Art durch die 260 Seiten lange Geschichte führt.

Die Erstauflage von „London’s Lost“

Was mich besonders an diesem Buch anspricht ist, dass es für meine Begriffe herrllich oldschool ist. Oldschool im Sinne eines Sir Arthur Conan Doyle, zum Beispiel. Es orientiert sich an den Klassikern, aber – und das ist ganz wichtig – ist dabei auch frisch und frech! Ich kann mir sogar vorstellen, dass dieses Buch für junge Leser eine Einstiegsdroge in die Welt des Sir Arthur Conan Doyle darstellen könnte, denn es ist – sicherlich wegen des jugendlichen Alters der Protagonisten – sehr gut für jugendliche Leser geeignet, wobei manche Szenen auch herrlich düster sind. Aber wenn der Hauptlesestoff der Teenies heutzutage Liebesgeschichten zwischen Vampiren, Werwölfen oder was-weiß-ich ist, wird sie die Dunkelheit in den Gassen des East Ends nicht allzu sehr aus der Bahn werfen.

Als passionierter Sherlock Holmes-Leser und Die drei Fragezeichen-Hörer, ist es für mich ein Genuss, Bücher dieser Art zu lesen und wer, wie ich auch, Kriminalfälle im Stile von Sherlock Holmes oder Die drei Fragezeichen liebt, darf bei „London’s Lost“ von L. A. Gunn getrost zuschlagen.

(*) Schlechtes Timing ist voll mein Ding, denn wie die Autorin mir jüngst verraten hat, ist aktuell eine komplett überarbeitete Version der Geschichte in Arbeit, in der die angesprochenen Tippfehler eliminiert wurden und auch an der Geschichte etwas justiert wurde.
Also: Rennt ausnahmsweise nicht gleich los (auch wenn ich es der Autorin von Herzen wünschen würde!), sondern notiert Euch diesen Titel auf der Wunschliste und schenkt ihm Eure Aufmerksamkeit, wenn Lihla und June in neuem Gewand erscheinen! Ich freu mich jedenfalls auf die Überarbeitung und die großartige Aussicht, dass an Teil zwei geschrieben wird!

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Dominik A. Meier – Doppelwelt

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Willkommen in der Doppelwelt

Es gibt Selfpublisher, deren Namen mir häufig begegnen und die sich in meinem Kopf bereits als „Marke“ etabliert haben, bevor ich auch nur einen Satz von ihnen gelesen habe. Was lag da also näher, dass ich mir endlich mal ein Buch von Dominik A. Meier besorge?
Da ich persönlich nicht zwingend ein „Reihenfan“ bin, habe ich mir Doppelwelt ausgesucht und das war eine gute Entscheidung.

Die Idee zur Geschichte ist hervorragend: Der Atomunfall von Tschernobyl öffnet ein Tor in eine Parallelwelt, genannt die Doppelwelt. Dort gab es zwar auch den GAU, aber ansonsten hatte sich diese Welt anders entwickelt, als in der „normalen“. Dieser Ansatz ist extrem spannend, wird aber (leider) nur am Rande behandelt. Aber es gibt ja Bücher und TV-Serien, die sich mit alternativen Geschichtsverläufen beschäftigen, wenn man Interesse hat … 

Die kranke Anastasija zieht sich in die Sperrzone von Prypjat zurück, um in Ruhe zu sterben. Allerdings hat sie die Rechnung ohne das Schicksal gemacht, denn aufgrund einer Genanomalie ist sie der einzige Mensch, der das Tor zur Doppelwelt öffnen und mit den „Wanderern“ genannten Wesen kommunizieren kann. Zwischen den beiden Welten existiert allerdings noch die feindliche „Zwischenwelt“, die die Reisenden abfängt und ihnen das Leben schwer und Sterben leicht macht. 

Auf ihren Reisen begegnet Anastasija verschiedenen Menschen, sie findet Freunde, Liebe und Zuneigung, wo sie nichts anderes als den Tod erwartet und gesucht hatte. Leider wird sie auch von Menschen enttäuscht und es ist beinahe herzzerreißend, wie sehr sie darunter leidet, wenn sie das innere Wesen eines Menschen erkennt, dieser sich aber einem unmenschlichen System unterordnet, ohne der Mensch zu sein, der er sein will. Doch gleichzeitig verweigert sie auch Vergebung und kann hart gegen diesen Menschen sein. Geschickt wird in der Doppelwelt mit Hoffnung und Enttäuschung, Mut und Resignation gespielt.

Mit ihrer Art geht Anastasija, genannt „Schwalbe“, ihren Weggefährten gerne mal auf die Nerven. Ihre Stimmungsschwankungen haben auch mich manchmal mit den Augen rollen lassen, denn zwischen „selbstmitleidig in der Ecke hocken“ und „das Leben für die Lieben riskieren“ liegen manches Mal nur zwei Zeilen. Sie verkörpert auch perfekt den Typus des starken Menschen, der sich selbst für schwach hält und der mit Hilfe ihrer Freunde jedes Mal über sich hinauswächst.
Aber mag ich die Protagonistin, denn sie ist eine sensible Seele und ein guter Mensch. Und da gute Menschen nun mal häufiger an sich und der Welt zweifeln, als die Idioten der Welt, bin ich ganz auf ihrer Seite. 

Der Fokus der Geschichte liegt natürlich auf der Protagonistin und auch wenn vielleicht ein oder zwei Mal zu oft ähnliche innere Vorgänge ausführlich beschrieben werden und einem manche Unterhaltungen irgendwann bekannt vorkommen, liegt es an Dominik A. Meiers Schreibstil, dass ich es dennoch durchweg genießen konnte.

Ich mag das Setting und die Gedanken, die Dominik A. Meier in mir beim Lesen der Geschichte auslöst. Besonders schön fand ich die Begegnung mit den Wanderern. Ohne zu viel von der Story zu verraten: andersartige Wesen, die nicht aus unserer Welt stammen, ängstigen die Menschen und man sieht sie als Feind; doch ist nichts, wie es scheint. Die Menschen sind den Wesen genau so fremd und sie wollen von uns lernen … aber was lernt man schon von den Menschen? 

Dominik A. Meier hat ein packendes Mystery-Drama erschaffen, das sich gekonnt aus Fakt und Fiktion zusammensetzt und Fragen des Lebens aufwirft, die ich nach der abendlichen Lektüre durchaus nachklingen lassen habe.
Sein Schreibstil trifft meinen Nerv und ich habe mich jeden Abend darauf gefreut, in die Doppelwelt zu reisen und das ist für mich immer ein Indikator, dass es ein (für mich) gutes Buch ist. 

Dominik ist Selfpublisher und in der breiten Masse gibt es oftmals noch immer Ressentiments dieser noblen Gattung gegenüber. Auf den Sinn und Unsinn dieser These gehe ich jetzt nicht weiter ein, denn würden sich diese Leute Doppelwelt anschauen, würden sie sehen, wie perfekt man ein Buch als Selfpublisher umsetzen kann. Die Geschichte ist packend, unterhaltsam und regt zum Nachdenken über die menschliche Natur an; mir sind in dem gesamten Buch ein oder zwei Vertipper aufgefallen und damit erreicht Dominik definitiv Verlagsstandard. Dazu kommt noch der gut lesbare Buchsatz, ein professionelles Cover und fertig ist ein Buch, welches mich nicht nur inhaltlich zu überzeugen weiß. Die Umsetzung ist also in meinen Augen absolut makellos und es sollte mich wundern, wenn es das letzte Buch gewesen sein soll, welches ich von ihm gelesen habe. 

Einsteigern in die Welten von Dominik A. Meier kann ich Doppelwelt also definitiv empfehlen.

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Paola Baldin – Fremde Heimat

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Da ich diese Rezension nicht bei Lovelybooks hochladen kann, schicke ich ausnahmsweise mal den Klappentext vorweg:
Ist Heimat der Ort, an dem man aufgewachsen ist? Oder liegt sie doch im Klang des plätschernden Wassers, dem Glanz der Sterne oder gar im Herzschlag eines geliebten Menschen, dem man erst noch begegnet?
Wage einen Blick in die Zukunft.
Lass dich entführen in 13 Kurzgeschichten, Poesie- und Lyriktexte über Menschen und Androiden, die in dystopischen Welten, bewohnten Raumstationen, Portalen und Marskuppeln leben und die allesamt eines verbindet: Die Sehnsucht nach der Geborgenheit eines Heims, das manchmal im Fremden weilt.

Paola Baldin hat vor Kurzem ihren Kurzgeschichtenband namens „Fremde Heimat“ veröffentlicht. Es war klar, dass ich, nach der Lektüre ihrer vorangegangenen Veröffentlichungen „Bionic Soul“ und „Die Blüten meiner Schuld„, auch dieses Buch lesen muss und ich bin nicht enttäuscht wurden.

Die Autorin hat das Buch unterteilt in Kurzgeschichten, Poesiegeschichten und Lyrik.
Ich finde es schön, dass die Kurzgeschichten, mit Ausnahme von „Die Heimat unserer Träume“ (aber dazu gleich mehr) durch einen roten Faden – oder auch mehreren roten Fäden – zusammengehalten werden.
Heimat und Verlust sind die vorherrschenden Themen und wer die Bücher von Paola Baldin kennt, weiß, dass das alles andere als ein Spaziergang über blühende Wiesen werden wird.

Es sind mitunter sehr traurige Geschichten, die erzählt werden; aber genau wie ich es mag, schwingt gleich in der ersten Geschichte „Fremde Heimat“ auch eine Hoffnung mit. Zart und leise gelingt es der Hoffnung, die Schicksalsschläge erträglicher zu machen. In jeder Dunkelheit lebt auch ein Licht.

In „Bacterium ignitum“ verschlingt ein Feuerbakterium die Welt, wie man sie kennt, und es gelingt die Flucht auf eine Raumstation, in der sich die Protagonistin sogar mit ihrer geliebten Familie vereinen kann. Happy End? Ratet mal …

Mechanic Heart, My Home“ ist am deutlichsten von „Bionic Soul“ inspiriert und erzählt eine warme, wundervolle Geschichte von Liebe und Menschlichkeit … bis es zu einem großen Unglück kommt. Wer „Bionic Soul“ verschlungen hat, wird hier einen perfekten Ansatz finden, um tiefer in Paolas Science Fiction-Universum zu reisen.

In „Heimkehr“ findet das „Bacterium ignitum“ seinen Widerhall; allerdings wird das Szenario, welches wir in der gleichnamigen Geschichte erleben durften, um eine zweite Tragödie persönlicher Natur erweitert und wir werden mit der Frage konfrontiert, was schlimmer ist: Eine natürliche Katastrophe, die die Erde in die Knie zwingt oder eine persönliche Katastrophe, in der Menschen durch selbstsüchtiges Verhalten im Herzen so sehr verletzt werden, dass man daran zu zerbrechen droht? Mit den veränderten Umweltbedingungen haben sich die Bewohner arrangiert, aber ertragen sie auch die persönliche Tragödie? Wie viel Zeit hat man, um sich einen Fehler einzugestehen und die ausgestreckte Hand zu ergreifen, bevor es zu spät ist?

Etwas aus dem Rahmen fällt „Die Heimat unserer Träume„, denn wir befinden uns nicht in den Weiten des Weltraums, sondern im Wald und in Träumen und es ist keine klassische Science Fiction-Story, sondern eher im Mystery-Bereich anzusiedeln. Ich durfte die Geschichte bereits vorab lesen und sie hatte mich sehr begeistert, denn ganz besonders mag ich, dass diese Geschichte – meines Erachtens – einen Bogen zu „Die Blüten meiner Schuld“ schlägt; ein Buch, welches ich euch sehr ans Herz legen muss!

Die Poesiegeschichten und die Lyrik sind ebenfalls wunderbar, aber machen auch deutlich, dass die Geschichten und Gedanken überwiegend düster sind. Verlassen sein, Einsamkeit, Hoffnung, Sehnsucht und Verzweiflung geben sich ein Stelldichein. Durch die Kürze der Poesiegeschichten und lyrischen Texte wird der Leser mit Wucht mit einem Gedanken / einer Situation konfrontiert und gleichzeitig in die Szene hineingesaugt, woraufhin er sich unweigerlich seine Gedanken macht. Ihre Gedanken stoßen unzweifelhaft die eigenen an. Chapeau!

Bisher haben mich Paola Baldins Bücher nicht nur wegen der Geschichten und ihres Stils, sondern auch durch ihr Layout begeistert und auch „Fremde Heimat“ macht da keine Ausnahme. Ein wundervoll stimmiges Cover macht da nur den Anfang, denn Paola arbeitet mit ganzseitigen Fotos, die mitunter herrlich surreal wirken. Durch die zu den Rändern hin dunkelgrau auslaufenden Seiten, ergibt sich ein dunkelgrauer Buchschnitt, was ich als sehr gelungen betrachte. Auch der Buchsatz an sich ist schön gewählt, und man fliegt ungehindert durch ihre Zeilen.

Erhältlich ist „Fremde Heimat“ ausschließlich als Taschenbuch bei Paola Baldin persönlich und auch ein eBook sucht ihr vergeblich, was der schönen Präsentation meines Erachtens auch entgegenstehen würde.

Genau wie die vorangegangenen Bücher kann ich „Fremde Heimat“ nur empfehlen, denn Paola Baldin ist eine hervorragende Selfpublisherin mit einem ganz eigenen Stil. Und genau darauf kommt es mir persönlich bei Selfpublishern an. Wenn ich glattgebügelten Mainstream lesen will (was ich auch manchmal sehr gern mache), greife ich zu den Bestsellerlisten; aber wenn ich Individualität, die nicht ihrer Ecken, Kanten und persönlichen Note beraubt wurde, lesen möchte, bin ich in dem Selfpublisher-Universum gut aufgehoben und habe dort, auch unter anderem dank Paola Baldin, eine Heimat gefunden.

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Ilona Arfaoui – Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis

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KurzmeinungIch betrachte das Buch als ein wunderbar inszeniertes Puzzlespiel und denke, dass „episch im Quadrat“ dem Buch halbwegs zur Ehre gereicht.Episch im Quadrat

Nachdem ich Ilona Arfaouis Roman „Der König der Schatten“ gelesen hatte, war klar, dass ich auch „Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis“ lesen muss. Was ich offensichtlich getan habe, denn nun möchte ich euch an meinen Gedanken zu dem Buch teilhaben lassen. Und wie immer gilt: das ist meine rein subjektive Meinung. 

Zuerst: dicke Bücher schüchtern mich ein. Aber sowas von. Aber auch wenn ich aufgrund meines individuellen Leseverhaltens gute drei Monate für den Hexenmeister benötigt habe, war es jede Minute wert! Ich hatte „Der König der Schatten“ bereits als episch bezeichnet, aber was soll ich denn dann zu „Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis“ sagen? Ich denke, dass „episch im Quadrat“ dem Buch halbwegs zur Ehre gereicht.

Ilona Arfaoui schickt den Leser durch die Jahrhunderte, zieht ihn in die Vergangenheit und wieder zurück und eröffnet ihm Dimensionen, die er niemals kennenlernen möchte. Das „Draußen“, in dem sich die „gefallenen“ Magier nach ihrem Tod wiederfinden, ist ein beklemmender, erschreckender Ort, dessen Hoffnungslosigkeit spürbar ist.
Vielleicht ist es mit der christlichen „Hölle“ vergleichbar, auch wenn Draußen die Möglichkeit besteht, dass die Magier, wenn sie genug Macht erlangt haben oder ihnen dieses Geschenk zuteilwird, einen neuen menschlichen Körper erhalten und zurück auf die Erde dürfen. Doch ich habe mir oft gedacht: Wer will das schon? Die jahrhundertealte Schuld, der Hass, die Intrigen werden niemals auf null gesetzt, sondern früher oder später wird jeder wiedergekehrte Magier sich seiner Vorleben bewusst und auch die Familienbande bleiben (überwiegend) dieselben. In der Familie der Duncans ist das kein Geschenk, das kann ich euch verraten. 

Was bei „Der König der Schatten“ eher angedeutet wurde, entfaltet sich beim Hexenmeister zu dem zentralen Thema. Die Familienbande, Intrigen, der Hass, die Schuld und die Verzweiflung. Geheimnisse, die jeder aus Angst für sich selbst bewahrt und die die Seele vergiften. Hass, der so groß und tief ist, obwohl er einer aufrichtigen Liebe entspringt und scheinbar nie wieder umgekehrt werden kann. 

Ich betrachte das Buch als ein wunderbar inszeniertes Puzzlespiel.
Besonders gelungen ist die Art und Weise, wie der Leser verschiedene (dramatische) Situationen in den verschiedenen Leben der Protagonisten immer wieder aus anderen Perspektiven erlebt und sich ganz langsam ein Bild ergibt, mit dem man nicht gerechnet hatte. Ein schönes Beispiel ist Guy Macenays (alias Cahal aus „Der König der Schatten“) Zeit im Kerker. Die Szene aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und zu sehen, welche Emotionen, Gefühle und Gedanken den jeweiligen Protagonisten umtreiben, war für mich sehr intensiv! Die (meisten) Magier im Orden haben tonnenweise Schuld auf sich geladen und doch ist die Sicht- und Erzählweise entscheidend, ob man mit Guy mitfühlt oder ihn ins Niemandsland wünscht (und beides werdet ihr gegen euren Willen tun!) und genau darin liegt eine der besonderen Stärken des Buchs!
Ich persönlich sehe mich und meine Ansicht bestätigt, dass nicht nur eine einzelne, allgemeingültige Wahrheit im Leben existiert, sondern jeder spezielle Gründe für sein Handeln hat, die ihn zu bestimmten Taten treiben; unabhängig davon, ob diese Gründe redlich sind oder andere diese Gründe nachvollziehen können. 

Grandios ist es Ilona Arfaoui gelungen, auch historische Personen und Ereignisse in ihr Buch aufzunehmen und mit ihrer Fiktion zu vereinen. In Gilles de Rais hat Ilona eine perfekte historische Figur gefunden, denn die widerwärtigen Taten loten die Abgründe der menschlichen Seele extrem aus und sind wirklich nicht leicht verdaulich. Tja, und dann ist dieser Gilles de Rais dazu verdammt, immer und immer wieder und unendlich mit dem Wissen seiner Taten zu existieren, was in meinen Augen eine akzeptable Strafe darstellen würde, wäre er nicht so ein unangenehmer Zeitgenosse für seine Umgebung. 

Wundervoll fand ich auch den Teil, in dem Lawrence Duncan seinem Sohn über die Geschehnisse berichtet, die wir in „Der König der Schatten“ en detail erleben durften, denn es entstanden sofort die Bilder im Kopf, die ich beim Lesen des Buches hatte. Das war wirklich gelungen und ich wunder mich nicht, dass Ilona gerade diesen Teil genommen hat, um ihn ausführlich zu erzählen. Durch „Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis“ werden auch hier Geschehnisse vertieft und die Beweggründe der einzelnen Personen deutlich. 

Ilonas Stil ist toll und ich bin jeden Abend tief in den Welten und der Geschichte versunken. Sie schreibt großartig und findet immer die richtigen Worte, um dich zu schockieren oder zum Staunen oder gar zum Lachen zu bringen. Bereits der Anfang des Buches, in dem wir den Duncans auf „Terra Finis“ (in den Jahren 1917 bis 1923) begegnen, ist so intensiv und düster, dass er perfekt auf den Rest des Buches einstimmt.  

Ich gebe aber auch zu, dass ich an manchen Stellen teilweise den Faden verloren habe, wenn sich mir nicht auf den ersten Blick zum Beispiel die Zeit erschlossen hatte, in der sich der Geschichte fortsetzte. Ab und an springt man von einem Satz auf den anderen zwischen dem Draußen und der realen Welt und in den Zeiten und das war für mich mitunter herausfordernd. Auch die verschiedenen Namen der Personen, und besonders, wenn nur deren „politischen“ Bezeichnungen benutzt wurden, verwirrten mich. Dank Ilona finden wir aber ein Glossar im Anhang, in dem ich immer wieder geblättert habe, um mich schnell wieder in die Spur zu bringen. Aber das sind (aus meiner Sicht) die einzigen Makel, den ich in diesem epischen Werk finden konnte und das darf man getrost als „Jammern auf hohem Niveau“ verbuchen und ist sicher meinen sonstigen Lesegewohnheiten oder auch kognitiven Fähigkeiten geschuldet. 

Wie auch in „Der König der Schatten“ liegt mit „Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis“ ein „Phantastischer Roman“ vor, der aber nicht in die Klischeefalle der typischen Fantasyliteratur tappt und in dem es wieder keine Drachen, Einhörner und funkensprühende Zauberstäbe gibt. Nimmt man sich bestimmte Aspekte der Geschichte und beschäftigt sich mit ihnen, ist es vielmehr eine Allegorie auf das Leben und menschliches Verhalten. Ganz großes Kino, meine Freunde!

Ich bin mehr als glücklich, dass Ilona Arfaoui im Moment an einem neuen Roman schreibt, der die Geschichte fortführen wird und ich weiß, dass ich ihn mir definitiv holen werde, denn die Geschichten von Ilona sind anders und besonders. 

Fazit: Ein großartiges Epos, welches uns durch Zeit und Raum katapultiert. 

https://www.lovelybooks.de/autor/Ilona-Sonja-Arfaoui/Der-Hexenmeister-die-Macht-und-die-Finsternis-1283449285-w/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Ilona Arfaoui – Der König der Schatten

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Kurzmeinung: Eine toller Fantasyroman, der fesselt und überrascht!

Ein phantastischer Roman vom Feinsten!

Über eine tolle Buchgruppe bin ich auf die Autorin Ilona Arfaoui aufmerksam geworden und habe mir ihren Roman „Der König der Schatten“ gekauft. Eigentlich ist Fantasy per se nicht so mein Genre, aber den eigenen Horizont zu erweitern kann ja nicht schaden, oder? Und wo wir grad bei Geständnissen sind: Bücher mit über 500 Seiten machen mir Angst, sind doch oftmals in so langen Geschichten Hänger zu erwarten und ich brauche gefühlt eine Ewigkeit, um sie zu lesen.
Doch die Belohnung für meinen „Mut“ folgte auf dem Fuße: „Der König der Schatten“ ist ein absolut großartiges Buch mit einer fesselnden Geschichte. Ihr müsst also gar nicht mutig sein, um das Buch zu genießen, sondern lediglich Lust auf eine hervorragende Geschichte haben!

Die Geschichte spielt hauptsächlich zwischen 870 und 911 in Irland, lässt uns aber auch einen Blick in die Gegenwart werfen.
Das Setting lässt, wenn man das Buch nicht kennt, darauf schließen, dass sich Ilona Arfaoui sehr um eine adäquate Sprache bemühen musste, um der Zeit gerecht zu werden, aber der Kniff, den sie benutzt, ist einfach und wirkungsvoll (und ich spoiler ihn nur, weil er für meinen Lesegenuss essentiell war!). 
Bei der Geschichte handelt es sich um eine Übersetzung einer Chronik im mittelirischen Dialekt aus der genannten Zeit, die von einem jungen Burschen, der übrigens auf den wundervollen Namen Ian hört, angefertigt wurde und einem gewissen Professor Sir Lawrence Duncan übergeben wird, der feststellt, „dass der forsche Ian allerdings eine äußerst moderne Version zustande gebracht hatte“. Und so rauscht man anstatt durch verstaubte Worte durch die lebendig, mitunter flapsig, erzählten Ereignisse der neun Erwählten und deren Familien, der Dunklen Herrscher, des Königs und vieler anderer und Ilona hat eine großartige Mischung zwischen Lockerheit und Anspruch gefunden!

Die Chronik wurde von einem der neun „Erwählten“, nämlich Finian, in seinem „Exil“ aufgeschrieben und beschreibt genauestens die Ereignisse, die letztendlich dafür sorgen, dass ein ganzes Königreich untergeht.
Er berichtet uns von den Geschehnissen und wir tauchen immer wieder tief in die Geschichte ein.
Hätte Ilona vorgehabt, alle Ereignisse, die wir erleben dürfen, en detail dazustellen, hätte sie mindestens fünf oder sechs Bände einer Saga veröffentlichen müssen, die sicher alle den Umfang von „Der König der Schatten“ haben würden. 

Ohne zu viel von der Geschichte zu verraten (die solltet ihr eindeutig selber genießen), kann ich sagen, dass sie hauptsächlich von dem Sohn des Königs BrianCahal, handelt; sie handelt aber auch von Freundschaft und Liebe, Verrat und Tod; Sex and Violence; Schicksal; Sehnsucht; vergebenen Gelegenheiten; Schuld;  der Befreiung von den Dunklen Herrschern, die die Bevölkerung zu schrecklichen Opfern nötigen und neben der realen Welt auch über das „Schwarze Land“ herrschen; von der Liebe zu den falschen Menschen und von falschen Entscheidungen und den desaströsen Konsequenzen, die daraus entstehen. 

Sind es viele „kleine“ Ereignisse, derer wir Zeugen werden, ist das Ergebnis durchaus als episch zu bezeichnen, denn wir erleben nicht weniger als den Lebensweg Cahals vom Sohn des Königs zum Erwählten und König und schließlich den Untergang seines Königreiches durch Verrat. Natürlich ist das jetzt von mir sehr kurz gegriffen, da es bei weitem nicht alles ist, dessen Zeugen wir werden, aber ich will hier nicht zu viel von der Story spoilern. Lest es einfach selbst! 

Als wären die Ereignisse an sich nicht unterhaltsam und spannend genug, versteht es die Autorin hervorragend, immer wieder mit einzelnen Sätzen künftige Ereignisse anzudeuten, die sie erst nach dem einen oder anderen Schlenker erzählt und somit für eine Extraportion Spannung sorgt. Ich zumindest hab an vielen Stellen Schnappatmung bekommen (und gerne auch geflucht und spekuliert) und konnte einfach nicht aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wer und warum … 

Was man zu Anfang für eine „Rahmenhandlung“ hält, wird in der Mitte des Buches herrlich gedreht und ist am Ende der Twist schlechthin! Ich liebe solche Enden!
Ilona empfahl mir, mit „Der König der Schatten“ zu beginnen und dann erst „Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis“ zu lesen und diese Empfehlung (auch wenn „Der Hexenmeister …“ erst noch von mir gelesen werden muss) gebe ich hiermit an euch weiter. Nach dem Genuss (und das war es) vom „König der Schatten“ erscheinen auch die Leseproben vom „Hexenmeister …“ in einem ganz anderen Licht und ihr ahnt schon, welches Buch demnächst bei mir einziehen wird. 

Ilona Arfaouis Schreibstil ist großartig, unterhaltsam und frei von jeglichem Makel und darüber hinaus besitzt sie eine persönliche Note, was ich ganz besonders zu schätzen weiß.
Durch die bereits erwähnte lebendige Sprache wird man in den Lauf der Geschichte hineingezogen und hat sehr schnell ein Bild der Räume und Personen vor sich. Sie erzählt äußerst humorvoll (wo pinkelt schon ein Prinz in einen Bierkrug, um ihn jemandem zu kredenzen?), aber wir versinken durch ihre Worte genauso in der Verzweiflung, dem Zweifel, der LiebeSie findet für jedes Ereignis schlicht und ergreifend den richtigen Ton.

Auf effektheischenden Hokuspokus, wie er in manchen Fantasyromanen durchaus üblich ist (und den ich wohl überwiegend mit dem Genre verbinde … ihr wisst schon … Zauberstab, Elfen, Einhörner, Bling-Bling-Hexereien und so), verzichtet sie, denn auch wenn Magie eine große Rolle spielt, wird sie so selbstverständlich eingesetzt, wie das Schwert zu schleifen oder Bier zu trinken. Bei „Der König der Schatten“ steht nicht die Magie, sondern tatsächlich der Mensch, seine Entwicklung und die Konsequenzen des eigenen Handelns im Mittelpunkt, was wiederum dafür sorgt, dass man gerne die menschliche Natur an sich hinterfragt.
Natürlich gibt es das Schwarze Land und das Niemandsland und die Anderswelten, magische Amulette und Geschöpfe, Beschwörungen und Telepathie, aber dennoch wirkt die Geschichte sehr realistisch, bodenständig und erwachsen (nicht nur wegen der pikanten Szenen) auf mich.
Schmusige Einhorn-Fans kommen somit nicht wirklich auf ihre Kosten, sofern die Erwähnung eines geschnitzten Einhorns sie nicht in Ekstase versetzt und Drachen-Fans gehen dagegen leider komplett leer aus.

Was mich als Selfpublisher natürlich immer interessiert, ist, wie das Buch als solches umgesetzt wurde und da möchte ich meinen Hut ziehen. Der Buchsatz ist optimal gestaltet, mich sind nur extrem wenige Tippfehler (die passieren einfach) aufgefallen und als Bonbon hat Ilona Arfaoui auch den Buchumschlag selbst gestaltet und vor allem gezeichnet! 

Dank eines kleinen Glossars über die Welten und der Beschreibung der wichtigsten Personen, kann man jederzeit, sollte man mal den Überblick verlieren, nachschlagen und alles in allem darf ich sagen, dass das Buch handwerklich absolut einwandfrei ist. 

Ilona Arfaoui hat mit „Der König der Schatten“ all das geschafft, was ich mir von einem Selfpublisher wünsche: Eine spannende, packende Geschichte in einer großartigen Umsetzung und sie hat den Beweis erbracht, dass sich einige Selfpublisher in keiner Weise hinter Verlagsautoren verstecken müssen.
Absolute Empfehlung meinerseits!

https://www.lovelybooks.de/autor/Ilona-Sonja-Arfaoui/Der-K%C3%B6nig-der-Schatten-1986179940-w/rezension/2428281822/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Alexander Wolf – Sinnbild / Fortsetzung

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Kurzmeinung: Ein Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche …

Abgründe der menschlichen Seele

Eigentlich wollte ich eines Abends nur mal kurz in das Buch „Sinnbild (Fortsetzung)“ reinlesen, aber Alexander Wolf hatte mich bereits nach den ersten Seiten einfach in einen Schwitzkasten genommen, aus dem ich mich nicht befreien konnte. 

Der Vorgänger hatte mich bereits überzeugt, aber mit der Fortsetzung legt Alexander Wolf noch eine Schippe drauf. Ich will versuchen, nicht zu viel zu spoilern, aber was den Leser erwartet, ist nichts weniger als der verstörende Einblick in die Leben dreier Protagonisten.

Wir tauchen in (relativ) kurzen Kapiteln in das Seelenleben von Michael, Frank und Karl ein. Sie erzählen uns, ausgehend von drei vollkommen verschiedenen Ausgangssituationen, unter anderem von ihrer Kindheit, die gar nicht mal so unterschiedlich verlaufen ist. Es wäre billig, von einem kaputten Elternhaus als Entschuldigung für die Taten zu sprechen, derer wir Zeugen werden und das tut Alexander Wolf auch gar nicht. Er zeichnet einfach die Lebenswege nach und das macht er sehr packend. 

Wie viel von deinem Verhalten ist angeboren, wie viel ist die Reaktion auf eine Welt, die dich nicht versteht?

Die Gedanken, Selbstzweifel, Hilflosigkeit und die empfundenen Unzulänglichkeiten der Protagonisten entladen sich in Sex und Gewalt, wobei das nicht billig und plakativ, sondern auf krasse Weise verstörend und sehr real wirkt. Wir erleben nach und nach die Zwänge, die daraus resultierenden Handlungen und lernen die inneren Dämonen kennen, die die Protagonisten immer mehr in Besitz nehmen und die Abgründe offenbaren, die in der menschlichen Seele schlummern können.. 

Alexander Wolf schafft es erneut, ein kompromissloses, schonungsloses Buch zu schreiben, welches den Leser sicherlich über die Grenzen der individuellen Komfortzone hinauskatapultiert, da ich die Handlungen der Protagonisten teilweise schon als extrem (und dennoch auf eine erschreckende Weise als realistisch) empfinde. 

Bei dem Vorgänger stellte ich mir aufgrund der Geschehnisse in Michaels Leben viele Fragen; diesmal stellt er mich gefühlt vor vollendete Tatsachen, was dem „Genuss“ allerdings keinen Abbruch tut; eher das Gegenteil ist der Fall.

Allerdings werden die drei Handlungsstränge an einigen Stellen von Anmerkungen unterbrochen. Dieser Kniff des Autors ist extrem wirkungsvoll, da er die Handlungen stoppt und den Leser direkt mit den wichtigen Fragen des Lebens konfrontiert. 

Alexander Wolfs Art zu schreiben ist perfekt für diese Art der Geschichte: kurz, prägnant und hart. Daneben schafft er es allerdings, mit schönen Formulierungen die notwendige Tiefe zu kreieren, um dieses Buch nicht zu einer billigen Effekthascherei und inhaltsloser Extrem-Schreiberei werden lassen.

Das Buch ist sehr kurzweilig, weil man permanent und nachvollziehbar zwischen den Personen wechselt und Schicht für Schicht der Wahrheit näher kommt. Ab einem gewissen Punkt ahnte ich, wohin die Reise gehen wird, aber das Ende hat mich gelehrt, dass es doch nicht ganz so war, wie ich es mir ausgemalt hatte. Well done.

„Sinnbild (Fortsetzung)“ ist ein guter Grund, warum man einige Selfpublisher feiern sollte, denn ich glaube nicht, dass ein renommierter Verlag sich dieses Stoffes annehmen würde; und falls doch, bin ich sicher, dass der Inhalt verwässert werden würde. Allerdings ist es die ungeschönte In-your-face-Attitüde des Autors, die das Buch lesenswert macht.

https://www.lovelybooks.de/autor/Alexander-Wolf/SINNBILD-SINNBILD-Fortsetzung-2316699654-w/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Paola Baldin – Bionic Soul

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Kurzmeinung: Alles hat ein Ende, nur die Hoffnung nicht.


Ein tolles Buch!

Nachdem mich Paola Baldin mit „Die Blüten meiner Schuld“ unglaublich begeistern konnte, habe ich natürlich auch ihren ersten großen Roman gelesen: „Bionic Soul“.

Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll.
In mehreren Social Medial-Postings habe ich die Meinung vertreten, dass Paola mit „Bionic Soul“ ein Referenzwerk, nicht nur im Bereich des Selfpublishings, geschaffen hat.
Und jetzt nach der Lektüre … weiß ich, dass ich absolut Recht hatte.

Die Aufmachung ihres Buches ist atemberaubend. Es sind nicht nur die liebevoll gestalteten Zeichnungen vor und in den Kapiteln, es ist das gesamte Layout des Buches, welches mich zutiefst beeindruckt, weil es von dem Herzblut zeugt, welches Paola in ihre Veröffentlichung gesteckt hat. Der Buchsatz ist grandios (ich weiß, wie schwierig es ist, es genau so hinzubekommen, wie man es will!) und Details wie verschiedene, den Anlässen entsprechende, Schriftarten sind dann noch die Kirsche auf der Sahne, meine Freunde.

Paola Baldin schreibt auf einen hohen Niveau und fernab von den typischen „Wie-schreibe-ich-einen-Roman“-Mainstream-Workshops, denn was man dort niemand beibringen wird, ist die Individualität, die sie erneut an den Tag legt. Und ja, ich bin ein Fan ihres Stils, der verspielt, blumig, unterhaltsam und tief ist … nur falls das noch nicht klargeworden sein sollte, auch wenn manche Formulierungen mir anfangs etwas quer von den Augen gelegen haben. Aber ganz ehrlich? Nach einigen Seiten ist das aber kein störender Faktor mehr, denn es ist ein Stil. Paolas (gerade eben erwähnter) vollkommen eigenständiger Stil. Und wer bin ich, einen individuellen Stil ernsthaft zu kritisieren? Eben! Und ein individueller Stil ist mir tausendmal lieber, als Romane aus der glattgebügelten Massenproduktion. 

Warum diese Kleinigkeit nicht mehr stört, wenn man sich eingelesen hat, hat einen guten Grund: Sie schreibt diese komplexe Geschichte so unglaublich gut, fesselnd, packend, dass man ihre Sätze einfach in sich aufsaugt. Ich habe die 366 Seiten regelrecht verschlungen und konnte es morgens kaum erwarten, mich abends wieder in die Golden City und die Leben von Dimitry, Stephanie und Polar zu schleichen. 

Zur Geschichte selbst … hach ja, diese verdammte Spoilergefahr …
Okay, die Geschichte ist einfach großartig. Obwohl die Rahmenbedingungen in der Welt nach den Dritten Weltkrieg mehr als schlecht sind, fühlt der Leser sich bei den Protagonisten und in der Golden City einfach wohl, geborgen und es ist eine wunderschöne Geschichte von Hoffnung, Menschlichkeit, Freundschaft und Opferbereitschaft.

Dass Paola Herzenswärme beim Leser entstehen lassen kann, ist seit „Die Blüten meiner Schuld“ bekannt, aber hier setzt sie, beinahe schon perfekt getimt, die richtigen Akzente und lässt dich an einer irren Verfolgungsjagd teilnehmen, Geheimnisse und die Schönheiten des Lebens inmitten einer zerstörten Welt entdecken, in ein Feuergefecht geraten und ein Mal weckt sie den Wunsch, mit den ausgelassenen Rebellen auf der Theke zu tanzen.
An zwei Stellen des Buches läuft man allerdings auch kurz Gefahr, die Autorin lauthals zu verfluchen … aber beruhigt euch; es hat alles einen tieferen Sinn.

Der Verlauf der Geschichte ist so flüssig und beinahe selbstverständlich, dass man sich dem Sog einfach nicht entziehen kann (wobei ich nicht wüsste, warum man das überhaupt versuchen sollte). Jedes Kapitel treibt die Geschichte voran, es gibt keinen Leerlauf, keine Langeweile und sie erschafft „ganz nebenbei“ eine so detaillierte Welt und Charaktere, dass man sich mühelos darin zurechtfindet. Keine Sequenz, so unterschiedlich das Setting auch sein mag, offenbart eine erzählerische Schwäche der Autorin und das finde ich absolut beachtlich! 

Mein Fazit
„Bionic Soul“ ist eine abenteuerliche Dystopie mit einen unheimlich hohen Unterhaltungswert, die allerdings so viel mehr sein kann, wenn man die Botschaften in die tieferen Ebenen des Verstandes und der Seele sinken lässt. 

Mich soll die Zaubersche holen, wenn dieses Buch nicht in verdammt vielen End-of-Year-Listen der Bloggerinnen und Blogger, aber auch von „normalen“ Lesern, als Lesehighlight des Jahres auftauchen sollte. 

https://www.lovelybooks.de/autor/Paola-Baldin/Bionic-Soul-2317422104-w/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Paola Baldin – Die Blüten meiner Schuld

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Kurzmeinung: Das Buch ist meilenweit vom Mainstream entfernt und ein absolutes Lese-Muss. Großartig!

Nichts ist, wie es scheint

Ich schreibe nicht häufig Rezensionen zu Büchern, aber wenn mich ein Buch so unglaublich begeistert, wie es „Die Blüten meiner Schuld“ getan hat, kann ich nicht an mich halten.

Über eine Rezension bin ich auf „Die Blüten meiner Schuld“ von Paola Baldin aufmerksam geworden und habe blind zugeschlagen. Und was habe ich nun davon? Augenringe! Weil ich einfach nicht zu lesen aufhören konnte (und das will bei mir was heißen)!

In den 1950er bis 1970er Jahren war es eine Marketingmasche, dass Kinobesucher eine Schweigepflichterklärung unterschreiben mussten, in der sie sich verpflichteten, ihren Freunden nichts über das Ende bzw. den Verlauf des Filmes zu verraten. Suspense. Eine solche Verpflichtung unterschreibe ich auch hier, denn es wäre ein Sakrileg, zu viel zu verraten. 

„Die Blüten meiner Schuld“ beginnt als unglaublich romantische Liebesgeschichte. (Und jetzt alle so: Örks! – Aber ihr irrt euch gewaltig!) 

Aiden und seine Elise sind das ultimative Bilderbuchpärchen. Aiden, der trübsinnige, am Leben leidende, junge Mann trifft auf Elise, die ihn mit ihrer Lebensfreude aus dem Trübsinn herausholt und gemeinsam blühen sie auf und die ersten Kapitel beschreiben ihr Leben, welches an Herzlichkeit und Liebe, Verstehen und Vertrauen, kaum zu überbieten ist. Sie lehrt ihn, das Leben mit anderen Augen zu sehen und zu lieben. Klingt schnulzig? Ist es eindeutig nicht. Es ist wunderschön geschrieben und man versinkt in der Romanze; man lächelt, man lacht, man fühlt sich gut und nicht selten wird den Leser eine Art Herzenswärme durchfluten. Dieser Teil gleicht der Fahrt auf dem Riesenrad mit Zuckerwatte in der Hand: sanft und aufregend zugleich.
Ich habe das Buch heute Morgen meiner Frau empfohlen und sie fragte: „Das ist doch aber keine Liebesschnulze, oder?“ Doch, auf jeden und gleichzeitig auf keinen Fall. Ihr seid verwirrt? Gut so!

Aber der Titel und das Vorwort lassen beständig einen Schatten in eurem Hinterkopf herumspuken. Im weiteren Verlauf der Geschichte wächst dieser Schatten, aber nicht, wie ihr es euch jetzt vorstellt. Nichts ist, wie ihr es euch vorstellt, denn Paola Baldin versteht es meisterhaft, den Leser in die Irre zu führen und beinahe verrückt zu machen; natürlich im positivsten aller Sinne!

Nur noch so viel: Dieses Buch steckt voller Liebe und Romantik, aber es ist keiner dieser unsäglichen Liebesromane mit Bad Boys und schwer verliebten und gleichzeitig unnahbaren Frauen. Ich liebe die Charaktere und vor allem Aiden und Elise sind so natürlich gezeichnet, dass man nach wenigen Sätzen glaubt, sie zu kennen. Oder wenn die Schizophrenie etwas ausgeprägter ist: sie zu sein oder sein zu wollen (wenigstens bis zu einem gewissen Punkt). Aber auch die Nebenfiguren sind toll gezeichnet und fügen sich perfekt in dieses Kammerspiel ein.

Die Geschichte ist phantastisch realistisch. Echt. Und kein Liebesroman (falls ich es noch nicht zur Genüge erwähnt haben sollte …). Im Verlauf des Romans offenbart sich Schicht für Schicht die Wahrheit und auf diesem Weg sitzt ihr nicht mehr gemütlich in dem Riesenrad und lasst die Beine baumeln, sondern in einer emotionalen Achterbahn ohne Sicherheitsbügel und krallt euch im Sitz fest. Viel Spaß auf dem Ritt!

Was mich neben der Story noch unglaublich begeistert hat, ist der Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Paola Baldin hat einen sehr individuellen, blumigen, verspielten und dennoch (und das ist wichtig!) vollkommen unkitschigen Stil, der den Ereignissen eine ungeheure Tiefe schenkt, die ich so in letzter Zeit selten erleben durfte. Sie setzt die richtigen Metaphern ein, die den empfänglichen Leser mitten in die Seele treffen, ihn berühren und ihn spüren lassen, dass in dieses Buch unglaublich viel Herzblut geflossen ist. Sie verzaubert, sie lässt dich zusammenzucken, sie fordert den Leser. Ab und an verteilt sie auch eine schallende Backpfeife und der arme Leser, der zu wissen glaubte, wohin die Reise geht, darf sich vollkommen neu orientieren. Das Buch ist meilenweit vom Mainstream entfernt und ein absolutes Lese-Muss. Großartig!

Es ist einfach wunderschön und erhebend für mich gewesen, ein Buch zu verschlingen (das hatte mit „Lesen“ nichts mehr zu tun!), das durch die Worte eine Tiefe und Kraft besitzt, die mich so dermaßen mitgerissen hat. In meinem Kopfkino hatte ich durch die bildliche Sprache und die Art der Geschichte das Vergnügen, einen von Alfred Hitchcock verfilmten Roman von Franz Kafka zu sehen.                                

In diesem Sinne: Kaufen! Lesen! Weitererzählen!

https://www.lovelybooks.de/autor/Paola-Baldin/Die-Bl%C3%BCten-meiner-Schuld-2037398896-w/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]

Miriam Schäfer – Das Fehlen des Flüsterns im Wind

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Acabus Verlag

Kurzmeinung: Ein wunderbares Kleinod, eine Hommage an die Sprache und durchgehend unterhaltsam, inspirierend und geistig anregend zugleich.

Ein Genuss

Die Kunst bei einer Kurzgeschichte ist, dass der Autor dich aus deiner Realität herausreißt, in einer Situation absetzt und du dich trotz aller Kürze sofort zurechtfindest. Diese Kunst beherrscht Miriam Schäfer mit beeindruckender Eleganz.

Ich liebe Kurzgeschichten und die von Miriam haben es mir besonders angetan, denn sie erschafft in den ersten Sätzen der 21 Kurzgeschichten jeweils eine Welt, in die ich sofort eintauche, und sie entwickelt dabei einen Sog, der mich in die Geschichte zieht. In beinahe jeder Geschichte zieht mich der Sog aber noch viel weiter, nämlich unter die Oberfläche und auch wenn die Geschichte beendet ist, klingt sie nach und es dauert, bis ich wieder an die Oberfläche treibe und mich der nächsten Story widmen möchte.

Es wäre vermessen, ein Wunder und unglaubwürdig zu sagen, dass jede der 21 Geschichten mich gleichermaßen in seinen Bann gezogen hat, aber keine hat mein inneres Bewertungssystem schlechter als „gut“ zensiert. Das dürften allerdings die wenigsten sein, denn die meisten habe ich unter „herausragend“ abgespeichert.

Neben den Themen und Grundgedanken, die manchmal offensichtlich und manchmal im Nebel verborgen bleiben und sich mir nicht erschließen, – aber auf die sich jeder Leser ohnehin einen Reim machen kann, wie er lustig ist – ist es die Art und Weise, wie Miriam Worte benutzt. Ihr dürft die 184 Seiten gerne durchsuchen, ihr werdet kein einziges überflüssiges Wort finden; dafür entdeckt ihr Sätze jenseits der üblichen Unterhaltungsliteratur, die geschliffen und scharf sind und sich in die literarischen Zentren eures Verstandes und eurer Seele schneiden.
Das Sprachniveau ist beeindruckend und für mich ist es ein Genuss gewesen (und wird es immer wieder sein), solch eine ausgefeilte Sprache neueren Entstehungsdatums lesen zu dürfen.

Meine persönlichen Lieblingsgeschichten sind u.a. „Lichtbringer“, „Der Wunsch“, „Purpurnacht“, „Der Puppenspieler“, „Die Legende vom Halben Halbach“ und „Das Fehlen des Flüsterns im Wind“. Allerdings ist das nicht in Stein gemeißelt, denn genossen habe ich jede einzelne Story.

Für mich ist diese Sammlung von Kurzgeschichten – die in einem Zeitraum von 2011 bis 2017 entstanden sind und ein breites Feld an Themen abdecken –, ein wunderbares Kleinod, eine Hommage an die Sprache und durchgehend unterhaltsam, inspirierend  und geistig anregend zugleich.

https://www.lovelybooks.de/autor/Miriam-Sch%C3%A4fer/Das-Fehlen-des-Fl%C3%BCsterns-im-Wind-und-andere-phantastische-Kurzgeschichten-aus-dem-Halbdunkel-1521883212-w/

[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]