Liebe Zuckerperlen und Lichtbringer, herzlich willkommen an #cushingsstammtisch. Sucht Euch einen Platz! Danke, dass Ihr gekommen seid!
Da ich mir vorgenommen habe, regelmäßiger in den sozialen Medien präsent zu sein, macht es Sinn, den Stammtisch mit diesem Thema zu eröffnen.
Nun ja, wie sieht es mit mir und den sozialen Medien aus? – Eindeutig Hassliebe, würde ich mal sagen.
Aus meinem Privatleben brauche ich nichts erzählen. Das gestaltet sich so, wie das der Meisten. Nur irgendwie gefühlt noch langweiliger (ich bin ja auch 24/7 live dabei).
Als Privatmensch hätte ich keinen sendebereiten Social-Media-Account, da ich generell kein großes Sendungsbewusstsein besitze – keine optimalen Voraussetzungen für einen Hobbyautor, oder?
Mein Autorenleben würde ohne die sozialen Medien hingegen gar nicht stattfinden. Ich brauche Instagram und Facebook (obwohl mein Facebook-Account mausetot ist), um mit der Welt in Kontakt zu bleiben, um zu informieren, was es Neues in meiner kleinen Autorenwelt gibt. Doch da ich meist nicht viel zu erzählen habe – das Hobby besteht überwiegend aus Stillarbeit –, verspüre ich oftmals keine Ambition, aktiv zu sein, ohne etwas zu sagen zu haben.
Natürlich sorgt regelmäßige Präsenz für Wiedererkennungswert und Identifikation mit dem Autor, bringt ihn den Lesern*innen näher, schafft virtuelle Verbindungen, vergrößert die Reichweite. Kurzum: Um eine größere Leserschaft zu erreichen, müsste ich deutlich aktiver und kommunikativer sein. Doch da kommt der Zeitfaktor und Anspruch ins Spiel. Ihr wisst, wie zeitintensiv brauchbare Beiträge und Bilder sind. Um mit meinen Projekten voranzukommen, verbringe ich die wenigen Stunden zwischen Feierabend und Bett lieber mit dem Schreiben und Bearbeiten meiner Geschichten, anstatt dubiose Algorithmen um des Fütterns willen zu füttern. Diese Entscheidung habe ich vor langer Zeit getroffen und akzeptiert, aber wenn man täglich mit so viel Content konfrontiert wird (von belanglos bis zu grandios), komme ich mitunter schon ins Grübeln, ob ich mir mit meiner Einstellung nicht selbst im Weg zur literarischen Weltherrschaft stehe.
Mit ambitionierten Bloggern, Autoren*innen etc., die viel Zeit und Skills in Social Media investieren (oder es einfach draufhaben), kann, will und werde ich es nicht aufnehmen. Ich lese Eure Beiträge sehr gern, freue mich über Erfolge und Meilensteine, fiebere neuen Büchern entgegen, genieße witzige Storys und Reels – und bei mir kommt hier und da mal eine kleine Story dabei heraus, damit Ihr wisst, dass Account und Autor noch nicht tot sind –, aber Spaß macht es ja doch.
Doch Eure Reaktionen zeigen mir, dass es okay ist, denn auch wenn ich mal längere Zeit nichts von mir gebe, erinnert Ihr Euch an mich. Und dafür bin ich Euch in dieser schnelllebigen Zeit mehr als dankbar. Und seid versichert: Das funktioniert auch in die andere Richtung. Wen ich einmal in mein Herz geschlossen habe, den/die lasse ich nicht mehr raus.
Eine der besten Weisheiten, die ich Euch mit auf den Weg geben kann (und mir regelmäßig ins Gedächtnis rufe): »Alles hat seine Zeit.« Das Schreiben von Geschichten und das Herumtollen in den sozialen Medien. Manchmal, wie z. B. zwischen zwei Projekten (bzw. einer Pause im Projekt) schreibe ich viele Beiträge (wie momentan), mal weniger (wie üblich).
Darüber hinaus bin ich natürlich auch »privat« Nutzer und Empfänger der sozialen Medien und des Internets, es gibt ja schließlich noch ein Privatleben, die Arbeit, unsere Welt. Täglich strömen Millionen Informationen auf unser Gehirn ein und es trennt wie ein Weltmeister die wichtigen von den unwichtigen Infos. Durch die Doppelnutzung als Privatmensch und Hobbyautor gibt es immer wieder Phasen, da wird jeder Input von außen zu viel und es ist notwendig, eine Pause einzuschieben. Information overload.
Es ist kein Wunder, dass ich – und vielleicht auch viele von Euch – immer wieder Phasen habe, in denen ich von der Reizüberflutung überfordert bin und lieber vom Balkon gucke, als auf das Display. Damit es gar nicht so weit kommt, versuche ich die Nutzung prophylaktisch einzuschränken. Denn wie sagt man: Die Dosis macht das Gift. Als Sender, als Empfänger, als Hobbyautor und als Privatmensch.
Wie steht Ihr zu den sozialen Medien? Flucht, Segen, ein Job? Geht Ihr entspannt damit um oder lasst Ihr Euch auch gern mal unter Druck setzen?
In diesem Sinne … ich freue mich auf Eure Meinung und Sichtweisen! Euer Ian.
Liebe Zuckerperlen und Lichtbringer, ich hege den ominösen Wunsch und spüre das drängende Bedürfnis, ein wenig aktiver zu werden, was meine Präsenz in den sozialen Medien angeht.
Daher gründe ich #cushingsstammtisch. Einen Stammtisch, an dem wir uns gemütlich treffen können, miteinander schnacken und uns ungezwungen austauschen werden. Jeder ist willkommen, jede Meinung wird gehört. Es gibt alle Arten von Getränken, Knabbereien, bequeme Stühle und keine Kleiderordnung.
Inspiriert von diversen Aktionen in der Bookstagrambubble, habe ich mir einige Themen geschnappt und munter drauflosgeschrieben, was mir dazu einfällt, was ich schon immer mal dazu sagen wollte. Manche Themen sind persönlich, andere etwas unterhaltsamer, einige kontrovers, aber – auch wenn es nicht zwingend meinem Ego entspricht – ich möchte meine Gedanken dazu hier einfach mit Euch teilen.
Dabei hoffe ich natürlich auf Euch. Ohne Euch wäre ich nichts. Das steht seit Tag 1 fest und ist die erste und einzige Wahrheit, die eine Autorin sich vergegenwärtigen muss.
Ich wäre also beglückt, wenn Ihr ein Auge auf meinen »Stammtisch« habt und Euch nach Zeit, Lust und Laune beteiligt. Besonders freue ich mich natürlich auf die verschiedenen Sichtweisen der Autoreninnen, Bloggerinnen und Leser*innen.
Das Teilen der Beiträge, sofern sie Euch teilenswert erscheinen, wäre natürlich ein echter Bonus für mich, denn als kleiner Hobbyautor kann ich mich nur mit Eurer Hilfe zeigen und wachsen.
In welchen Intervallen der Stammtisch geöffnet haben wird, weiß ich nicht. Diese Vorgehensweise ist für mich sehr ungewohnt, da ich bei solchen Aktionen generell einen Masterplan habe, weil der Monk in mir sonst durchdreht, aber ich möchte mir keinen Druck auferlegen. Ist ja schließlich keine Zwangsveranstaltung. Aber es warten schon etliche (mehr oder minder ausformulierte) Themen in der Pipeline und rudimentäre Ideen im Hinterkopf. Für Eure Themenvorschläge bin ich natürlich jederzeit offen!
Ich freue mich auf Euer Erscheinen, wenn es in den nächsten Tagen mit dem ersten Thema startet: »Social Media«.
In diesem Sinne … wir sehen uns am Stammtisch, an dem immer ein Platz für Euch freigehalten wird! Euer Ian.
Und jetzt treten »Die Kinder der Nacht« in unser Leben. Es ist ein völlig eigenständiger Roman, den man unabhängig von der Trilogie lesen kann. Doch für langjährige Wegbegleiter finden sich Referenzen an ihre vorangegangenen Bücher, vor allem »Die Anderen«, denn eine Nebenfigur aus diesem Buch hat in »Die Kinder der Nacht« eine Hauptrolle übernommen. Vorkenntnisse sind aber nicht notwendig, um sich von dieser Geschichte mitreißen zu lassen; vielmehr bin ich überzeugt, dass der/die Leser*in nach der Lektüre ohne zu zögern zu den anderen Werken der Autorin greifen wird, um a) weiterhin in Ilona Arfaouis Stil zu versinken und b) die Geheimnisse und Anspielungen zu erkunden und verstehen. Lohnen wird es sich auf jeden Fall und ich weiß jetzt schon, dass ich in Zukunft mir alle Werke noch einmal nacheinander zu Gemüte führen werde.
Mit »Die Kinder der Nacht« entführt uns die Autorin überwiegend in den Kiez Stuttgarts, stellt uns »ihre« Stadt vor und lässt uns am tragischen Leben des erfolglosen Schriftstellers Killian »Dworschak« Dvorak teilhaben. Geschickt entwickelt sich die Geschichte und nach und nach erfahren wir mehr über den kettenrauchenden, gerne mal einen über-den-Durst-trinkenenden Vagabunden. Dabei ist es nicht nur die Hauptfigur, die mich begeistert, auch die Nebenrollen sind hervorragend herausgearbeitet. Es macht große Freude, an seinen Treffen mit Ophelia, Konrad oder Amadée teilzunehmen und ihren pointierten Dialogen zu lauschen.
Mit der Zeit wird sich beim Lesen ein ungutes Gefühl ausbreiten, wenn Dworschak nach exzessiven Tagen und Nächten erwacht und in seinem »schwarzen Logbuch« Geschichten aufgeschrieben findet. Geschichten, an die er sich nicht erinnern kann, sie aufgeschrieben zu haben. Diese, auf mysteriöse Weise erschienen Geschichten, dürfen wir lesen; sie führen uns ins Jahr 1439 nach Frankreich, Irland (1845), erneut Frankreich (1789), Troja (1182 v. Chr.), Deutschland (1939-1942) und Russland 1918. Wer ein Gefühl für Geschichte hat, wird merken, dass es schicksalsträchtige Jahren waren, und Ilona Arfaoui gelingt es großartig, die Stimmungen der Zeit einzufangen, während sie uns erfahren lässt, wie diese Kinder auf tragische Weise zu Kindern der Nacht werden mussten. Die Autorin hat es schon immer meisterhaft verstanden, historische Ereignisse und Personen in ihre Geschichten einzuflechten, und auch bei diesem Buch ist es ein wahrer Genuss. Die Geschichte macht nicht nur große Zeitsprünge in vergangene Epochen, nein, auch kürzeren Intervallen springen wir vor und zurück, bis sich die Seele Dworschaks vor uns entblättert und aus dem Mysterium seines Lebens ein Bild entsteht. Ein herzzerreißendes Bild von Schuld, Verdrängung, Reue und Sühne. Mehr will ich nicht über die Geschichte verraten, mir ist wichtig, dass Ihr wisst, was Euch erwartet: Ein anspruchsvoller Roman voller Phantasie und Realität, historischer Fakten und einem Hauch Anderswelt.
Die Umsetzung ist mal wieder erstklassig und typisch Ilona Arfaoui. Mit Witz und Charme erzählt sie Geschichte; man fliegt durch die Zeilen und die Wortkreationen und die »Püppchensprache«, die sich durch die Geschichte zieht, ist erheiternd und stimmig. »Witz, Charme, erheiternd« … diese Facette sollte Euch allerdings nicht auf die falsche Fährte locken, denn genauso ist die Geschichte düster, tragisch und verzweifelt. Ebenso finden sich viele kleine Referenzen an klassische Musik, moderne Filme, Maler und Autoren. Wie auch bei Haruki Murakami inspiriert mich das, nach diesen Namen und Werken im Internet zu suchen und meinen Horizont zu erweitern. Die Geschichte und ihr Ausgang lassen Raum für eigene Gedanken. Für den Erstleser genauso wie für den langjährigen Fan. Und das liebe ich.
Ganz wunderbar fügen sich auch die sechs Illustrationen in das Gesamtbild ein, die die Autorin selbst gezeichnet hat. Oder war es die »Blumen-Flatter-Kleid« tragende und nach »scheußlichem Parfüm duftende« Ophelia?
Im Rahmen einer aufrichtigen Meinungsäußerung komme ich nicht umhin, die typographischen Ausrutscher zu erwähnen, die sich durch das Schreibprogramm im Bereich der Silbentrennung ab und zu eingeschlichen haben.
Nun … »Die Kinder der Nacht« ist das letzte Werk der Autorin, da sie beschlossen hat, den Füllfederhalter an den Nagel zu hängen. Diese Entscheidung sehe ich mit einem lachenden und weinendem Auge. Ich bin Ilona Arfaoui sehr dankbar für ihre Bücher, die ich so oft genießen kann, wie ich will; sie hat Großes erschaffen, einen Anspruch in das Selfpublishing gebracht, der mich vor Ehrfurcht erblassen lässt, und als Hobbyautor kann ich diese Entscheidung vollkommen nachvollziehen. Andererseits werde ich (und Ihr) wohl nicht mehr in den Genuss neuer Geschichten aus der Anderswelt (ich bin übrigens überzeugt, dass Ilona Zugang zu ihr hat) kommen. Als Fan blutet mir »so total echt« das Herz.
Ach ja, den brutalsten Satz des Buches muss ich noch mit Euch teilen. Aber seid gewarnt, der ist nichts für schwache Nerven. Ich übernehme keine Verantwortung, wenn Ihr beim Lesen des Satzes ohnmächtig werdet, okay? Weiterlesen auf eigene Gefahr:
»Eine Flasche mit uraltem Scotch und das Glas eines nagelneuen Bilderrahmens gingen dabei zu Bruch.«
Liebe Ilona: Der Bilderrahmen ist mir schnurz, aber wie kannst Du das dem (uralten!) goldenen Freund antun?
Wer meine Rezension bis hierher gelesen hat, weiß, dass es sich bei dem Buch (wie auch den Vorgängern) um eine absolute Kaufempfehlung handelt. Ich weiß, dass ich niemanden zu seinem Glück zwingend kann, aber es gerne würde. Wer Ilona Arfaoui und ihrer Anderswelt ein Mal in die Fänge gegangen ist, wird garantiert süchtig.
Willkommen in der Welt des »German Kaiju«! »Wo bitteschön?«, denkt ihr vielleicht. Vielleicht auch nicht. Für die, denen der Begriff nichts sagt, fange ich mal vorne an. »Kaiju« ist ein japanisches Wort für »seltsame Bestie«. Japan, Bestie? Na … jetzt sollte es klingeln, oder? Wenn ich den folgenden Namen nenne, werdet ihr euch alle mit der flachen Hand an die Stirn klatschen und sagen: »Warum sagst du das nicht gleich?« Godzilla. (Klatsch – Ich kann es förmlich hören.) Godzilla dürfte der berühmteste Vertreter des Genres sein. Zusammen mit Mothra (’ne Motte) oder Gamera (was sowas wie eine Schildkröte darstellt). Und auch ein gewisser King Kong darf natürlich nicht fehlen, was nicht nur dem aktuellen Franchise geschuldet ist. Also, kurzum: Kaijus sind Tiere, die deutlich riesiger sind, als sie eigentlich sein sollten und überwiegend im Kino gehuldigt werden.
Der Kaiju-Kult existiert zwar in Deutschland, aber es gab bis vor Kurzem (2019) keine ernsthaften deutschen Druckerzeugnisse zu diesem Thema. Das wiederum wollte Markus Heitkamp so nicht ohne Weiteres hinnehmen und hat sich mit dem Leseratten Verlag zusammengetan. Und daraus entstand »German Kaiju«. Riesige Monster, die deutsche Großstädte unsicher machen. (Ein richtig deutsches Monster [mit Sandalen und fleischfarbenen Socken] habe ich zwar nicht in den Geschichten gefunden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Auf den Credit bestehe ich aber!) Einige der Monster legen aufgrund ihrer exorbitanten Größe gerne mal ganze Städte in Schutt und Asche, während sie eigentlich nur von A nach B wollen; andere sind von Natur aus garstig; wiederum andere sind schrecklich hungrig und dann gibt es welche, die wollen nur spielen. Manche stammen aus Labors, manche sind durch Zufall entstanden und manche sind aus fernen Galaxien angereist, um die schöne Erde zu besuchen. Woher sie kommen, warum sie da sind, und was sie wollen, lässt herrlich viel Spielraum für die Fantasie der Autoren und Filmemacher.
Nun mag man leicht denken, dass das doch alles nur oller Quatsch ist. Godzilla (der alte) ist ein Mann im Gummikostüm, die alten Filme (nach heutigen Sehgewohnheiten) für das breite Publikum eher so lala. Aber ich sage euch, Brüder und Schwestern, so fing es mit den Zombies auch an. Vom Untergrund-Phänomen, vom Pfui-Bäh-B-Movie, aus der sumpfigen Subkultur auferstanden, um die Massen zu fesseln und zu begeistern. Nicht umsonst verdient man sich heute mit dem MonsterVerse ein güldenes Näschen und just dieser Tage strömen Millionen Menschen in die Kinos, um King Kong und Godzilla auf ihrem nächsten Abenteuer zu begleiten. Die Parallelen existieren und ich denke, wenn man bei all dem Spaß, den man beim Schreiben dieser Geschichten haben sollte, mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an die Sache herangeht, ist es eben kein »oller Quatsch«, sondern eine liebevolle Hommage an ein Genre, ein Impuls, der diese Art der Geschichten zu neuem Leben erweckt. Ob Zombie oder Kaiju. Huch, wo war ich? Ach ja.
Mittlerweile existieren zwei Anthologien und eine Novelle im German-Kaiju-Universum, die ich euch etwas näherbringen möchte.
Den Anfang macht das schlicht betitelte »German Kaiju«. Wer hätte das gedacht? Ganze drei Vorwörter (es gibt halt viel zu dem Thema zu sagen und zu erklären) und neun Kurzgeschichten randalieren auf 378 Seiten. Vielmehr die Monster, weniger die Kurzgeschichten per se und schon gar nicht die Vorwörter. Aber es geht heiß her, wenn u. a. Autoren*innen wie Thomas Williams, Hanna Nolden & Markus Heitkamp, Tom Daut oder Simona Turini zur Monsterhatz bitten. Geprägt ist der erste Band von einem respektvollen Umgang mit dem Erbe; was heißen soll, dass unzählige Menschen gefressen werden und etliche Städte in Flammen aufgehen, während der kleine Mensch alle Waffen auf das Wesen richtet, die er finden kann. Ob nun Riesenroboter aus dem Weltall, ein riesiger Wurm, der dem Flughafen BER zusetzt, Pflanzen, die sich holen, was ihnen zusteht (und noch etwas mehr) oder die Großen Alten, die nur von einer Frau gestoppt werden können (einer dementen Dame im Altenheim) … Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Autoren*innen sich der Verantwortung bewusst waren, ein (oftmals und zu Unrecht) belächeltes Genre zu reanimieren. Und in meinen Augen hat es geklappt, denn durch die individuelle Qualität der Autoren*innen hat mich jeder Geschichte auf ihre Weise blendend unterhalten. Besonders erwähnen muss man »Hansebiker gegen Mutant X« von Hanna Nolden & Markus Heitkamp. Warum? Weil Markus Heitkamp die Triebfeder hinter dem German-Kaiju-Projekt ist, und die Geschichte den Grundstein für die folgenden zwei Veröffentlichungen legt. Die Protagonisten der Story bekommen mit »Operation M.E.L.B.A.« (oder mit korrekter Groß-Kleinschreibung »m.Elb.A« – ich liebe den Teil in der Geschichte, in dem sie darüber diskutieren!) ihre eigene Novelle und es werden neue Figuren eingeführt, die sich anschließend quer durch die dritte Veröffentlichung ziehen und der Dienststelle einen Namen geben.
»Operation M.E.L.B.A.« mit seinen 132 Seiten ist ein echter Lesegenuss. Die Story ist fast schon klassisch: Ein monströser Wels und seine beiden Aal-Kumpels randalieren sich die Elbe entlang und die geheime Dienststelle der Wasserschutzpolizei, die zwar keinen Namen, aber immer ein Fläschen Kräuterlikör parat hat, muss sich wohl oder übel der Aufgabe annehmen. Zusammen mit Professor Honda, den Geschwistern Iona und Ion, einer gehörigen Portion Humor und reichlich Sarkasmus haben Friedhelm Jansen und Hein Dierks dabei alle Hände voll zu tun. Die Story ist unterhaltsam, unglaublich amüsant und witzig geschrieben und ich mochte die verschiedenen Charaktere mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten auf Anhieb.
Umso schöner war es, als sie dann auch in »German Kaiju – VerDAMNt!« auftauchten und sich beim Lesen dieser Geschichten ein Gefühl wie Klassenfahrt mit Monstern in mir breitgemacht hat. War der erste Band eine Sammlung verschiedenster Ideen und Charaktere, gibt es seit »Operation M.E.L.B.A.« einen lockeren roten Faden, der sich durch viele (nicht alle) Geschichten zieht. Yeah, I like it. Der Ton der Geschichten verändert sich im Vergleich zum Erstling ein wenig. Sprach ich vorhin von der Verantwortung, ein belächeltes Genre zu reanimieren, spürt man hier deutlicher, dass die Autoren*innen sich dieses Genre nun mutiger zu eigen machen, leisere Töne anschlagen, oder es gigantisch krachen lassen. Die Geschichten in »VerDAMNt!« »fühlen« sich selbstbewusster an. Vielleicht bin ich auch verstrahlt, aber das habe ich halt beim Lesen der Storys gefühlt.
Neben erneut drei Vorwörtern warten diesmal zwölf Kurzgeschichten auf den Leser. Am klassischsten kommt die Story »killing.exe«(Andreas Zwengel) daher: Eine durch Chemieabfälle mutierte Echse sorgt für Zerstörung … der Stoff, aus dem die Kaiju-Träume sind. »Free Meggi – Gefräßiger Schrecken aus dem See«(Sarah König) und »Der Meggie-Heist« (Ralf Kor) gehören zusammen und ergänzen sich hervorragend aus verschiedenen Perspektiven, während man den musikalischen Megalodon auf seiner Zerstörungstour durch Münster begleitet. Ungewöhnlich ist die Geschichte »Bruderliebe – Blut ist dicker als Meerwasser«(Carolin Gmyrek); ungewöhnlich heißt in diesem Zusammenhang aber auch verdammt gut! Und mit »Krebirah – Terror aus der Tiefe«(Markus Heitkamp) hält Science-Fiction Einzug in die Anthologie. Die Geschichten in »German Kaiju – VerDAMNt!« sind thematisch deutlich abwechslungsreicher als im Erstling und dadurch hat mich die Anthologie noch mehr begeistert.
Was mich ebenfalls begeistert, ist die Aufmachung der Anthologien. Englische Broschur, eine Landkarte mit den betroffenen Städten, Illustrationen von Christian Günther, die den Geschichten vorangestellt sind – genau wie die äußerst witzigen Kurzvorstellungen jedes*r Autoren*in. Hier wurde wirklich mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet. Ach ja, dass es einen farbigen Buchschnitt hat, will ich wenigstens nicht unerwähnt lassen.
Ich bin gespannt, ob – und würde mich freuen, wenn – es in Zukunft noch öfter was von Jansen, Dierks, Professor Honda und Iona zu lesen geben wird.
German Kaiju / 378 Seiten / Taschenbuch 20 Euro, eBook 14,99 Euro Mit Vorwörtern von Detlef Claus, Markus Heitkamp, Marc Hamacher Mit Geschichten von: Thomas Heidemann »Nakama, der Schrecken vom Mond« Wolfgang Schroeder »Chaodoru – Das Grauen aus der Tiefe« Tom Daut »Der Keim« Torsten Scheib »Symbiogenese« Thomas Williams »Frankensteins Raketenmonster im Blutrausch« Hanna Nolden & Markus Heitkamp »Hansebiker gegen Mutant X« Simona Turini »Flammen über Karlsruhe« Finley »Gun« McKinley »Saibotoru greift an« Markus Kastenholz »Die Großen Alten«
Operation M.E.L.B.A. / 132 Seiten / Taschenbuch 12 Euro, eBook 4,99 Euro von Markus Heitkamp Mit Vorwort von Henning Strauß
German Kaiju – VerDAMNt! / 370 Seiten / Taschenbuch 20 Euro, eBook 9,99 Euro Mit Vorwörtern von Timo Rose, Markus Heitkamp, Christian von Aster Mit Geschichten von: Andreas Zwengel »Killing.exe« Claudia Rapp »Falsch gemischt ist halb gestorben« Sarah König »Free Meggie – Gefräßiger Schrecken aus dem See« Ralf Kor »Der Meggie-Heist« Carolin Gmyrek »Bruderliebe – Blut ist dicker als Meerwasser« Markus Heitkamp »Krebirah – Terror aus der Tiefe« Rafaela Creydt »Saat des Verderbens« Isa Theobald »Die freundlichen Tentakel aus der Nachbarschaft« Marina Heidrich »Love Hurts« Tanja Kummer »Falter Royale« Thorsten Küper »Sie werden alle sterben …« Thomas Williams »Wahre Monster«
[Es handelt sich bei »Meinen Gedanken zu anderen Büchern« stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]
Ungelogen ich sitze gefühlt seit Stunden vor meinem Laptop und überlege, was ich schreiben könnte. Normalerweise packt mich Ian Cushing mit seinen Geschichten immer an meinen nicht vorhandenen Eiern, aber hier herrscht gerade das emotionale Durcheinander und ein gewisser Grat an Verwirrtheit.
Aber erst einmal zum Buch und worum es überhaupt geht: Dieses Buch erzählt die (vielleicht sogar einzig wahre) Geschichte über einen, den und dessen Taten man zu kennen glaubt. Jay begibt sich nach langer Zeit auf seine zweite Mission, die nicht weniger als das Licht unter die Menschen bringen soll. Und nebenbei seine Firma retten soll (irgendwas ist ja immer.) Als er seine ominöse Firma verlässt, gerät er auf seiner Reise durch Rom und Pfuhlenbeck (das Castle Rock des kleinen Mannes) in absurde Situationen, lernt großartige Menschen kennen und lieben und muss letztendlich feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint. Kurzum: Es ist eine Geschichte über das Leben, Glaube und Vertrauen, Freundschaft und Liebe, Versagen und das Ende der Welt. Nicht mehr und nicht weniger.
Wenn du denkst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein JayCee her. Und das in einem nicht gerade unauffälligen Outfit mitten in Rom. Sein Ziel: ein Gespräch mit dem Papst. Klappt nur so semi gut, wie man sich bestimmt vorstellen kann, denn Jesusspinner sind bekanntlich keine Seltenheit.
Auf seiner Mission den Glauben an sich und die Menschheit in die Welt zu bringen, knüpft Jay Freundschaften mit Gina, Dino und Clara. Gemeinsam retten sie der Pfuhlenbecker Dorfgemeinschaft, nach einem außer Kontrolle geratenen Wunder, sprichwörtlich den Arsch. Ach ja, der Jay und seine Wunder und der Jay mit seinem Temperament, Dinge die ihn zu einem liebenswerten Narren machen.
Glaube hat viele Gesichter. Glaube ist etwas, an dem man sich festhalten kann, etwas womit man sich sicher fühlt. Jeder interpretiert Glaube anders, wie auch die einzelnen Personen in diesem Buch, denn diese könnten unterschiedlicher nicht sein.
Und da kommen Ians literarische Zuckerstücke ins Spiel, die meinen Hirnsand nach und nach durchs Getriebe rieseln ließen und ich hab verstanden. Denn Glaube fängt bei einem selbst zuerst an.
In der heutigen Gesellschaft muss so vieles einer Norm entsprechen. Kleidung, Liebschaften, Geschlechter… wer sich nicht anpasst gehört nicht dazu und wird schnell zum Geächteten, wahlweise wird man dann auch gern im www verbal zerlegt, weil die Leute einen nicht verstehen, warum man was wie macht und das man sich gut damit fühlt. Akzeptiert wird nur Schema F, weil das war ja schon immer so.
Man ist anders, man ist laut, man ist schrill und das ist auch gut so!!!
„Die Menschen verlernen schließlich auf ihr Herz zu hören und den eigenen Wünschen und Ideen zu folgen.“
„Es kommt darauf an, dass man seine Begabung, egal wie klein und unwichtig sie einem selbst oder anderen erscheinen mag mit Leidenschaft auslebt.“
„Anders sein verunsichert die Menschen, wenn man sich anders benimmt oder eine andere Sprache spricht. Wer meint anders zu sein, fühlt sich schnell einsam. Dabei ist es unerheblich, was die anderen sagen, solange es dem Menschen selbst Erfüllung schafft.“
Danke Ian, dass ich nach längerem Überlegen tatsächlich noch Kilometerweise Text über dieses Buch schreiben könnte. Und deswegen liebe ich deine Bücher, oh welch wunderbarer Brainfuck.
»Mission Lichtbringer« ist eine witzige Story über Liebe, Freundschaft und den Tod mit unglaublich viel Tiefgang, der einen berührt. Dieses Buch macht was mit einem, spendet Trost, gibt Kraft und Hoffnung. Ian Cushing ist halt einfach Liebe.
[INNER THOUGHTS] Liebe Zuckerperlen, fragt Ihr Euch eigentlich, warum Ihr meine Zuckerperlen seid? Zum einen, weil michael.p.kraus den Begriff »Schnurzelpurzels« zuerst benutzt hat, und Autorenkollegen sich nicht gegenseitig die Anreden klauen. Zum anderen hängt das mit einer Geschichte aus meinem Buch ABSORPTION zusammen.
»Liebe Zuckerperlen« … albern, dumm, aufgesetzt? Oder vielleicht doch der Ausdruck meiner Dankbarkeit, dass es Euch gibt?
Eines Tages wollten meine Gattin und ich mit der Bahn in die Stadt fahren und während wir auf den Zug warteten, habe ich verstreute Zuckerperlen auf dem Bahnsteig entdeckt. Bunt und süß ruhten sie in den dunklen Fugen zwischen grauen Asphaltplatten. Ich konnte kaum erwarten, diesen Eindruck, und die Gefühle, die dieses Bild in mir ausgelöst hatte, aufzuschreiben. Also habe ich es innerhalb von wenigen Minuten in mein Handy getippt, ohne zu wissen, dass diese kleine Beobachtung später zum Titel und Abschluss einer kurzen Geschichte, und zur Anrede für die Menschen, die mir ihre Zeit und Leidenschaft schenken, werden würde.
Und ich hatte das Glück, Euch – meine Zuckerperlen – in der Dunkelheit zu finden. Ich bin unendlich dankbar, dass Ihr Euch habt finden lassen und nicht mit dem Wind weitergezogen seid, bevor ich Euch entdecken konnte.
»Liebe Zuckerperlen« … Der Ausdruck meiner Dankbarkeit, dass es Euch gibt!
Nach »Caspars Schatten« ist »Die Empfänger« das zweite Buch von Michael Leuchtenberger, welches ich mit Genuss gelesen habe. (Und »Pfad ins Dunkel« steht bereits in den Startlöchern.)
»Die Empfänger« enthält elf Kurzgeschichten der überwiegend phantastischen Art. Die Geschichten bieten Grusel und Phantastik, aber auch Alltagsszenen und – was durchaus bemerkenswert ist – alle können bei mir punkten.
Sprachlich exzellent (und den Erfordernissen der Geschichten und Stimmungen angepasst) lässt er uns Geistern begegnen, führt uns durch ein Museum, schickt uns auf einem Rummel auf eine Wildwasserfahrt und versäumt es dabei nicht, zu überraschen, zu gruseln oder nachdenklich zurückzulassen. Neben den »klassischen« (»Am Ypsilon links«, »Wo ist Lex« oder »Kohlmanns Spielwaren«) mag ich besonders die leisen Geschichten, die wahrlich nachklingen: »Die Stunde ist um« und »Die Kapsel«. Die beiden Storys zeigen, dass noch sehr viel mehr im Autor schlummert, als wir bis jetzt von ihm kennen.
Was ich an Michael Leuchtenberger bewundere, ist seine Fähigkeit auf sehr wenigen Seiten – die Geschichten sind zwischen fünf und sechzehn Seiten kurz – stets eine Atmosphäre zu kreieren, die mich vom ersten Satz an mitgenommen hat. Die Protagonisten haben stets genug Substanz, um nicht unter den phantastischen Ideen des Autors begraben zu werden, und die Geschichten sind rundum gut erzählt.
Umgesetzt ist das Buch … ich möchte eigentlich nicht »perfekt« sagen, weil ich nicht an Perfektion glaube … absolut erstklassig. Der Buchsatz ist sehr gelungen (mein Lesevergnügen bei einem Buch hängt nicht unwesentlich von einem guten Buchsatz ab) und das Cover ist genauso mysteriös wie die Geschichten.
Wer Kurzgeschichten liebt, sich gern auf phantastische Geschichten einlässt und den eigenen Gedanken nachhängend zurückgelassen werden will, wird mit »Die Empfänger« sehr glücklich werden.
[Es handelt sich bei »Meinen Gedanken zu anderen Büchern« stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie freiwillig auf, weil mir danach ist.]
Liebe Zuckerperlen! Vor einiger Zeit habe ich Euch gefragt, worüber ich in meinem 400. Beitrag schreiben soll. Die Tür stand weit offen für allen (un)denkbaren Unsinn, aber auf Wunsch der einzigen Teilnehmerin der Umfrage (Danke, @Ilonaarfaoui!) bekommt Ihr ein Update zu meinem aktuellen Projekt »DlgT«. Und ganz ehrlich: Welcher Autor quasselt nicht gern über sein Hobby? Obwohl ich – das muss ich gestehen – eigentlich sonst nie über ungelegte Eier spreche. Aber die Dinge haben sich in den letzten sechs Jahren eh sehr verändert.
»DlgT« … Puh. Womit soll ich anfangen?
Erste Person. Singular. Präsens. Wen das nicht bereits abschreckt, darf einen (sehr) improvisierten Klappentext lesen:
»Das blinde Vertrauen der Menschheit in Künstliche Intelligenz war ein Fehler. Die Welt – wie wir sie kennen – existiert nicht mehr; die Asche der Menschheit hat sich wie ein Leichentuch über sie gelegt. Ein Mann zieht einsam durch die graue Ödnis, um ein Versprechen einzulösen – ohne zu wissen, ob es noch einzulösen ist. ›Ich werde nicht aufgeben, bis ich sie gefunden habe. Oder bei dem Versuch sterben.‹ Auf seinem Weg stellt er sich seinen Gefühlen, seinem Schmerz und einer mörderischen Gefahr.«
Angesiedelt ist die Story in Deutschland im Jahr 2034. Aktuelle Entwicklungen, Ängste und ein pessimistischer Blick in die Zukunft sind die Zutaten, die ich zu einer Geschichte verarbeitet habe.
Ich bezeichne »DlgT« als eine dystopische Erzählung. Mit literarischen Kategorisierungen bin ich immer vorsichtig, denn vermutlich wird jemand hinter dem Busch hervorgesprungen kommen und wird behaupten, dass meine dystopische Erzählung gar keine Erzählung per Gottes Definition ist. Aber ich empfinde sie so. Also nenne ich sie so. Doch ein Buch von mir wäre kein Buch von mir, wenn nicht auch ein gewisser Phantastik-Anteil enthalten wäre, was allerdings dem harten Realismus der fiktiven Welt gut zu Gesicht steht, wenn Ihr mich fragt.
Aktueller Umfang des Projekts: 49.570 Wörter. 218 Normseiten. Aber es fehlen noch zwei Kapitel. Bei diesen beiden fehlenden Kapiteln handelt es sich um einen wichtigen Rückblick und das Ende. Richtig gehört! Das letzte Kapitel wartet noch auf seine Manifestation. Warum ich noch keinen Schluss geschrieben habe? Weil ich mich nicht entscheiden kann, ob es kurz und schmerzhaft oder lieber doch episch und schmerzhaft werden soll. Ich tendiere eindeutig zur zweiten Option. Aber das Ende steht schon fest, und sobald ich in der richtigen Stimmung bin, werde ich es niederschreiben.
Es wird ein einzelner Band sein. Würde ich einen anderen Ansatz für die Geschichte wählen, gäben das Setting, die Charaktere und Ideen, die ich im Vorfeld ausgearbeitet habe, genug für eine mehrteilige Reihe her. Ja, ich habe mir im Vorfeld wirklich viele Gedanken über die Welt, die Umstände und Charaktere gemacht, musste recherchieren wie bekloppt und vor allem den Fallen ausweichen, die ich mir selbst gestellt habe, indem ich die Welt so erschaffen habe, wie sie hoffentlich niemals sein wird. Aber ich bin kein großer Freund von Mehrteilern und konzentriere mich bei »DlgT« voll und ganz auf die Geschichte des Mannes, der ein Ziel verfolgt, ohne zu wissen, ob dieses Ziel noch existiert.
Die Rohfassung steht bereits und ich befinde mich in einem der ersten Überarbeitungsdurchgänge. Die Figuren möchten ihre eigene Stimme in den Dialogen besitzen. Die Stimmung soll präziser akzentuiert werden. Die Gedanken der Hauptfigur wollen frei fliegen. Logiklöcher warten darauf, gefunden und gestopft zu werden. Der Lesefluss will gebügelt werden.
Wenn dieser Durchgang beendet sein wird, werde ich – bevor es nach und nach an den Feinschliff geht – das Manuskript eine Zeitlang ruhen lassen. Ich brauche etwas Abstand von der grauen Dunkelheit und muss mich um einige Dinge kümmern, die im Privatleben während meiner Reise durch die Ödnis meines Verstandes liegengeblieben sind. Und ich habe Ideen für ein oder zwei Kurzgeschichten, die ich gern ausprobieren möchte. Und wenn ich dann nach Wochen oder Monaten die Geschichte das erste Mal wieder lesen werde, werde ich wissen, ob die Reise weitergeht oder nicht.
»Wann es erscheinen wird«, fragt ihr Euch? Okay, vielleicht fragt Ihr Euch das auch nicht, aber ich verrate trotzdem, dass es nicht mehr in diesem Jahr auf Euren Nachttischen liegen wird. Aber nächstes Jahr.
Und ich weiß jetzt schon, dass es im Vorfeld nicht viel Action geben wird. Irgendwann nächstes Jahr werdet Ihr aufwachen und ein neues Taschenbuch von Onkel Cushing ist da. Einfach so. Keine Limitierung, kein langer Vorlauf, kein Schnickschnack, kein farbiger Buchschnitt und garantiert keine Künstliche Intelligenz. Just a book. Oldschool. Ich mag den Ansatz jetzt schon und freue mich auf den Tag, an dem es endlich soweit sein wird.
Und jetzt seid Ihr dran! Gefällt Euch der Ausblick auf meine Geschichte? Freut sich hier überhaupt jemand auf das Buch?
Zur besseren Lesbarkeit habe ich den Text auf meiner Homepage unter »Specials« gestellt. Instagram und meine mittelgradige Weitschweifigkeit passen einfach nicht zusammen.
In diesem Sinne … alles Gute, meine Zuckerperlen! Ich danke Euch, dass Ihr mir zugehört habt. Ohne Euch wäre ich nichts. Ian.
Nach vier Bänden ihrer A. S. Tory-Reihe beglückt uns S. Sagenroth mit einem neuen Buch, welches sich dem Glück der Glücklosen widmet.
Eine herrlich bunte Truppe begibt sich auf eine Reise durch die Zeit, um Glück und Liebe zu finden. Oma Elsa, eine renitente Dame gehobenen Alters, sagt dem Leben im Altenheim Tschüssikowski und nimmt ihre verpeilte Enkelin Luisa, den erfolglosen und unglücklichen Autor Frederic und den Altrocker Fiete mit auf eine Reise, die ihresgleichen sucht. Oma Elsa hat nämlich ein Geheimnis: Dank der langjährigen Bekanntschaft mit einem mysteriösen Zeitreisenden und einem besonderen Artefakt reist die Reisegruppe durch die Zeit und landet in Paris zur Weltausstellung, wo sie nicht unmaßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Picasso seine »Blaue Phase« beginnt; trifft Ende der 1920er Jahre Bertholt Brecht bei der Premiere der »Dreigroschenoper« in Berlin, kifft sich munter durch das legendäre Woodstock-Festival und wohnt der Geburt der Tschechischen Republik bei. Da selbstredend nicht immer alles glatt läuft, muss sie sich gegen dunkle Einflüsse wehren, um letztendlich die Reise erfolgreich beenden zu können. Aber Freundschaft, Glücksempfinden und Liebe lassen die vier Zeitreisenden (inklusive zwei Ersatzspielern und Kater Chomsky) triumphieren.
Die unterschiedlichen Charaktere – wenig überraschend für diejenigen, die mich kennen, sympathisiere ich stark mit Fiete (oder Chomsky) – sind das Salz in der Suppe und auch die sich anbahnende Liebesgeschichte (und ich Romance und sowas nicht sonderlich spannend zu lesen finde), findet auch das in der perfekten Dosierung, ohne Peinlichkeit und Plattitüden, statt.
Obwohl Frau Sagenroth vermutlich erst weit, weit, weit nach Woodstock geboren sein dürfte, vermittelt sie die Stimmung der einzelnen Epochen ganz hervorragend. Es muss eine Menge Recherchearbeit gekostet haben, sich die vielen Details der Weltausstellung, der Ringvereine des Berliner Untergrunds oder auch des Woodstockfestivals so zu verinnerlichen, um diese Zeiten und Besonderheiten so lebendig präsentieren zu können. Auch ist es ihr grandios gelungen, mich auf eine Zeitreise an sich mitzunehmen. Zeitreisen in Büchern und Filmen sind stets die Paradedisziplin, an der man großartig scheitern kann; aber wenn man, wie bei »Monsieur Lucile und die Suche nach dem Glück«, die Reise antritt, weil sie einfach so zu sein hat, ist das Phantastik feinster Güte.
Neben den geschichtlichen Aspekten kommen auch philosophische Gedanken nicht zu kurz. So sagt der Zeitenwandler an einer Stelle:
»Nichtsdestotrotz neide ich ihnen den Schaffensprozess, die kreativen Schübe, wenn sie ganz weggetragen sind, umwölkt von ihrer Musik, der Sprache oder ihren Bildern und darstellenden Werke.«
Und Oma Elsa gibt ihrer Enkelin den Rat:
»Ja, es geht, sobald du loslässt, sobald du sagst: Egal, was daraus wird. Ich habe meinen Spaß. Und den hast du in dem Moment, da du nicht mehr nach dem Warum und Wofür und was wird daraus, fragen wirst.«
Mich erinnert die Haltung an Albert Camus, der im »Mythos des Sisyphos« sagt, dass
»[…] die letzte Anstrengung für […] Künstler darin besteht, sich auch von ihren Unternehmungen befreit zu wissen: zu dem Eingeständnis zu gelangen, dass das […] Kunstwerk […] nicht sein MUSS und so die tiefe Nutzlosigkeit allen individuellen Lebens zu vollenden. Gerade das gibt ihnen mehr Leichtigkeit bei der Verwirklichung dieses Werkes, wie die Erkenntnis der Absurdität des Lebens ihnen das Recht gab, sich mit allen Ausschweifungen hineinzustürzen.«
Während manchem*r Leser*in in der Gedanke Camus’ vielleicht negativ erscheinen mag, ist es genau das Gegenteil. Das Versinken in einen kreativen Schub, die vollständige Umwölkung mit dem eigenen kreativen Handeln, ohne Konsequenzen zu bedenken oder heraufzubeschwören, ohne sich selbst als Nabel der Welt zu betrachten, und seine Kunst oder sein Handwerk überzubewerten, ist für mich wahres Glück und daher habe ich mich bei den Gedanken zu Hause gefühlt.
Weiter sagt der Zeitenwandler:
»Und das Höchste wohl ist, wenn die Freude des Zuschauers, Zuhörers oder Lesers auf seinen Schöpfer zurückfällt. Der Beifall, das Lob, die Bewunderung. Das ist der Moment, um den ich den Künstler wahrhaftig beneide.«
Wer, der jemals etwas Eigenes erschaffen und öffentlich zugänglich gemacht hat, könnte dieser Aussage auch nur im Ansatz widersprechen?
Die Playlist, die man ebenfalls in ihrem Buch findet, rundet das (Lese-)Erlebnis deutlich ab. Die Autorin webt ihre Liebe zur Musik gekonnt in ihre Geschichte ein, und was denkt ihr wohl, geschieht, wenn man beim Zeitsprung »Sympathy for the Devil« hört?
S. Sagenroth schreibt einfach großartig. Ihre Sätze fließen, die Geschichte kennt keine Hänger und wird stetig vorangetrieben, was das Buch zu einem echten Lesegenuss macht, den ich dringend benötigt habe, da mich eine Leseflaute fest in ihrer Gewalt hatte. Frau Sagenroth ist ein Paradebeispiel für gewissenhafte Selfpublisher, die mit Leidenschaft, Hingabe und Sorgfalt beweisen, dass Bücher, für die der/die Autor*in von A bis Z selbst verantwortlich ist, mit jeder Verlagsveröffentlichung mithalten können.
Auch wenn Fiete zu der Erkenntnis gelangt – und ich diese Einstellung teile –, dass »die besten Dinge im Leben keine Gegenstände sind, sondern Momente, die du für immer in deinem Herzen trägst«, bin ich froh, dieses Buch im Regal stehen zu haben. Durch das Lesen hat sich der Gegenstand in einen Moment verwandelt, den ich nicht mehr missen möchte.
Jede*r, der/die in diesen Zeiten ein Feelgood-Time-Travel-Roadmovie nötig hat, sollte sofort zuschlagen. Oder wie Oma Elsa es sagen würde:
»Do it! Mach es einfach!«
[Es handelt sich bei „Meinen Gedanken zu anderen Büchern“ stets um meine rein subjektive Meinung als Leser und ich schreibe sie auf, weil mir danach ist. Das geschieht rein freiwillig.]
Mein Fazit: Ich mag es sehr wenn sich die Geschichte im früher und heute vereinen. Die Geschichte fand ich genial, habe so mit Barbara mitgefühlt als wäre ich an ihrer Seite.
Im 1611 zu leben ist gewiss nicht einfach gewesen, wenn man den Geschichtsbücher folgen kann, was bei Hexenverfolgung alles unternommen wurde; einfach nur barbarisch und grausam, dies schreibt Ian sehr detailliert.
Die Verbindung mit den Freunden war echt gut umgesetzt, um den Bild ein Gesicht zu geben. Die Atmosphäre war glaubhaft und so realistisch geschrieben, jeder Protagonist hatte seine Rolle.
Ich habe schon mehrere Werke von Ian gelesen, mir fehlt nur noch Mission Lichtbringer.