17.05.2020 – Marius Tahira

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Buchkritik: Zombie Zone Germany: Der Beginn

In Deutschland wütet eine Epidemie: Die Grenzen sind dicht, Auslandsreisen verboten. Während Regierung und Medien noch verharmlosend von Einzelfällen sprechen, wächst die Zahl der Infizierten ständig! Diese Zeilen beschreiben nicht die aktuelle Corona-Krise, sondern das Setting der neusten Anthologie aus der Reihe „Zombie Zone Germany“ des Amrûn Verlags. Das Interessante dabei: Die Geschichten entstanden, lange bevor die ersten Corona-Fälle in Deutschland auftraten. Doch angesichts ihrer Themen wirken einige der enthaltenen Kurzgeschichten inzwischen geradezu prophetisch.

In Deutschland breitet sich eine Zombie-Epidemie aus und sowohl die Regierung als auch die europäischen Nachbarstaaten geben die BRD auf. Auslandsreisen werden verboten, die Grenzen militärisch bewacht. Das ist die Prämisse der „Zombie Zone Germany“ – jener Buchreihe, die der Amrûn Verlag 2015 mit der Anthologie „Zombie Zone Germany: Die Anthologie“ ins unheilige Leben rief und die inzwischen mehrere Romane und Novellen umfasst. Im Frühjahr 2020 wollte der Verlag zu den Wurzeln dieser Reihe zurückkehren. Es sollte erneut eine Anthologie erscheinen – und zwar unter dem Titel „Der Beginn“. Geplant war, die Anthologie Mitte März auf der Leipziger Buchmesse zu präsentieren. Es hätte ein großes Ereignis für den Kleinverlag sein können – und ebenso für mich, der extra schon Hotel und Bahnreise gebucht hatte, um auf der Buchmesse live dabei sein zu können.

Doch es kam anders: Corona führte dazu, dass die Leipziger Buchmesse wie zahlreiche andere Großevents abgesagt werden musste. Das Buch über eine fiktive Epidemie musste aufgrund einer echten Pandemie ohne Messeauftritt veröffentlicht werden. Und das ist schade, denn diese Veröffentlichung hätte meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die Zombie Zone ist überraschend aktuell

Wer schon einige Artikel dieses Blogs gelesen hat, dürfte wissen, dass mich im Horrorbereich vor allem fasziniert, wie das Genre gesellschaftliche Ängste aufgreift. Und die von Claudia Rapp herausgegebene Anthologie ist in dieser Hinsicht doppelt interessant, denn die Wirklichkeit hat die Schreckensvisionen in den Zombiegeschichten längst eingeholt. Natürlich wandern in Deutschland keine Zombies herum. Doch viele Aspekte, die in den Kurzgeschichten behandelt werden, gewinnen durch Corona auch in der realen Welt an Bedeutung. In mehreren Stories fühlen sich Prepper und Weltuntergangs-Propheten, die seit Monaten Vorräte anlegen, durch die Zombie-Epidemie bestätigt. In Oliver Bayers herausragender Kurzgeschichte „Take Off Plan“ gibt es Überlegungen, ob man nicht wieder Konzerte und Bundesliga-Spiele stattfinden lassen sollte, um Deutschland dadurch ein Stück Normalität zurückzugeben. Und in „Himmel und Hölle“ fasst Stefan Schweikert die Spekulationen zur Epidemie folgendermaßen zusammen:

Gerüchte und Theorien verbreiteten sich wie die Zombies selbst. Ein unbekanntes Virus? Chemische oder biologische Kampfstoffe? Gentechnische Experimente? Die CIA, der IS, die USA, China, Russland, Aliens, Götter, Hohlweltler, das internationale Kapital oder habgierige Konzerne?

Viele Autoren beschreiben mit feinem Gespür Ängste und Sorgen der Menschen, die genau jetzt angesichts einer tatsächlichen Seuche überall sichtbar werden. Insofern sind nicht nur die Geschichten an sich faszinierend, sondern auch die Parallelen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Meine Bewertung von „Zombie Zone Germany: Der Beginn

Doch interessanter als die Veröffentlichungshintergründe von „Zombie Zone Germany: Der Beginn” dürfte für Horrorfans vor allem eine Frage sein: Überzeugen die Kurzgeschichten selbst durch Inhalt und Sprache?

Zunächst einmal möchte ich die ungeheure Vielfalt der unterschiedlichen Kurzgeschichten hervorheben: Neben actionreichen Überlebensgeschichten jugendlicher Protagonisten findet man satirisch überspitzte Erzählungen desillusionierter Misanthropen sowie anrührende Geschichten normaler Durchschnittsmenschen, die angesichts der schrecklichen Ereignisse entweder über sich hinauswachsen oder sich resignierend ihrem Schicksal ergeben.

Das ist sowohl Stärke als auch Schwäche der Anthologie: Wer gerne erfahren möchte, mit welch unterschiedlicher Tonalität man Zombiegeschichten erzählen kann, der kommt an der neusten Veröffentlichung des Amrûn Verlags kaum vorbei. Wer aber bestimmte Eigenheiten dieses Horror-Subgenres nicht mag, der wird innerhalb der Anthologie wahrscheinlich auch auf Geschichten stoßen, die ihm nicht zusagen. Das trifft aber auf zahlreiche Anthologien zu, die statt auf stilistische Einheitlichkeit Wert auf Vielfalt legen. Für mich selbst sind Anthologien daher vor allem Testwiese, auf der ich Geschichten bislang eher unbekannter Autoren kennenlernen kann. Die Autoren, die mich überzeugen, behalte ich weiter im Auge und kaufe dann gespannt ihre Folgeveröffentlichungen.

Für mich persönlich ein kleiner Wermutstropfen war die hohe Zahl abgeklärter Einzelgänger als Protagonisten, die alles mit bildreicher Vulgärsprache oder lakonischen Zynismus kommentierten. Das ist aber nicht den einzelnen Geschichten anzulasten, von denen einige wirklich gut geschrieben sind (mein Favorit in dieser Sparte ist Ian Cushings schon fast grotesk überspitzte Geschichte „Der Erlöser“). Nur in der Gesamtheit wirkte die Zombie Zone auf mich etwas überbevölkert mit zynischen und dauerfluchenden Menschenhassern. Aber wer weiß: Vielleicht wären es am Ende tatsächlich solche Leute, die die Zombie-Apokalypse überleben. Und viele andere Leser werden die Anthologie gerade für solche Geschichten lieben.

Meine persönlichen Highlights der Anthologie

Zombie Zone Germany: Der Beginn” enthält insgesamt 19 Kurzgeschichten. Folgende Auswahl meiner Lieblingsgeschichten ist natürlich von meinen persönlichen Vorlieben geprägt. Bei Zombiegeschichten interessieren mich vor allem jene, die den Fokus auf die sozialen und charakterlichen Veränderungen legen, die aus der ständigen Bedrohung resultieren. Wer vor allem auf abgefahrene Splattergeschichten mit hohem Killcount steht, der wird bei „Der Beginn” zwar ebenfalls fündig, dürfte aber ganz andere Highlights haben als ich.

  • Wodka und Die Dornenvögel: Monika Loerchers Protagonistin erzählt im von Galgenhumor geprägten Plauderton von den Vorbereitungen, aus ihrer Wohnung aufzubrechen. Sie möchte andere Überlebende finden. Die sachlichen Überlegungen darüber, auf welche zivilisatorischen Leistungen eine neue Gesellschaft verzichten müsste, sind dabei deprimierender, als jedes Zombiegemetzel es jemals sein könnte. Eine bittersüße Geschichte, in der es um Hoffnung und die Überlebenschancen in einer Welt voller Zombies geht.
  • Der Erlöser: Vorab – ich hab inzwischen eigentlich genug von Einzelgängern, die als schnoddrige Ich-Erzähler metaphernreiche Unverschämtheiten raushauen. Und auch Horrorkomödien sind eher selten mein Fall. Alle Vorzeichen sprachen also dafür, dass ich Ian Cushings „Der Erlöser” nicht mögen würde. Dass die Geschichte trotzdem in meiner Favoriten-Liste steht, lässt sich also nur auf das außerordentliche handwerkliche Können des Autors zurückführen. Ian Cushing erzählt grotesk überspitzt und humorvoll die Geschichte eines Mannes, der die Zombie-Apokalypse im Zimmer eines Mehrfamilienhauses erlebt. Dabei treibt der Autor diverse Horrorklischees auf die Spitze und stellt gleichzeitig das ausgelutschte Konzept der hübschen Maid in Nöten, die vom tapferen Recken gerettet wird, vollkommen auf den Kopf. Wenn ich ein Traumpärchen des Horrors küren müsste, dann fände ich es in dieser Kurzgeschichte.
  • Take Off Plan: Oliver Bayer erzählt eine nachdenkenswerte Geschichte über Moral und Verantwortung, in der sich eine Reporterin entscheiden muss, ob sie ihr eigenes Leben auf Kosten eines anderen Menschen rettet. Eine starke Story und in dieser Anthologie eine der Geschichten, die mich am meisten beeindruckt hat.
  • #zombizoned: Die Kurzgeschichte von K.T. Jurka ist knapp auf den Punkt formuliert und mit ordentlich Drive erzählt. Für die Handlung spielt die Kommunikation über Twitter eine zentrale Rolle. In „#zombizoned” tauschen sich regierungskritische Bürger via Twitter-Nachrichten über neue Infektionsherde und Zombieattacken aus. Egoismus und der Kampf zwischen innerer Aufgabe und Überlebenswillen sind zentrale Themen dieser Geschichte.
  • Seilschaft: Saskia Hehl erzählt die Geschichte eines Mannes, der während eines Kletterausflug den Beginn der Zombiekatastrophe zunächst verpasst. Als er schließlich davon erfährt, macht er sich auf den Weg, um einen befreundeten Bergsteiger zu retten. Die Geschichte ist straff und ohne unnötige Umschweife erzählt, die Autorin fängt die Gebirgslandschaft in manchmal fast schon poetischer Sprache gekonnt ein. Was mir besonders an dieser Geschichte gefallen hat, ist, dass der Hauptcharakter in seiner Normalität absolut glaubwürdig wirkt. Er ist weder wichtiger Entscheidungsträger noch zynischer Misanthrop, sondern einfach ein verantwortungsvoller Mann, der versucht, das aus seiner Sicht Richtige zu tun.
  • Himmel und Hölle: Die Geschichte von Stefan Schweikert handelt von einem männlichen Mitvierziger, der sich viele Ziele gesetzt hat und nur wenige davon erreicht. Inmitten der Zombie-Apokalypse stößt er auf die ebenso junge wie hübsche Silvia. Trotz des Titels ist „Himmel und Hölle” auf angenehme Weise geerdet. Die Geschichte macht schnell deutlich, dass man nicht ohne weiteres zum frauenumschwärmten Zombiekiller wird, sobald sich die ersten Untoten zeigen. Wer zuvor ein Weichei war, wird es auch während einer Zombie-Epidemie äußerst schwer haben.
  • Der König der Kaffeekannen: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf!“, das wussten schon die antiken Römer und das weiß auch Jürgen Höreth, der in seiner Kurzgeschichte den meiner Meinung nach unsympathischsten Antagonisten der gesamten Anthologie geschaffen hat. Die ganze Geschichte über habe ich auf sein schnelles Ableben gehofft. Solch hassenswerten Bösewicht zu schreiben, ist eine respektable Leistung.

So viel zu meinen persönlichen Highlights. Aber auch abseits der oben genannten Geschichten sind viele der Kurzgeschichten sehr solide. Wer es gern etwas temporeicher mag, der wird  wahrscheinlich Lisanne SurborgsPrepapocalypse” zu seinen Favoriten zählen. Matthias Ramtkes Ballon-Tragödie „Emma” hat mir ebenfalls gut gefallen. Aber natürlich gab es auch einige Geschichten mit Schwächen, auf die ich nachfolgend kurz eingehen werde.

Auch in der Zombie Zone gilt: Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Obwohl mir die meisten Geschichten in „Zombie Zone Germany: Der Beginn” gefallen haben, gab es doch einige, die ich nur mit Überwindung zu Ende lesen konnte. Bei einzelnen Geschichten mag das Geschmackssache sein: So gibt es sicherlich Leute, die sich darüber freuen, wenn das Feeling trashiger Zombiefilme seine literarische Entsprechung findet. Wenn Jugendliche aber miterleben, wie Verwandte, Freunde oder Bekannte zerrissen werden oder sich in Zombies verwandeln, und dann Augenblicke später bereits heiter darüber debattieren, mit wem sie gern ein sexuelles Abenteuer hätten, dann entlockt das mir nur noch ein genervtes Augenrollen. Insbesondere dann, wenn die Dialoge gleichzeitig stark nach „So stellen sich Erwachsene Jugendsprache vor” klingen. Und es gibt in einigen Geschichten manchen Dialog, in dem sich Protagonisten ausgiebig Dinge erzählen, die sie schon längst voneinander wissen müssten (was eine eher unelegante Art ist, dem Leser Infos zukommen zu lassen. In englischen Sprachraum nennt man diese Neigung von Autoren, ihre Figuren dauernd altbekannte Dinge wie Familienhintergründe, das eigene Alter usw. erzählen zu lassen, auch „As you know, Bob”-Syndrom).

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Erzählperspektive. So sind recht viele Geschichten aus der Ich-Perspektive geschrieben. Im Normalfall ermöglicht das keinerlei Distanz zur Hauptfigur: Der Erzähler ist der direkt Erlebende. Dementsprechend muss der Erzählton auch der Situation und der Gefühlslage der Hauptfigur entsprechen. Einzige Ausnahme ist das nachträglich niedergeschriebene Erlebnis (sei es als Brief, Tagebuch oder Roman). In Ian Cushings „Der Erlöser” wird beispielsweise schnell deutlich, dass der Erzähler die Geschichte nachträglich erzählt. Daher wirkt es auch nicht unglaubwürdig, wenn er selbst in extremen Gefahrensituationen das Geschehen ausführlich und bildreich beschreibt. Die Gefahr ist ja bereits vorüber und wird nachträglich ausgeschmückt. Wenn man aber praktisch live in die Figur schlüpft, bietet die Ich-Erzählung viele Fallstricke. Die besseren Geschichten blenden bei Tod oder Bewusstlosigkeit ab: Die Figur kann schließlich nichts erzählen, was sie selbst nicht mehr erlebt! Aber leider gibt es in „Zombie Zone Germany: Der Beginn” auch negative Ausnahmen. [Es folgt ein Mini-Spoiler, denn der Titel der Geschichte wird nicht genannt] Beispielsweise, wenn der Ich-Erzähler sich in einen geistlosen, von Hunger getriebenen Zombie verwandelt, aber gleichzeitig in korrekter Grammatik und formvollendeten Deutsch weiter aus der Ich-Perspektive erzählt, was gerade mit ihm passiert. Bei sowas bricht die Erzählperspektive einer eigentlich überzeugenden Geschichte das Genick.

Fazit zu „Zombie Zone Germany: Der Beginn

Mit „Zombie Zone Germany: Der Beginn“ hat der Amrûn Verlag ein Werk geschaffen, das angesichts der Corona-Krise unerwartet aktuell geworden ist. Prepper, Verschwörungstheorien über Twitter, enttäuschte Hoffnungen in die Regierung, Isolation aus Angst – zahlreiche dieser Themen spielen in den Kurzgeschichten eine tragende Rolle und prägen inzwischen auch unser reales Leben. Insofern ist die Anthologie gleich doppelt interessant: Einmal als Sammlung spannender Zombiegeschichten, aber auch als Veröffentlichung, die gesellschaftliche Entwicklungen praktisch vorgegriffen hat.

Die Anthologie bietet stilistisch eine große Vielfalt, was für Abwechslung sorgt, aber auch bedeutet, dass Leser mit ganz spezifischen Stil-Vorlieben nicht bei jeder Kurzgeschichte auf ihre Kosten kommen. Auch die handwerkliche Qualität der Storys variiert: Neben kleinen Meisterwerken gibt es auch einige eher zähe Geschichten. Insgesamt sind die meisten Kurzgeschichten aber solide erzählt. Und allein das etablierte Setting der Zombie Zone ist schon überaus interessant, ermöglicht es doch zahlreiche Verweise auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Etwas, was spätestens seit George A. Romero viele gute Zombie-Geschichten auszeichnet.

09.05.2020 – Geschichtenrausch

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Inhalt:
In Ewigkeit von Ian Cushing ist ein Adult Roman der etwas anderen Art. In einer recht melancholischen und philophischen Art befasst sich der Protagonist darin mit dem Sinn des Lebens. Ein schlimmer Unfall bewegt den ohnehin sinnsuchenden Prota dazu, sich mit seinem Leben, seinen Taten und dem, was wohlmöglich nach dem Leben auf ihn warten möge, zu beschäftigen.

Eine Geschichte rund um das Sein, Moral, Leben und Tod, Freundschaft und die Freiheit, man selbst zu sein.

In Ewigkeit von Ian Cushing habe ich schon länger auf dem Schirm. Besonders weil ich das Cover so verlockend finde. Im April habe ich es endlich gelesen. Nun möchte ich euch einen Einblick vom Buch geben und mein Fazit mit euch teilen.

Mein Fazit:
Dieser Roman, der sich in zwei Teile teilt – dem Erzählteil und einem Teil aus Tagebucheinträgen – regt zum Nachdenken an. Dabei werden die großen Fragen rund um das Sein und den Sinn des Lebens auf eine zynische und oftmals whiskeygeschwängerte Art behandelt. Dabei wird es oft tiefgründig, teilweise abgründig und manchmal abwegig.

Im ersten Teil war ich sehr oft bei dem Protagonisten. Er stellt sich Fragen, die ich mir auch oft stelle, hat ein Weltbild, das sich meinem annähert und versucht ebenso verzweifelt dem scheiß Hamsterrad des Lebens zu entkommen, wie vermutlich der Großteil von uns. Außerdem hat mich sein Schicksal bewegt, ich hatte Mitleid mit ihm und habe das Beste für ihn gehofft – obwohl da schon Zweifel waren.

Jedenfalls hat der zweite Teil noch einmal ein anderes Licht auf die Geschehnisse geworfen und mich doch noch einmal etwas Distanz einnehmen lassen.

Insgesamt ein gelungenes Buch, dass auf eine etwas düstere und teils sarkastische Art aufzeigt, worum es im Leben gehen könnte – wenn man denn der Ansicht des Protas zustimmen möchte. Ein Buch, das einen durch Irrungen und Wirrungen führt, einen Spiegel vorhält und unangenehme Wahrheiten entblößt. Es kann unbequem werden dieses Buch zu lesen, wenn man sich einmal auf diese kritischen Gedankenspiele einlässt. Bist du bereit, deine Seele in Ewigkeit zu retten?

ehrlich – tiefgründig – selbstkritisch

05.05.2020 – Ilona Arfaoui

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Ich bin nun weder der Kenner noch der Fan von Zombies (finde, dass sie einfach nur üble Tischmanieren haben).
Auf der anderen Seite aber offen für Neues, also warum mir nicht ein zweifelhaftes Zombie-Lesevergnügen angedeihen lassen. Und ich war überrascht, wie viel Vergnügen ich in der Tat hatte, Vergnügen mit den Geschichten, die zum Teil über eine wohldosierte Portion schwarzen Humors verfügen.
Aber es gibt auch Erzählungen, die zum Nachdenken anregen, und sogar welche, die emotional wirklich an die Nieren gehen. Denn in allen Geschichten, stehen weniger die unappetitlichen Untoten, sondern jene Menschen, die auf irgendeine Art und Weise mit ihnen fertig werden müssen, im Vordergrund.
Alles in allem ist jede Geschichte für sich einmalig, und den Schreibstil würde ich persönlich als sehr anspruchsvoll bezeichnen. Hut ab vor jedem einzelnen der hervorragenden Geschichtenerzähler.

04.05.2020 – Paola Baldin (“Der Erlöser” – Solo)

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Wie viele hier schon lesen konnten, bin ich ein absoluter Fan von Ian Cushing! Seine bisherigen SP-Werke waren schön düster, atmosphärisch und humorvoll. Eine ungewöhnliche Mischung, die ich in der Form nur bei ihm zu lesen bekommen habe!

Nach seinen Werken “In Ewigkeit” und “Die Träne der Zauberschen”, hat er mit seiner Kurzgeschichte “Der Erlöser” Platz in der Zombie-Anthologie des Amrûn Verlag gefunden.

Auch hier glänzt Cushing wieder mit seinem einzigartigen Stil und fesselt uns an seine Worte. Aber genug geredet, swiped durch die Bilder, um euch die Rezi selbst anzusehen. Die anderen Geschichten der Anthologie sollen auch bombastisch sein, also ran an die Tasten und bestellen – ihr werdet es nicht bereuen!

02.05.2020 – Hanks hundert Worte (plus Bonus-Fazit)

Willkommen!
Eigentlich sollte Hank das Fazit schreiben, aber das bleibt an mir hängen. Nach 18 Kurzrezensionen (die meiner Meinung nach sehr zahm ausgefallen sind … vielleicht wird er altersmilde? Oder er hatte einfach nichts zu motzen …), hat er keine Lust mehr gehabt. Naja.

Kommen wir also zu meinem Fazit zu “Zombie Zone Germany: Der Beginn” vom Amrûn Verlag.

Zombies … uh, einst vollkommen in der Subkultur verortet, sind sie (aller)spätestens seit “The Walking Dead” endgültig im Mainstream angelangt. Schließlich sind die Menschen, die sich die Romero-Perlen ungekürzt anschauen wollten und sich zu diesem Zweck die holländischen VHS-Kassetten mit englischem Unterton besorgen mussten, erwachsen geworden und haben ihre Liebe zu den Untoten beim Erwachsenwerden nicht ablegen können.

Das Medium Kino / Video war natürlich in den Anfangstagen auf visuelle Effekte aus. Blut, abgetrennte Gliedmaßen, Gedärme. Schießereien. Explosionen. Logisch! Meist um ihrer selbst willen, auch wenn es seit einigen Jahren immer mehr anspruchsvollere Filme gibt, die sich dem Thema anders nähern und auch die Story und die Menschen besser beleuchten.

Aber was ich in “Zombie Zone Germany: Der Beginn” lesen durfte … das ist definitiv anders, als ich es selbst erwartet hatte.

Eine gewisse Zombie-Affinität muss der Leser natürlich mitbringen, denn selbstredend hängen mal Innereien heraus oder ein Gegenstand (oder auch mehrere) werden in einen untoten Körper gerammt, damit er endlich Ruhe gibt oder das Erscheinungsbild der Untoten wird in blumigen Worten ausschweifend erörtert. Es explodiert auch etwas und die Nato fliegt sogar einen Bombenangriff. Auch logisch! Gehört ja wohl irgendwie dazu und es muss auch mal was zu Bruch gehen, wenn Horden von Untoten durch eure Städte schlurfen, oder?

Die Autoren (ich benutze aus reiner Bequemlichkeit diesen Begriff, obwohl das Frauen-Männer-Ungeklärt-Verhältnis in der Anthologie 11-7-1 ist und bitte die Faulheit zugunsten der einfacheren Lesbarkeit zu entschuldigen) benutzen den Zombie-Rahmen dieser Anthologie allerdings nicht, um ein Effektfeuerwerk zu beschreiben oder mit abgenagten Armen, Beinen und Köpfen zu jonglieren oder sich mal richtig satt zu fressen.

Oh nein, Ladys und Gentlemen. Sie erzählen die Geschichten der Menschen, die mit dieser Situation klarkommen müssen. Es geht um das, was sie erleben, was sie fühlen. Und das könnte unterschiedlicher nicht sein! Menschlichkeit trifft auf Egoismus. Überlebensinstinkt trifft auf selbstlose Unterstützung. Mut trifft auf Feigheit. Lachen trifft auf Weinen.
Menschen jeglicher Fasson treffen aufeinander und es ist jedes Mal eine spannende Geschichte dabei entstanden.
Geschichten, die unterhalten wollen. Geschichten, die nachklingen werden. Geschichten, die beides bieten.

Dabei ist es großartig, wie abwechslungsreich die Storys sind! Die Autoren haben so unterschiedliche Szenarien entwickelt, um den Leser in einer bestimmten Situation abzusetzen und ihm ihren Weg zu zeigen. Und dabei geht es sarkastisch, ernst, witzig, brutal oder traurig zu. Es ist alles dabei. Ihr findet wundervoll kreative Ideen und Umsetzungen und den ganzen Kosmos menschlichen Verhaltens und menschlicher Emotionen in einer Anthologie mit Zombies.

Eine weitere Sache, die mir noch auf der Seele liegt, muss ich auch noch loswerden.
Jap, ich bin auch ein Teil dieser Anthologie. Wer generell schlecht von anderen denkt, könnte annehmen, ich hätte all diese schröcklichen Lobhudeleien nur verfasst, damit ich für den Verlag und das Buch schamlos Werbung mache. Das war aber nicht der Grund, warum ich mich entschlossen hab, es zu tun (und niemand hat mit darum gebeten, geschweige denn gezwungen, hahaha …). Werbung ist zweifelsohne ein Nebeneffekt, der auch nicht ganz unwichtig für alle Beteiligten ist. Logisch. Wär ja auch bescheuert, wenn dieses Buch niemand lesen würde, oder?

Aber bereits nachdem ich die ersten beiden Geschichten gelesen hatte, wusste ich, dass das ein extrem gutes Buch wird und mein Rezensentenhirn hat sofort auf Hochtouren gerattert!

Ich hab mir als Selfpublisher (auch, wenn ich hier Teil vom “Team Amrûn” sein darf) “Support the Underground” auf die Stirn tätowiert und ich steh dazu. In erster Linie bin ich ein Fan, ein Leser, ein Träumer und jemand, der sehr gerne über das spricht, was ihn fasziniert. Ich lese leider viel zu wenige Bücher von Selfpublishern und Kleinverlagen (aber nur, weil ich generell ein langsamer Leser bin und es sooo viele Bücher gibt, die ich noch lesen muss), aber wenn, findet ihr möglichst (leider auch das nicht von jedem Buch – Zeit ist manchmal Mangelware) eine Rezension auf meiner Seite.

Dieses Buch hätte ich euch so oder so nahebringen wollen, weil es verdammt gut geworden ist und weil der Amrûn Verlag kein Global Player im Big Business ist. Passt also voll und ganz in mein Beuteschema. Support the Underground!

Vorschlag:
Wer glaubt, dass ich maßlos übertrieben habe, darf das Buch gerne im Verlagsshop bestellen, lesen und dann entscheiden, ob ich werbewirksam übertrieben hab und mich dann auf den Scheiterhaufen führen. Ich bring das Streichholz mit. Nur so ‘ne Idee … und noch nicht mal meine schlechteste, hahaha.

Aber ich glaube, die meisten werden meinem Enthusiasmus folgen und erkennen, was für eine großartige Arbeit die Autoren, die Herausgeberin und der Verlag geleistet haben (über einige wenige Tippfehler, die durchgeschlüpft sind, sehen wir mal entspannt hinweg).

Durch die Qualität aller Geschichten bin ich sehr stolz, einen kleinen Teil zu dieser Anthologie beigetragen zu haben. “Stolz auf mich oder meine Leistungen” ist mir eindeutig nicht in die Wiege gelegt, aber von Claudia Rapp ausgesucht worden zu sein, um mich in diese Riege einreihen zu dürfen … wow! Diese Tatsache entfaltet erst nach dem Genuss des Buches seine ganze Dimension für mich!
Aber vor allem verspüre ich Stolz auf und großen Respekt für die anderen Autoren!
Das fällt mir sehr leicht und ist vermutlich etwas abstrakt, denn man kennt sich nicht wirklich und niemand kann sich was dafür kaufen, aber dennoch ist es so, weil jede Geschichte etwas in mir ausgelöst hat. Das habt ihr echt klasse gemacht!

[Tür geht auf. Hank tritt ein.]
“Cushing! Mach mal’n Kopp zu! Du schwadronierst rum! Lass die Leute endlich in Ruhe und komm rüber. Was trinken. Immer derselbe Kram, wenn du dich über was freust …”
[Zu sich selbst] “Benimmt sich wie so’n Sechsjähriger im Süßigkeitenladen … “
[Hank tritt ab. Schließt die Tür hinter sich.]

Ähem ja … dann hab ich jetzt wohl was vor und fasse mich kurz.

Ich habe definitiv einige Autoren durch diese Anthologie kennengelernt, die ich von nun an auf meinem Radar habe, und das garantiert auch jenseits der Welt der Untoten. Mein SuB wird in die Höhe wachsen und ich freu mich darauf. Allein mit den anderen Büchern der Zombie Zone Germany oder den weiteren Büchern der Anthologie-Autoren könnte ich locker die nächsten zwei Lesejahre bestreiten.

Ich gehe jetzt aber nicht auf ein Feierabendbier zu Hank, ohne Danke zu sagen:

Danke, Claudia, für diese unglaublich gute Zusammenstellung und die Chance, ein kleiner Teil davon zu sein!

Danke, Amrûn Verlag, für die Zombie Zone Germany, und dass ihr Wiederholungstätern, gestandenen Autoren sowie Newcomern gleichermaßen die Hand reicht und eine Plattform bietet!

Danke, liebe Autorinnen und Autoren, dass ihr mir so viele unterhaltsame Stunden bereitet habt!

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß, wenn ihr die Zombie Zone Germany betretet!
Euer Ian.

Links, die ich nutzen würde, wenn ich ihr wäre:
Amrûn Verlag (Homepage)
Amrûn Verlag (Facebook)
Zombie Zone Germany (Facebook)
Ian Cushing: Behind the Scenes “Der Erlöser”
Wichtig! Die Links zu den Autoren findet ihr unter den Kurzrezensionen!

https://www.facebook.com/LisanneSurborg/
https://www.instagram.com/riotreimar/
https://www.facebook.com/MatthiasRamtkeAutor/
https://monika-loerchner.de/
http://www.nicola-hoelderle.de/
… irgendwie hab ich hier keinen Link gefunden … Wer einen hat: her damit!
https://www.lovelybooks.de/autor/Christian-Brune–Sieren-/
https://www.instagram.com/oliver.bayer/
… irgendwie hab ich hier keinen Link gefunden … Wer einen hat: her damit!
https://www.instagram.com/worttraeumerin/
https://www.instagram.com/berg_freundin/
https://www.instagram.com/carina_wiedenbauer_autorin/
https://www.lovelybooks.de/autor/JD-Alexander/
… irgendwie hab ich hier keinen Link gefunden … Wer einen hat: her damit!
https://www.facebook.com/Schweikert.S/
https://www.lovelybooks.de/autor/J%C3%BCrgen-H%C3%B6reth/
https://www.lovelybooks.de/autor/Carolin-Gmyrek/
https://www.instagram.com/emilytaratodd/

01.05.2020 – Lesenswertes aus dem Bücherhaus

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Die Zombie Zone Germany Reihe aus dem Amrûn Verlag gehörte von Anfang an zu meinen Lieblingen des Genres.

2015 erschien Zombie Zone Germany die Anthologie und nachfolgend immer mal wieder eine einzelne Novelle aus der ZZG. Jede der Geschichten war einzigartig, mal sehr blutig und brutal, manchmal erstaunlich feinsinnig und fast immer mit einem tieferen Sinn, aber niemals sind es reine Splatter – Storys trotz wechselnder Herausgeber blieb die Qualität immer gleich. Mit Spannung erwartete ich also die neuste Anthologie.

Ich habe den Klappentext übrigens nicht gelesen, ich wusste nicht mehr, als das es ein neues Buch geben wird und habe es gleich nach Erscheinen gekauft.
Als ich es dann in den Händen hielt, wollte ich nur mal kurz reinlesen, mein aktuelles Buch war beendet und es war noch früh genug für eine höchstens zwei Geschichten, na daraus wurde dann mal nichts, das Buch nahm mich so sehr gefangen, das ich am Morgen selbst einem Zombie wohl ziemlich ähnlich sah. Wie der Untertitel schon sagt, wir befinden uns am Beginn der Apokalypse, die Regierung versucht das normale Leben aufrechtzuerhalten in dem sie betroffene Gebiete absperrt, die Grenzen sind geschlossen, kaum jemand darf das Land verlassen oder einreisen.
Doch alle Bemühungen sind vergeblich, die Krankheit breitet sich unaufhaltsam auf und wir sind hautnah dabei, wir erleben die ersten Tage des Ausbruchs und die verzweifelten Versuche zu überleben.
19 Storys von 19 Autoren und ich würde euch gern von jeder einzelnen erzählen, aber mal ehrlich: Ich bin immer noch der Meinung das liest kein Mensch am Stück, aber ich habe mir ein paar rausgepickt:

Sebastian Hallmann, ich wusste das Sebastian, den ich bisher nur als Blogger kannte, auch als Autor tätig ist  und war natürlich dementsprechend gespannt.
Game Over erzählt von Matthias, Matthias verbringt seine freie Zeit vor dem Computer und zockt Zombiespiele statt zu lernen und so geht der Beginn der Apokalypse auch irgendwie an ihm vorbei. Sein Alltag besteht aus Schule und zocken, Zoff mit seinem Vater und mit Florian, einem Schulkameraden von dem er gemobbt wird. Ich mochte die Geschichte unabhängig von allen Zombies drumherum erzählt Sebastian die Geschichte eines typischen Losers, mit all ihren möglichen Konsequenzen.

Monika Loercher, nach ihrer Geschichte habe ich das erste Mal direktes Feedback an die Autorin gegeben, ich musste ihr einfach schreiben, wie gut mir die Story gefiel.
Wodka und die Dornenvögel
Die Protagonistin wacht im frisch geerbten Haus auf dem Land auf, den Beginn der Zombieapocalypse hat sie völlig verkatert verpennt. Nun muss sie zwei einschneidende Erlebnisse in ihrem Leben verarbeiten, den Verlust ihres Großvaters und Zombies.
Pragmatisch beginnt sie das Auto ihres Großvaters mit lebens- und überlebenswichtigen Dingen vollzupacken, denn in der Nähe gibt es einen Freizeitpark, der gut gesichert einigen überlebenden Zuflucht bieten könnte.
Oftmals ist es in Katastrophenfilmen und Büchern so, das jeder nur nach sich schaut, eventuell beschützt man noch seine Lieben oder die von denen man sich Vorteile erhofft, alle anderen werden im besten Fall feindselig beäugt im schlimmsten, betrogen, belogen und ermordet, kaum jemand denkt an andere und schon gar nicht an andere die gar nicht da sind, nicht sichtbar. Monika Loerchners Geschichte zeigt, dass es auch anders sein kann.

Der Mensch ist der schlimmste Feind des Menschen, das zeigt sich auch in
Der König der Kaffeekannen von Jürgen Höreth, hier sind es weniger die Zombies, vor denen man Angst haben muss, mit denen kommen unsere Protagonisten Marc und Victor klar, sie sind ein gut eingespieltes Team. Es hat sich schon etwas wie Normalität eingebürgert, in der auch Zeit für einen Kaffee bei den Nachbarn ist. Bis zu dem Tag als ein Fremder in die Stadt kommt.
Und Marc und Victor sind viel zu nett.

Jede der Geschichten der Anthologie ist einzigartig, ich könnte euch über jede etwas erzählen, das weit über Blut  und spritzendes Gehirn hinausgeht. Der Beginn ist Horror nach meinem Geschmack, die Herausgeberin Claudia Rapp hat es geschafft mich mit wirklich jeder Story zu überzeugen. Die drei über die ich etwas mehr schrieb, stehen also wirklich nur stellvertretend für alle.

Von mir gibt es eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.


26.03.2020 – De Bichergeck

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De Buchcover vum Ian Cushing sengem Roman ass schlicht – schwaarz a mam Onendlechkeetszeechen. An awer kéint ech mir e stonnelaang ukucken. Och de Klappentext versprécht eng interessant an nodenklech Geschicht. Mä wat fënnt de Lieser tëscht de Buchdeckelen?
Déi philosophesch Zwëschentéin gefale mir op jidde Fall ganz gutt, et ass e Genoss tëscht den Zeilen ze liesen. Et ass vun allem dobäi, Humor, Eeschhaftegkeet, Tragik, Liewen, Dout, Léift a villes méi.
Duerch seng knapp 200 Säiten liest d’Geschicht sech méi séier wéi e wëll.

D’Buch ass an zwee Deeler opgedeelt, mir léieren de Protagonist (ouni Numm) kennen. Hien huet en Neiufank viru sech, seng Fra ass gestuerwen. Seng Charakterzich hu mech beréiert, warscheinlech kënne sech vill Lieser mat ëm identifizéieren.
Ausserdeem liese mir nach a sengem Dagebuch, kucken him déif an d’Séil. An ob säi Liewen.
D’Buch thematiséiert och Thema Depressiounen, domat huet den Autor sech nach e Pluspunkt verdéngt. Mir däerfen net alles esou schwaarz gesinn, et ass nach Luucht do. Jo, dat kléngt no Klischee – ass awer esou.
Gëtt et e Liewen nom Doud? Ech weess et net, mä no dëser Lektüre hoffen ech e bëssen.

Här Cushing, deen nächste Roman kann kommen!

Paola Baldin – Fremde Heimat

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Da ich diese Rezension nicht bei Lovelybooks hochladen kann, schicke ich ausnahmsweise mal den Klappentext vorweg:
Ist Heimat der Ort, an dem man aufgewachsen ist? Oder liegt sie doch im Klang des plätschernden Wassers, dem Glanz der Sterne oder gar im Herzschlag eines geliebten Menschen, dem man erst noch begegnet?
Wage einen Blick in die Zukunft.
Lass dich entführen in 13 Kurzgeschichten, Poesie- und Lyriktexte über Menschen und Androiden, die in dystopischen Welten, bewohnten Raumstationen, Portalen und Marskuppeln leben und die allesamt eines verbindet: Die Sehnsucht nach der Geborgenheit eines Heims, das manchmal im Fremden weilt.

Paola Baldin hat vor Kurzem ihren Kurzgeschichtenband namens “Fremde Heimat” veröffentlicht. Es war klar, dass ich, nach der Lektüre ihrer vorangegangenen Veröffentlichungen “Bionic Soul” und “Die Blüten meiner Schuld“, auch dieses Buch lesen muss und ich bin nicht enttäuscht wurden.

Die Autorin hat das Buch unterteilt in Kurzgeschichten, Poesiegeschichten und Lyrik.
Ich finde es schön, dass die Kurzgeschichten, mit Ausnahme von “Die Heimat unserer Träume” (aber dazu gleich mehr) durch einen roten Faden – oder auch mehreren roten Fäden – zusammengehalten werden.
Heimat und Verlust sind die vorherrschenden Themen und wer die Bücher von Paola Baldin kennt, weiß, dass das alles andere als ein Spaziergang über blühende Wiesen werden wird.

Es sind mitunter sehr traurige Geschichten, die erzählt werden; aber genau wie ich es mag, schwingt gleich in der ersten Geschichte “Fremde Heimat” auch eine Hoffnung mit. Zart und leise gelingt es der Hoffnung, die Schicksalsschläge erträglicher zu machen. In jeder Dunkelheit lebt auch ein Licht.

In “Bacterium ignitum” verschlingt ein Feuerbakterium die Welt, wie man sie kennt, und es gelingt die Flucht auf eine Raumstation, in der sich die Protagonistin sogar mit ihrer geliebten Familie vereinen kann. Happy End? Ratet mal …

Mechanic Heart, My Home” ist am deutlichsten von “Bionic Soul” inspiriert und erzählt eine warme, wundervolle Geschichte von Liebe und Menschlichkeit … bis es zu einem großen Unglück kommt. Wer “Bionic Soul” verschlungen hat, wird hier einen perfekten Ansatz finden, um tiefer in Paolas Science Fiction-Universum zu reisen.

In “Heimkehr” findet das “Bacterium ignitum” seinen Widerhall; allerdings wird das Szenario, welches wir in der gleichnamigen Geschichte erleben durften, um eine zweite Tragödie persönlicher Natur erweitert und wir werden mit der Frage konfrontiert, was schlimmer ist: Eine natürliche Katastrophe, die die Erde in die Knie zwingt oder eine persönliche Katastrophe, in der Menschen durch selbstsüchtiges Verhalten im Herzen so sehr verletzt werden, dass man daran zu zerbrechen droht? Mit den veränderten Umweltbedingungen haben sich die Bewohner arrangiert, aber ertragen sie auch die persönliche Tragödie? Wie viel Zeit hat man, um sich einen Fehler einzugestehen und die ausgestreckte Hand zu ergreifen, bevor es zu spät ist?

Etwas aus dem Rahmen fällt “Die Heimat unserer Träume“, denn wir befinden uns nicht in den Weiten des Weltraums, sondern im Wald und in Träumen und es ist keine klassische Science Fiction-Story, sondern eher im Mystery-Bereich anzusiedeln. Ich durfte die Geschichte bereits vorab lesen und sie hatte mich sehr begeistert, denn ganz besonders mag ich, dass diese Geschichte – meines Erachtens – einen Bogen zu “Die Blüten meiner Schuld” schlägt; ein Buch, welches ich euch sehr ans Herz legen muss!

Die Poesiegeschichten und die Lyrik sind ebenfalls wunderbar, aber machen auch deutlich, dass die Geschichten und Gedanken überwiegend düster sind. Verlassen sein, Einsamkeit, Hoffnung, Sehnsucht und Verzweiflung geben sich ein Stelldichein. Durch die Kürze der Poesiegeschichten und lyrischen Texte wird der Leser mit Wucht mit einem Gedanken / einer Situation konfrontiert und gleichzeitig in die Szene hineingesaugt, woraufhin er sich unweigerlich seine Gedanken macht. Ihre Gedanken stoßen unzweifelhaft die eigenen an. Chapeau!

Bisher haben mich Paola Baldins Bücher nicht nur wegen der Geschichten und ihres Stils, sondern auch durch ihr Layout begeistert und auch “Fremde Heimat” macht da keine Ausnahme. Ein wundervoll stimmiges Cover macht da nur den Anfang, denn Paola arbeitet mit ganzseitigen Fotos, die mitunter herrlich surreal wirken. Durch die zu den Rändern hin dunkelgrau auslaufenden Seiten, ergibt sich ein dunkelgrauer Buchschnitt, was ich als sehr gelungen betrachte. Auch der Buchsatz an sich ist schön gewählt, und man fliegt ungehindert durch ihre Zeilen.

Erhältlich ist “Fremde Heimat” ausschließlich als Taschenbuch bei Paola Baldin persönlich und auch ein eBook sucht ihr vergeblich, was der schönen Präsentation meines Erachtens auch entgegenstehen würde.

Genau wie die vorangegangenen Bücher kann ich “Fremde Heimat” nur empfehlen, denn Paola Baldin ist eine hervorragende Selfpublisherin mit einem ganz eigenen Stil. Und genau darauf kommt es mir persönlich bei Selfpublishern an. Wenn ich glattgebügelten Mainstream lesen will (was ich auch manchmal sehr gern mache), greife ich zu den Bestsellerlisten; aber wenn ich Individualität, die nicht ihrer Ecken, Kanten und persönlichen Note beraubt wurde, lesen möchte, bin ich in dem Selfpublisher-Universum gut aufgehoben und habe dort, auch unter anderem dank Paola Baldin, eine Heimat gefunden.

Ilona Arfaoui – Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis

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KurzmeinungIch betrachte das Buch als ein wunderbar inszeniertes Puzzlespiel und denke, dass „episch im Quadrat“ dem Buch halbwegs zur Ehre gereicht.Episch im Quadrat

Nachdem ich Ilona Arfaouis Roman “Der König der Schatten” gelesen hatte, war klar, dass ich auch “Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis” lesen muss. Was ich offensichtlich getan habe, denn nun möchte ich euch an meinen Gedanken zu dem Buch teilhaben lassen. Und wie immer gilt: das ist meine rein subjektive Meinung. 

Zuerst: dicke Bücher schüchtern mich ein. Aber sowas von. Aber auch wenn ich aufgrund meines individuellen Leseverhaltens gute drei Monate für den Hexenmeister benötigt habe, war es jede Minute wert! Ich hatte “Der König der Schatten” bereits als episch bezeichnet, aber was soll ich denn dann zu “Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis” sagen? Ich denke, dass “episch im Quadrat” dem Buch halbwegs zur Ehre gereicht.

Ilona Arfaoui schickt den Leser durch die Jahrhunderte, zieht ihn in die Vergangenheit und wieder zurück und eröffnet ihm Dimensionen, die er niemals kennenlernen möchte. Das “Draußen”, in dem sich die “gefallenen” Magier nach ihrem Tod wiederfinden, ist ein beklemmender, erschreckender Ort, dessen Hoffnungslosigkeit spürbar ist.
Vielleicht ist es mit der christlichen “Hölle” vergleichbar, auch wenn Draußen die Möglichkeit besteht, dass die Magier, wenn sie genug Macht erlangt haben oder ihnen dieses Geschenk zuteilwird, einen neuen menschlichen Körper erhalten und zurück auf die Erde dürfen. Doch ich habe mir oft gedacht: Wer will das schon? Die jahrhundertealte Schuld, der Hass, die Intrigen werden niemals auf null gesetzt, sondern früher oder später wird jeder wiedergekehrte Magier sich seiner Vorleben bewusst und auch die Familienbande bleiben (überwiegend) dieselben. In der Familie der Duncans ist das kein Geschenk, das kann ich euch verraten. 

Was bei “Der König der Schatten” eher angedeutet wurde, entfaltet sich beim Hexenmeister zu dem zentralen Thema. Die Familienbande, Intrigen, der Hass, die Schuld und die Verzweiflung. Geheimnisse, die jeder aus Angst für sich selbst bewahrt und die die Seele vergiften. Hass, der so groß und tief ist, obwohl er einer aufrichtigen Liebe entspringt und scheinbar nie wieder umgekehrt werden kann. 

Ich betrachte das Buch als ein wunderbar inszeniertes Puzzlespiel.
Besonders gelungen ist die Art und Weise, wie der Leser verschiedene (dramatische) Situationen in den verschiedenen Leben der Protagonisten immer wieder aus anderen Perspektiven erlebt und sich ganz langsam ein Bild ergibt, mit dem man nicht gerechnet hatte. Ein schönes Beispiel ist Guy Macenays (alias Cahal aus “Der König der Schatten”) Zeit im Kerker. Die Szene aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und zu sehen, welche Emotionen, Gefühle und Gedanken den jeweiligen Protagonisten umtreiben, war für mich sehr intensiv! Die (meisten) Magier im Orden haben tonnenweise Schuld auf sich geladen und doch ist die Sicht- und Erzählweise entscheidend, ob man mit Guy mitfühlt oder ihn ins Niemandsland wünscht (und beides werdet ihr gegen euren Willen tun!) und genau darin liegt eine der besonderen Stärken des Buchs!
Ich persönlich sehe mich und meine Ansicht bestätigt, dass nicht nur eine einzelne, allgemeingültige Wahrheit im Leben existiert, sondern jeder spezielle Gründe für sein Handeln hat, die ihn zu bestimmten Taten treiben; unabhängig davon, ob diese Gründe redlich sind oder andere diese Gründe nachvollziehen können. 

Grandios ist es Ilona Arfaoui gelungen, auch historische Personen und Ereignisse in ihr Buch aufzunehmen und mit ihrer Fiktion zu vereinen. In Gilles de Rais hat Ilona eine perfekte historische Figur gefunden, denn die widerwärtigen Taten loten die Abgründe der menschlichen Seele extrem aus und sind wirklich nicht leicht verdaulich. Tja, und dann ist dieser Gilles de Rais dazu verdammt, immer und immer wieder und unendlich mit dem Wissen seiner Taten zu existieren, was in meinen Augen eine akzeptable Strafe darstellen würde, wäre er nicht so ein unangenehmer Zeitgenosse für seine Umgebung. 

Wundervoll fand ich auch den Teil, in dem Lawrence Duncan seinem Sohn über die Geschehnisse berichtet, die wir in “Der König der Schatten” en detail erleben durften, denn es entstanden sofort die Bilder im Kopf, die ich beim Lesen des Buches hatte. Das war wirklich gelungen und ich wunder mich nicht, dass Ilona gerade diesen Teil genommen hat, um ihn ausführlich zu erzählen. Durch “Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis” werden auch hier Geschehnisse vertieft und die Beweggründe der einzelnen Personen deutlich. 

Ilonas Stil ist toll und ich bin jeden Abend tief in den Welten und der Geschichte versunken. Sie schreibt großartig und findet immer die richtigen Worte, um dich zu schockieren oder zum Staunen oder gar zum Lachen zu bringen. Bereits der Anfang des Buches, in dem wir den Duncans auf “Terra Finis” (in den Jahren 1917 bis 1923) begegnen, ist so intensiv und düster, dass er perfekt auf den Rest des Buches einstimmt.  

Ich gebe aber auch zu, dass ich an manchen Stellen teilweise den Faden verloren habe, wenn sich mir nicht auf den ersten Blick zum Beispiel die Zeit erschlossen hatte, in der sich der Geschichte fortsetzte. Ab und an springt man von einem Satz auf den anderen zwischen dem Draußen und der realen Welt und in den Zeiten und das war für mich mitunter herausfordernd. Auch die verschiedenen Namen der Personen, und besonders, wenn nur deren “politischen” Bezeichnungen benutzt wurden, verwirrten mich. Dank Ilona finden wir aber ein Glossar im Anhang, in dem ich immer wieder geblättert habe, um mich schnell wieder in die Spur zu bringen. Aber das sind (aus meiner Sicht) die einzigen Makel, den ich in diesem epischen Werk finden konnte und das darf man getrost als “Jammern auf hohem Niveau” verbuchen und ist sicher meinen sonstigen Lesegewohnheiten oder auch kognitiven Fähigkeiten geschuldet. 

Wie auch in “Der König der Schatten” liegt mit “Der Hexenmeister, die Macht und die Finsternis” ein “Phantastischer Roman” vor, der aber nicht in die Klischeefalle der typischen Fantasyliteratur tappt und in dem es wieder keine Drachen, Einhörner und funkensprühende Zauberstäbe gibt. Nimmt man sich bestimmte Aspekte der Geschichte und beschäftigt sich mit ihnen, ist es vielmehr eine Allegorie auf das Leben und menschliches Verhalten. Ganz großes Kino, meine Freunde!

Ich bin mehr als glücklich, dass Ilona Arfaoui im Moment an einem neuen Roman schreibt, der die Geschichte fortführen wird und ich weiß, dass ich ihn mir definitiv holen werde, denn die Geschichten von Ilona sind anders und besonders. 

Fazit: Ein großartiges Epos, welches uns durch Zeit und Raum katapultiert. 

https://www.lovelybooks.de/autor/Ilona-Sonja-Arfaoui/Der-Hexenmeister-die-Macht-und-die-Finsternis-1283449285-w/

Der Erlöser – Leseprobe

Die ersten 663 Wörter aus der Kurzgeschichte “Der Erlöser”; erschienen in der Anthologie “Zombie Zone Germany: Der Beginn” im Amrûn Verlag.

Was für eine Scheiße. Was für eine gottverdammte Scheiße. Ob Gott etwas mit der verdammten Scheiße zu tun hat, die hier in den letzten Wochen abgeht? Ich habe keine Ahnung! Und falls doch, dann höchstens dahingehend, dass er von der Menschheit, seiner glorreichen Krone der Schöpfung, die Schnauze so gestrichen voll hat, dass er sich entschied, den Laden ein für alle Mal zuzumachen.
Wer kann es ihm verübeln? Ich garantiert nicht. Menschen waren, meiner bescheidenen Meinung nach, schon immer der Fehler im System.
Denkt bitte nicht, dass ich irgend so ein Okö-Hippie bin, der die Natur preist und mit Bäumen kuschelt. Fickt die Bäume. Fickt einfach alles. Ich bin auf der Welt, weil … woher soll ich das wissen? Ich bin hier und Feierabend. Ich hab’s mir nicht ausgesucht, ich wurde nicht gefragt. Also habe ich getan, was zu tun war. Arbeiten, saufen, gelegentlich mal ficken.

Es hat mich immer gewundert, dass eine latente »Mir-doch-scheißegal«-Haltung für die Ladys einen gewissen Reiz hatte, aber wahrscheinlich wussten sie, dass ich nicht am nächsten Tag mit Blümchen vor ihrer Tür stehen oder ihnen mit einer Wandergitarre ein Ständchen unter ihrem Schlafzimmerfenster bringen würde.
Alex, der alte Droog, würde da von dem simplen Rein-Raus-Spielchen sprechen. Alex ist nicht mein Kumpel, denn ich rede hier von einer Figur aus einem Buch, ihr unbelesenen, smartphonesüchtigen Maden. Lesen. Kennt ihr das noch? Und damit meine ich nicht eure schwachsinnigen Facebook-Beiträge. Das ist kein Lesen.
Bücher! Dafür musste man Bäume töten, zerhäckseln und in einer Pampe zu Papier verarbeiten! Fickt die Bäume. Habe ich das schon gesagt? Egal. Ich wiederhole mich oft, das weiß ich, aber so stelle ich sicher, dass ihr es auch schnallt. Listen and repeat. Und falls euch das nicht passt: Fickt euch.
Alex lebte in einer Zukunftsvision eines Schriftstellers. In den alten Tagen war das spannend zu lesen und mittlerweile, im Jahre 2020, auch gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt, aber die Zukunft hat vor einigen Monaten begonnen, und die Vision dieses Schriftstellers ist heute noch bestenfalls so aufregend wie ein Kaffeekränzchen mit deiner demenzkranken Tante Uschi und ihrer toten Katze.

Tot. Gutes Stichwort. Die Welt ist tot. Naja, noch nicht ganz, aber sie ist auf dem besten Wege dahin. Was genau geschehen ist? Das wollt ihr gerne wissen, oder? Ich auch. Aber ich kann es euch nicht verraten, denn eines schönen Tages, es war ein Sonntag, falls euch dieses Detail interessiert, ging das Licht aus. Das Fernsehen, das Internet, meine Kaffeemaschine (ich liebe meine Kaffeemaschine abgöttisch) waren von einer Sekunde auf die nächste tot wie die Katze von Tante Uschi.

Muschi, ich nenne die Katze einfach mal so, weil ich mir ihren Namen nie gemerkt habe, war aber schon vorher tot. Vor Jahren ist sie unter die Reifen eines Busses gekommen und nachdem das tonnenschwere Ding sie überrollt hatte, klebte ein breiter Fladen Katzengehacktes auf dem Asphalt. Tante Uschi hat so laut und lange gekreischt, dass ich dachte, ihr Schädel explodiert. Ist er aber nicht. Ich habe den Katzenbrei dann, freundlich wie ich bin, mit einer Schneeschaufel von der Straße gekratzt und in eine Plastiktüte geschüttet.
Ich erinnere mich daran, wie mich das einzig an dem Sehnerv baumelnde Auge angestarrt hatte, und wer jetzt denkt, dass es mich klagend, fragend, traurig oder sonst wie anstarrte … nein. Es sah mich tot an. Einfach nur tot. All things must come to an end, und Muschi hatte ihr Ende ziemlich eindeutig erreicht. Ich war nur froh, dass ich die Pampe vor dem Dönerkoch entdeckt hatte; wer weiß, was mir oder einem von euch sonst an dem Abend zwischen dem Fladenbrot entgegengeglotzt hätte.
Ich habe, und nun bitte ich die gewissenhaften Mülltrenner unter euch die folgende Zeile zu überspringen, die Katzensuppe mitsamt Plastiktüte in die Biomülltonne gestopft. Ich weiß, dass Plastiktüten nichts im Biomüll zu suchen haben, aber wisst ihr was? Genau! Fickt die Mülltrennung.
Würdet ihr sehen, was ich gerade sehe, wenn ich aus dem Fenster der Wohnung im achten Stock schaue, wäre Mülltrennung eure kleinste Sorge.